„Man ist nie fertig mit einem Stück“

Interview mit Wunderkind Ben Lepetit

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Ben Lepetit spielt heute in der Dieburger Römerhalle. „Bei den ruhigen Stücken kommt es aufs Zaubern an“, sagt der Zehnjährige.

Dieburg - Er ist erst zehn Jahre alt und eröffnet heute um 18 Uhr in der Römerhalle die vierte Dieburger Klaviertrilogie des Dieburger Konzertdirektors Richard Berg: Ausnahmetalent Ben Lepetit spielt in der Römerhalle Werke von Bach, Beethoven, Schumann, Liszt, Chopin und Tschaikowsky.

Der faszinierende junge Pianist, der bereits in den großen Fernseh-Shows wie „Klein gegen Groß“, „Superkids“ und „Superhirn“ sowohl Juroren als auch Publikum gleichermaßen in Staunen versetzte, ist bereits Jungstudent an der Franz-Liszt-Hochschule Weimar, wo er von Professor Grigory Gruzman (tritt heute Abend im dritten Teil der Trilogie auf) unterrichtet wird. Vor seiner Reise nach Dieburg stand das Wunderkind, das in Chemnitz lebt und tatsächlich mit bürgerlichem Namen „Ben der Kleine“ heißt, unserem Mitarbeiter Jens Dörr Rede und Antwort zu seiner noch jungen, aber schon jetzt außergewöhnlichen Karriere.

Ben, wie muss man sich derzeit einen üblichen Tag in Deinem Leben vorstellen? 

An normalen Schultagen komme ich nach Hause und esse zu Mittag. Dann ruhe ich mich aus und schaue dabei gerne eine kurze Tierdoku. Danach mache ich etwas Spanisch und Englisch und gehe danach raus – Fußball spielen, spazieren oder Fahrrad fahren. Dann machen wir eine gemütliche Pause und danach übe ich. Meist gehe ich vor dem Abendessen noch mal raus spielen und nach dem Abendbrot übe ich noch mal. Dann trinken wir zusammen Tee und wenn ich Hausaufgaben habe, mache ich sie da. Oder wir spielen was zusammen oder hören Musik. Dann gehe ich schlafen und lese noch mit Mama oder Papa oder alleine.

Schlägt sich Dein musikalisches Ausnahmetalent auch in anderen Bereichen nieder, etwa in der Schule? Welche Sonderregelungen gibt es dort für Dich ob Deiner Auftritte in der ganzen Republik?

Ich gehe sehr gerne zur Schule. Besonders mag ich Mathe und Sport, aber auch die anderen Fächer. Bis jetzt ist mir die Schule eher leicht gefallen. Ich bekomme immer frei, wenn ich ein Konzert habe.

Wie viele Stunden verbringst Du wöchentlich am Klavier, auf welche Weise übst Du?

Es ist eigentlich nicht unbedingt die Zahl der Stunden so wichtig, sondern wie man übt – nämlich mit Spaß, und da schaue ich nicht so genau auf die Uhr. Wenn ich ein neues Stück lerne, finde ich es sehr wichtig, erst mal die Harmonien und Akkorde zu analysieren. Da hilft mir auch mein Kompositionslehrer. Das ist sehr spannend.

Wer managt Dich derzeit?

Anfragen für Konzerte und Auftritte kommen entweder direkt an uns oder über andere. Ein professionelles Management habe ich nicht.

Wer trifft die Auswahl, was Du beispielsweise beim Konzert in Dieburg spielst?

Die Auswahl der Stücke, die ich spiele, bespreche ich mit Herrn Gruzman. Es gab auch schon mal Wünsche für bestimmte Stücke, aber ich kann immer mit entscheiden, was ich spiele.

Was ist für Dich höher anzusiedeln: Auftritte im Fernsehen vor Millionen Menschen – oder anspruchsvolle Konzerte wie jenes anstehende in Dieburg?

Natürlich sind solche Konzerte wie jetzt in Dieburg das, wofür man eigentlich übt. Aber durch die Auftritte im Fernsehen bringt man die Klaviermusik sozusagen ins Wohnzimmer von Menschen, die sonst vielleicht nicht diese Musik hören und vielleicht dadurch neugierig auf mehr davon werden.

Welches Werk, das Du in Dieburg spielen wirst, ist für Dich das anspruchsvollste?

Ich finde, jedes Stück ist auf seine Weise anspruchsvoll – die virtuosen genau so wie die ruhigen, wo es aufs Zaubern und den besonderen Klang ankommt.

Welche Komponisten oder Künstler magst du denn am liebsten?

Ich habe keinen speziellen Lieblingskomponisten. Es sind alle so besonders und einmalig. Es gibt natürlich Komponisten wie Bach, Beethoven, Schumann, Chopin, Liszt, die ich mehr gespielt habe als andere und daher vielleicht schneller in deren Stücke rein finde. Aber es gibt noch so viel, was ich spielen und kennenlernen möchte. Besonders begeistert bin ich von Evgeny Kissin. Aber ich finde auch György Cziffra unglaublich, wie virtuos er spielen konnte. Ich mag auch sehr gerne Opern.

Gibt es Tage, an denen Du keine Lust aufs Klavier hast?

Also, bis jetzt gab es noch keinen Tag, an dem ich keine Lust zum Üben hatte. Man ist ja nie so wirklich fertig mit einem Stück – es gibt immer noch was Neues zu entdecken. Es wird eben nie langweilig, und dann gibt es ja auch noch die vielen Stücke, die ich noch lernen will!

Welche Rolle in Deiner Entwicklung nimmt Grigory Gruzman ein, der am Samstag ebenfalls zu hören sein wird und ein Freund des Dieburger Veranstalters Richard Berg ist?

Herr Gruzman zeigt mir nicht nur, wie man schwierige Passagen schafft oder was ich über die Stücke wissen muss und über die Zeit in der sie komponiert wurden. Sondern auch, wie man zum Beispiel moderiert. Oder er gab mir auch den Tipp, Spanisch zu lernen und so vieles mehr. Es ist auch so, dass Herr Gruzman nie sagt, ich muss das so oder so machen, es gibt immer verschiedene Möglichkeiten. Dadurch lerne ich auch selbst zu entscheiden, was mir besser gefällt. Ich habe großes Glück, dass ich in seine Klasse aufgenommen wurde.

Quelle: op-online.de

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