„Man turnt sich einfach raus“

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Im „Kühlen Grund“ in Reinheim: Hans Sattig, Karl-Friedrich Wagner, Marcell Schreiber (im Handstand), Albrecht Achilles, Gerd Flamm und Friedel Knapp.

Dieburg - Eigentlich eine gute Idee: „Mensch, lasst uns doch mal was anderes tun als immer nur zu rauchen, Whiskey zu trinken oder zu zocken“, sagt einer der Herren in der sechsköpfigen Runde, die da halbwegs fröhlich zecht, aber irgendwo doch ziemlich gelangweilt wirkt.

Wie könnte die Gründung des Turnvereins Dieburg vor 150 Jahren ausgesehen haben? Wie gestaltete sich wohl der entscheidende Moment? So, wie er nachfolgend beschrieben wird und vergangenen Donnerstag im Kleinkunstsaal der Reinheimer Gaststätte „Zum Kühlen Grund“ gedreht und gefilmt wurde?.

„Es ist sicher nicht genau so gewesen, wie wir es darstellen“, sagt TVD-Geschäftsführerin Marita Bahmer. Die hundertprozentige Wahrhaftigkeit sei aber auch gar nicht das Entscheidende - weder dieses Filmchens noch der zweistündigen Show, die am 5. Juli um 19 Uhr das Schlossgartenfest eröffnen wird. Vielmehr gehe es um eine abwechslungsreiche, rasante und vor allem humorvoll-ironische Darbietung, die unter Mitwirkung von 120 Vereinsmitgliedern aller Abteilungen die Veränderung von Sport und Gesellschaft in den vergangenen anderthalb Jahrhunderten zeigen soll. Das Filmchen, das die Medienwissenschafts-Studenten Manuel Bahmer und Henning Krüger gedreht haben und nun schneiden werden, bildet dazu den Auftakt.

Wirtshaus-Besucher vor 150 Jahren

Der kurze Film wird den Besuchern im Festzelt in Schwarz-Weiß präsentiert. Ganz in Farbe mimten am Donnerstag hingegen Hans Sattig, Karl-Friedrich Wagner, Marcell Schreiber, Albrecht Achilles, Gerd Flamm und Friedel Knapp. Sie kleideten sich für die Aufnahmen so, wie man sich den Wirtshaus-Besucher vor 150 Jahren vorstellt. Die Odenwälder Humoristin Marlene Schwarz mischte in ihrer Figur „Herta Wacker“ als Kellnerin mit und wird auch in der gesamten Eröffnungsshow eine Rolle spielen.

Die nun gedrehte Szene zeigt die sechs Herren, wie sie wieder einmal am Tisch sitzen, Karten spielen und dem Alkohol zusprechen, aber nur noch bedingt von ihrer freizeitlichen Routine begeistert sind. Durch Zufall entdecken sie dann Wegweisendes: Einer der Herren - gespielt von Schreiber - muss dringend auf die Toilette, die ins Kartenspiel vertieften Mitstreiter lassen ihn aber nicht von seinem Platz heraus. Das „Bedürfnis“ drängt aber so, dass der derart Geplagte eine sportliche Lösung findet: Er turnt sich raus. Schreiber zeigt dabei nicht nur Handstand, sondern auch die abschließende Flugrolle vom Tisch.

Die vormals gelangweilten anderen Herren staunen und wollen es ihrem Freund plötzlich nachmachen. So entstand – im Filmchen jedenfalls – das Turnen in Dieburg, dem ganz reale 150 Jahre Vereinsgeschichte folgen sollten. 

jd

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