Die mageren Zeiten sind vorbei

+
Lebensmittel einkaufen mit dem Kirchturm im Hintergrund - das war in Dieburg lange Zeit nicht mehr möglich. Gestern hat auf dem Altstadtgelände der „Penny“-Markt eröffnet. Die Resonanz war überwältigend. Der Dieburger Helmut Blank, der hier seinen Einkaufswagen zum Auto schiebt, meinte auch, dass „es höchste Zeit dafür war“.

Dieburg ‐  Auf diesen Tag haben die Dieburger lange gewartet, und auch Bürgermeister Dr. Werner Thomas war die Erleichterung deutlich anzusehen: Seit gestern hat die Innenstadt wieder einen mit über 3 000 Artikeln gut sortierten Lebensmittelmarkt. Von Lisa Hager

Der erste „Run“ auf das in neun Monaten entstandene Geschäft auf dem Altstadtgelände - es hat montags bis samstags von 8 bis 22 Uhr geöffnet - war groß. So gab es überall erfreute Gesichter - auch bei Peter Lang, Geschäftsführer der MCC Projekt GmbH, die das Gebäude als Investor errichtet und mit „Penny“ einen Betreiber gefunden hat. „Es scheint ein Erfolg zu sein“, sagte Lang bei der offiziellen Eröffnung. „Die Kunden kommen gefahren, gelaufen und geradelt - das könnte rekordfrequenzverdächtig werden“, stellte er zufrieden fest. Und tatsächlich war der Parkplatz mit 78 Stellplätzen nicht ausgelastet, da viele Interessierte auf motorisierte Transportmittel verzichtet hatten.

Lang ist sich sicher, dass man mit dem Bau, einer abgetönten Glas-Stahl-Konstruktion eine dezente Lösung - „Hintergrund für die künftige Stadthalle“ -   gefunden habe. Die Zusammenarbeit mit der Stadt sei seit der ersten Kontaktaufnahme auf der Expo in München sehr konstruktiv verlaufen, sagte er.

„Es ist ein unbedeutender Tag für die Menschheit, aber ein bedeutender für Dieburg“

Es ist ein unbedeutender Tag für die Menschheit, aber ein bedeutender für Dieburg“, formulierte Bürgermeister Thomas seine Eindrücke. Die Platzierung des Marktes an dieser Stelle sei nichts Geringeres als „komplett gegen den Trend zur Grünen Wiese anzugehen“, sagte er. Er habe es sich in den Kopf gesetzt, wieder einen Markt in die Innenstadt zu holen, das sei gelungen.

Zusammen mit der künftigen Römerhalle, die im Juni nächsten Jahres eröffnen soll, könne hier ein Gegenpol zum Marktplatz entstehen, ein „neuer Dalles“ sozusagen. Erst am Morgen noch habe er mit einer älteren Dame aus der Steinstraße gesprochen, die nur noch zu Fuß zum Einkaufen gehen könne. „Sie wird bestimmt Stammkundin bei Ihnen“, meinte er zu den Vertretern von „Penny“. Thorsten Will, der Gebietsleiter Expansion, berichtete, dass man genau so einen Standort gesucht habe für Dieburg. „Wir wollten nicht der zehnte Discounter am Stadtrand werden und noch mehr ,Flachmänner' hinstellen“, sagte er. Die städteplanerische Funktion des Gebäudes sei wichtig gewesen.

In den Anbau kommt eine Holzofenbackstube

Innovatives geschieht demnächst auch in dem verglasten etwas zurückversetzten Anbau. Dort ist die Vergabe einer Teilfläche an einen Metzger gescheitert. Deshalb wird die Bäckerei Schellhaas das gesamte Areal übernehmen und dort eine Holzofen-Schaubackstube auf Biobasis einrichten. Dem Bäcker kann man dann bei der Arbeit zusehen. Daneben wird es natürlich das normale Bäckereisortiment und ein Café geben.

Georg Schellhaas, der das Projekt vorstellte, hat seine Bäckerlehre in Dieburg in der ehemaligen Backstube Brasch (vormals Lohrum) absolviert. „In meiner Lehrzeit habe ich hier auch meine Frau Susanne kennen gelernt“, sagte er. Und schon lange haben die beiden vor, aus dieser Verbundenheit heraus in Dieburg etwas Besonderes auf die Beine zustellen. „Und jetzt wird es das Backen im Holzofen.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare