Maimarkt 2010: „Nicht mehr zu toppen“

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Unterm Zeltdach ließ es sich auf dem Marktplatz auch abends gut feiern.

Dieburg ‐  Damit hatten die Verantwortlichen nicht gerechnet: Als am Samstagnachmittag der weinrote Oldtimer Baujahr 1916 auf dem Marktplatz vorfährt und die Frage gestellt wird, ob denn von den Senioren jemand das gleiche Geburtsjahr vorweisen kann, geht tatsächlich eine Hand hoch. Von Michael Just und Lisa Hager

 Die Dieburgerin Anna Moll ist nicht nur im gleichen Jahrzehnt wie das Vehikel geboren, sondern sogar noch zwei Jahre älter (Jahrgang 1914). Dass die Stadt ihren Seniorennachmittag in den Maimarkt integrierte, erwies sich als goldrichtige Entscheidung: 600 Anmeldungen lagen vor, so dass 1 200 Stück Kuchen bei einem lokalen Bäcker in Auftrag gegeben wurden. Den Kaffee ließen sich die Senioren schmecken, auch weil das Bühnenprogramm kaum Wünsche offen ließ: Das Darmstädter Swing-Sound-Orchestra spielte melodische Klänge bis zu Zarah Leander, die Tanzgruppe des Seniorentreffs trat auf und kein geringer als der südhessische Polizeipräsident Gosbert Dölger stand für Fragen zur Sicherheit Rede und Antwort. Thematisiert wurde nicht nur den „Enkeltrick“, sondern auch das Problem, dass in der Fußgängerzone immer noch rücksichtslos Rad gefahren wird. Dazu hatte Bürgermeister Werner Thomas die passende Antwort: „Nicht den Kopf schütteln, sondern die Leute auf ihr Fehlverhalten ansprechen.“

Mehr Bilder vom beliebten Frühlingsfest

Buntes Programm für jung und alt

Am Samstag war der Himmel rechtzeitig aufgerissen und bescherte den Maimarkt-Besuchern und Beschickern zumindest einen „frühlingshaften“ Tag. Der Freitag Abend erwies sich als kühler: In Jacken und teilweise mit Schal standen die Musiker von „Sushiduke“auf der Bühne. Die rockten was das Zeug hielt, so dass es den Besuchern schnell warm wurde. Rund 400 Besucher blieben vom Thermometer unbeeindruckt, einige tanzten mit Mütze vor der Bühne. Am Samstagabend erreichte die Stimmung mit „van Baker“ und zahlreichen weiteren Auftritten, unter anderem vom Fitness-Treff, der Tanzschule Wehrle oder dem Hofballett, ihren Höhepunkt.

„Da kommt das Schlossgartenfest nicht ran.“

Den genoss auch Marktmeister Armin Kaiser, auch wenn ihm die Anstrengung des Vorbereitungsmarathons im Gesicht geschrieben stand: „Ich bin seit vier Uhr wach, da haben bereits die ersten zwecks Aufbau angerufen“, berichtet er. Dass das Handy in seiner Hosentasche das ganze Wochenende kaum stillstand, war schon beim Blick auf den Maimarkt-Fahrplan zu erahnen: Noch nie wartete ein solch` geballtes Programm auf die Besucher, bei dem ein Auftritt den nächsten jagte. „Mehr geht nicht. Das ist nicht mehr zu toppen“, bilanzierte Kaiser mit Blick in die Zukunft. Trotz der hohen Ausgaben - unter anderem für die Sicherheitsdienste - möchte er das Level unbedingt halten und qualitativ nicht rückwärts gehen. Lukullisch sprachen vor allem Sternekoch aus Klingenberg und eine ganze Reihe von Weinständen für das „Prestigeobjekt Maimarkt“.

Eins kann man noch nicht organisieren: das Wetter. Aber echte Maimarkt-Fans, wie beispielsweise Angelika Laub, ließen sich davon nicht abhalten. „Die Atmosphäre in der Innenstadt ist einfach toll, da kommt das Schlossgartenfest nicht ran“, sagt sie mit Blick auf die große Gewerbe- und Unterhaltungsshow, die jedes Jahr ein „Muss“ für sie darstellt. Sie lobt den großen Schirm überm Markt mit seiner tollen Atmosphäre, dazu den Ausguck von der Gondel des „Meister-Kran“. Bei den „Schlepper Schraubern“ und ihrer alten Holzschneidemaschine fühlt sie sich an ihre Kindheit erinnert: „So was ist früher von Haus zu Haus gefahren.“

Entenrennen wieder ein Publikumsmagnet

Beim Chefkoch sind wir auch gewesen“, ergänzt Werner Laub und meint damit Sternekoch Ludger Helbig, der Riesengarnelen, Lachs auf Orangenfenchel oder Schweinebäckchen aufbot.

Der Sonntag startete mit dem beliebten Matineesingen auf der Marktplatzbühne - und pünktlich hörte sogar der morgendliche Dauerregen auf. Der neue Dirigent des Kellerschen Männergesangvereins, Dirk Schneider, gab dabei sein Debüt als brillanter Solosänger mit mordlüsternen Liebesliedern.

Viele von auswärts nutzten den Nachmittag zum Muttertagsausflug nach Dieburg, auch um die verkaufsoffenen Geschäfte zu besuchen. „So ein Cabrio hätte ich schon gerne“, seufzte eine Besucherin beim Anblick der glänzenden Karossen, die die Dieburger Autohäuser auf dem Leer-Parkplatz präsentierten. Ihre beiden kleinen Töchter zog es aber eher zum Entenrennen an die Gersprenz. Ihre gelben Favoriten, die um die Wette schwimmen sollten, hatten die Mädchen schon fest in der Hand. Und die größere witzelte: „Meine hat nur ein PS, äh, eine Entenstärke, mein' ich.“

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