Männer am Rande des Nervenzusammenbruchs

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Das Chaos breitet sich aus.

Dieburg ‐ „Sie haben es nicht gelesen, Sie haben es wirklich nicht gelesen?“ Fassungslosigkeit steht Produzent David O. Selznick ins Gesicht geschrieben. Von Verena Scholze

Wir befinden uns im Jahr 1939 in Hollywood. Im Büro von Selznick entsteht gerade einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten, auch wenn es nicht so aussieht. Selznick (Michael Lesch) hat sich mit Regisseur Victor Fleming (Marten Sand) und Drehbuchautor Ben Hecht (Markus Völlenklee) in seinem Büro eingeschlossen, um ein neues Drehbuch für „Vom Winde verweht“ zu erschaffen. Das alte Script hatte sich nach der x-ten Fassung als zu schlecht erwiesen. Nun soll es Drehbuchprofi Ben Hecht, auch „Meister der Dialoge“ genannt, innerhalb einer Woche richten.

Die Sache hat jedoch einen Haken: Der frustrierte Intellektuelle hat das Südstaatenepos von Margaret Mitchell nicht nur nicht gelesen, er hält die Geschichte um Scarlett O' Hara auch noch für kitschig. Solche Werke tituliert er abschätzig als „Mondlicht und Magnolien“. Also muss Hecht zunächst mit Drohungen und Geld überzeugt werden, bevor es an die Umsetzung gehen kann, bei der Selznick und Fleming ihm das komplette Buch vorspielen, Szene für Szene. So oder so ähnlich soll sich die Entstehungsgeschichte zugetragen haben, die Ron Hutchinsons in seiner Komödie „Mondlicht und Magnolien“ erzählt und die jetzt in der Dieburger FH-Aula zu sehen war.

Das Chaos regiert auf der Bühne

Bereits das Bühnenbild versetzte die Besucher der Aufführung im Rahmen des Dieburger Theaterrings in die Welt des Kinos. Im Breitbandformat wird das Büro präsentiert, mit imposanten Schreibtisch und Ledersofa. Dieses gediegene Bild ändert sich jedoch im Laufe der Woche. Selznick hat allen dreien eine Diät aus Bananen und Erdnüssen verordnet, deren Reste sich irgendwann überall mit Unmengen Papier vermischen. Das Chaos regiert. Einzig Miss Poppenghul (Renee‘ Zalusky) als Sekretärin behält - ebenso übernächtigt wie die Herren - den Überblick.

Mit rasendem Tempo werfen sich die Darsteller ununterbrochen Sätze wie Pingpongbälle zu und überzeugen als drei Männer am Rande des Nervenzusammenbruchs. Szenen wie die Geburt eines Babys bringen Selznick und Fleming überzeugend rüber und liefern dem Publikum durch Mimik und Gestik diverse Gags.

Miss Poppenghul überzeugt

Auch wenn das Publikum den Ausgang des Stückes kennt, ist das Bühnenstück jedoch sehr kurzweilig. Amüsanten Szenen wechseln mit ernsten, etwa jenen, in denen Hecht die Rassendiskriminierung im Buch rügt und die Judenverfolgung in Europa scharf kritisiert. Miss Poppenghul überzeugt das Publikum in den wenigen Szenen durch ihre eigene Art der komödiantischen Darstellung.

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