Lieber Dieburg als Wiesbaden

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Jennifer Braun hatte gute Laune und rockige Töne mitgebracht.

Dieburg - Das Abitur in der Tasche, den Rock im Blut: 2010 hatte Jennifer Braun wenig Zeit zum Lernen – beim TV-Casting „Unser Star für Oslo“ marschierte sie bis ins Finale, ehe sie gegen Lena Meyer-Landrut knapp die Teilnahme am „Eurovision Song Contest“ verpasste. Von Jens Dörr

Lena wurde zum Superstar und hat heute so ziemlich ausgesorgt. Braun ging wieder auf die Schule in ihrem Heimatort Eltville und freut sich seit wenigen Wochen, dass das Bankdrücken für sie nun ein Ende hat. Am Samstag war ihr Auftritt einer der Höhepunkte beim Open Air des SC Hassia Dieburg auf dessen Sportgelände. Neben Braun sorgten die Gruppen Hard Cover, The Blue Blistering Barnacles und die Radiohelden für Unterhaltung.

Der Dieburger Zahnarzt Ingo Gerlach und die „Blue Blistering Barnacles“ verzichteten auf ihre Gage.

In Sachen musikalische Qualität hielt die Veranstaltung das, was sie versprach – die Musik-Fans zogen allerdings nur bedingt mit: Kaum mehr als 150 Zuschauer kamen ans Wolfgangshäuschen. Armin Lortz, der das Open Air mit Bühne auf dem Hauptfeld und gastronomischem Angebot organisiert hatte, hatte auf ein Vielfaches an Gästen gesetzt. Weshalb es anders kam, wusste er nach der Veranstaltung selbst noch nicht genau: „Zu warm und Heinerfest –das habe ich immer wieder gehört.“

Die Bands brachten aber letztlich nicht die zahlreichen Anhänger mit, die sich Lortz aufgrund von Erfahrungen anderer Events erhofft hatte. Der Steinauer, der sich seit einigen Monaten mit vielen Ideen beim SC Hassia einbringt – Lortz arbeitete viele Jahre lang in Dieburg und kennt in der Stadt daher viele Leute –, verwies etwa auf Solo-Auftritte der Radiohelden vor mehr als 400 Menschen. Er muss die Zahlen kennen, managt er diese Gruppe doch selbst.

Blue Blistering Barnacles

Rockröhre Braun ließ sich zum Auftakt den Spaß jedoch nicht nehmen. „Das war absolute Weltklasse“, geizte Lortz nicht mit Lob. Die Sängerin („I care for you“) mischte sich anschließend unters Publikum – und hatte offenkundig ihre Freude. Obwohl sie eigentlich um 17 Uhr schon wieder beim nächsten Gig in Wiesbaden hätte sein müssen, traf man sie um diese Uhrzeit noch in Dieburg an. Braun setzt in den nächsten Monaten ausschließlich auf die Karte Musik, experimentiert. In einem Jahr dürfte sich entscheiden, ob ihr Weg ausschließlich in dieses Geschäft führt.

Nach Braun erlebten die Zuschauer unter anderem die Blue Blistering Barnacles. An der Geige der Irish Folk-Band zeigteZahnarzt Ingo Gerlach was er mit diesem Instrument anzustellen vermag. Erwähnenswert, dass die Band auf ihre Gage verzichtete – damit mehr Geld zugunsten der krebskranken Ayleen Jelinek übrig blieb, die einen Teil der Einnahmen des Mini-Festivals und auch des Public Viewings des Sportclubs erhalten soll.

Härtere Töne schlugen Hard Cover an, die fünfköpfige Gruppe aus Darmstadt, Reinheim und Groß-Gerau hat etwa Hits von ZZ Top und ACDC auf dem Spielplan.

Die in Dieburg bekannten Radiohelden bildeten am Abend den Abschluss – noch ehe der Regen einsetzte, war das Open Air beendet. JInklusive der Public Viewings und dem Testspiel gegen Darmstadt 98 besuchten im Juni mehr als 4 000 Menschen die Veranstaltungen der Hassia. Der Reigen endete am Sonntag mit der Übertragung des EM-Endspiels vor 150 Leuten.

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