Das Rezept des Hacksteaks bleibt

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Woula und Vasili Stavridis verabschieden sich.

Dieburg - „Ich bin dann mal weg“ – ganz nach diesem Motto verabschieden sich dieser Tage zwei Dieburger Institutionen aus den Mauern der Gersprenzstadt: Woula und Vasili Stavridis schließen ihr Restaurant „Löwenkeller Olympia“ und kehren in ihre griechische Heimat zurück, wo die beiden ein Haus besitzen. Von Matthias Grimm

Ab heute sind nur noch geschlossene Gesellschaften zu Gast, nach den „Abschiedsessen“ für die Stammgäste am 15. und 16. Mai ist endgültig Schluss.

In den letzten Tagen klingelt das Telefon nonstop, das Restaurant ist schon kurze Zeit nach Öffnung voll besetzt – es ist schwierig, überhaupt einen Platz zu finden. Die Dieburger nehmen Abschied von „ihrem Griechen“. Und auch bei Vasili Stavridis schwingt ein Hauch Wehmut mit: „Es ist nicht so leicht aufzuhören. Die Gäste sind zu Freunden geworden – manche waren schon als Kinder hier und sind nun mit ihren Kindern bei uns zu Gast.“

Zu 80 Prozent Stammgäste

Zu 80 Prozent bestand die Kundschaft aus eingeschworenen Stammgästen, darunter 13 Fastnachtsgruppen und mehrere Stammtische - eine Basis von der viele Gastronomen träumen.

Dabei war der Anfang schwer: Zu Beginn der Siebziger Jahre kamen die gelernte Frisörin Woula und der Schlosser Vasili nach Deutschland. Griesheim war hier ihre erste Station, wo sich die beiden auch kennen und lieben lernten. Sie halfen abends öfters in Lokalen ihrer Verwandtschaft aus, bevor sie 1982 den Schritt in die Selbstständigkeit wagten – im Dieburger Löwenkeller.

Viele Leute hätten sie zunächst gewarnt: „Die Dibboijer essen kein Knoblauch“, so die Vorbehalte über die damals im ländlichen Raum noch eher unbekannte griechische Küche. Und tatsächlich – es brauchte ein halbes Jahr, bis das Geschäft so langsam ins Rollen kam.

Damit begann eine gastronomische Erfolgsgeschichte, jahrzehntelang war der Löwenkeller Olympia mit seinen griechischen Spezialitäten nicht aus Dieburg wegzudenken. Vor allem das würzige griechische Hacksteak und die Peperoni in Knoblauchsoße haben es den Dieburgern angetan. Woula Stavridis sagt stolz: „Ein Gast hat in den 30 Jahren tatsächlich immer Hacksteak gegessen, einer hat sich jetzt 30 Stück zum Einfrieren mitgeben lassen, etliche haben sich das Rezept aufgeschrieben.“ Kurzum: Auch die Dieburger haben schon lange den Knoblauch akzeptiert und sich Woulas leckere Gerichte auf der Zunge zergehen lassen.

Zeit der letzten Besuche im Löwenkeller

Es ist die Zeit der letzten Besuche im Löwenkeller. Vasili Stavridis erzählt: „Mehrere Leute verabschiedeten sich unter Tränen, die Leute haben geheult. Wir wollen uns bei der Dieburger Bevölkerung für diese Treue bedanken.“

Doch Woula und Vasili sind nicht aus der Welt, sie werden regelmäßig nach Dieburg kommen, um ihre beiden Töchter und das Enkelchen besuchen.

„Noch habe ich das nicht richtig registriert“, versucht Woula ihre Gefühlslage zu beschreiben, „momentan ist es, wie wenn man in Urlaub fährt.“ Doch freut sich die 56-jährige schon auf die gemeinsame Zeit mit ihrem Vasili, der mit 65 Jahren in den wohlverdienten (Un)Ruhestand geht – in Griechenland wird er ein wenig Weinbau betreiben. So weit weg von der Gastronomie ist diese Beschäftigung ja auch nicht.

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