„Man will wieder eine 8 am Ende haben“

Karlheinz Braun hat sich intensiv mit der Geschichte der Dieburger Fastnacht befasst und sagt mit Blick auf den „Geburtstag“ 175 Jahre KVD: „1838 ist nur ein angenommenes Datum“. - Foto: Dörr

Worauf gründet sich eigentlich die Tatsache, dass der KVD in diesem Jahr sein 175-jähriges Bestehen feiert?. Von Jens Dörr

Dieburg - 175 Jahre alt wird der Karnevalverein Dieburg (KVD) in diesem Jahr – so wird es jedenfalls überall publiziert, so soll es Anfang Juni auf dem Marktplatz drei Tage lang gefeiert werden. Auch das Jahr 1838, also 175 Sonnenumrundungen zurückgerechnet, trägt der „Karnevalverein Dieburg 1838 e. V.“ in seinem Namen. So ganz genau lässt sich das allerdings nicht zurückverfolgen, wie ein Blick in die Anfänge der Dieburger Fastnacht zeigt.

Man müsste präzisieren: ein Blick in die organisierten Anfänge der Dieburger Fastnacht. Denn insgesamt lässt sich die Narretei an der Gersprenz mindestens bis ins Jahr 1508 zurückverfolgen. Aus diesem Jahr gibt es verbrieft einen Eintrag in die damalige Stadtrechnung, dass Dieburg am Aschermittwoch Gäste bewirtete. Das wurde im Nachhinein als närrische Aktivität interpretiert und vom KVD als Geburtsstunde der Dieburger Fastnacht auserkoren.

Auch aus den nachfolgenden Jahrhunderten werde in historischen Dokumenten immer wieder von „Fastnachtsbräuchen wie Maskenbelustigungen mit Tanz um den Marktbrunnen“ berichtet. Wie nur wenige andere Dieburger hat sich Karlheinz Braun, seines Zeichens Fastnachter mit Leib und Seele und überdies Ehren-Gunkes, mit der Geschichte der hiesigen Narretei beschäftigt. Das kam auch – zusammen etwa mit Monika Dambier-Blank und Norbert Dambier – im Buch „500 Jahre Dieburger Fastnacht“ zum Ausdruck. „1838 ist nur ein angenommenes Datum“, schickt Braun seinen Ausführungen um die „Geburtsstunde“ des KVD voraus.

Nicht so straff organisiert

Denn in den Dokumenten, in denen Braun recherchierte – unterstützt etwa von Heimatforscher Hans Dörr und mit Zugriff auf die Archive der Stadt Dieburg und des KVD – kommt dem Jahr 1838 keine größere Rolle zu. Eher dem Jahr 1837, in dem das einstige „Wochenblatt für den Kreis Dieburg“ von einem Fastnachtszug berichtete. Von einem Gründungstreffen oder Ähnlichem in 1838 sei nirgends die Rede, so Braun.

„Man muss sich das so vorstellen, dass es weniger straff organisierte Cliquen, deren Besetzungen sich immer wieder änderten, waren, die damals die Fastnacht organisierten“, erläutert Braun. Wie diese Komitees sei einst auch die Prinzengarde jedes Jahr aufs Neue gebildet worden.

In den Dreißigerjahren des 19. Jahrhunderts aber bildeten sich nicht nur in der Fastnachts-Hochburg Mainz Ranzengarde und MCV; auch in Dieburg arbeiteten zu dieser Zeit einige Männer daran, das Fastnachtstreiben unter die Führung einer festen Organisation zu stellen. Insofern ist der Zeitraum um 1838 herum durchaus der korrekte, will man die Anfänge der vereinsähnlich organisierten Dieburger Fastnacht datieren. Eine konkrete Art Gründungstreffen oder gar ein entscheidender Tag sind indes nicht verbrieft.

Wieso aber 1838 und nicht zum Beispiel 1837, als eben jener Fastnachtszug erwähnt wurde, dessen Durchführung gewiss einer planvollen Organisation bedurfte? Der Grund sei auch ein poetischer, sagt Braun: „Man wollte in Anlehnung an die 1508 wieder ein Jahr mit der Acht am Ende haben. Darauf reimt sich einfach viel.“ So heißt es in einem Dieburger Fastnachtslied schließlich: „Seit anno 1508 - feiert Dieburg Fassenacht!“

Ab den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts also wurde die hiesige Narretei noch „ernster“ genommen. Fortan wurde auch immer häufiger ein Karnevalverein als Leiter des Treibens erwähnt. Der Erste und der Zweite Weltkrieg stoppten zeitweise diese Aktivitäten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gründeten sich sogar zwei Fastnachtsvereine neu: 1946 war der Carneval Club (CC) der erste, mit ihm bleibt der jüngst verstorbene Viktor Wick auf immer verbunden.

Den heutigen KVD rief eine Gruppe etwas später - wieder - ins Leben. Ab dieser Zeit ist die Faktenlage lückenlos: Am 17. Oktober 1948 fand das Treffen im Lokal „Zur Ludwigsbahn“ (heutiger Seniorentreff) am Fuchsberg statt.

Bis 1962 existierten der CC und der KVD nebeneinander, ehe sich der CC auflöste. Für den KVD war das Jahr 1949 mit dem ersten Umzug und dem ersten Prinzenpaar nach dem Zweiten Weltkrieg ein Meilenstein. 1953 veranstaltete er seinen ersten Kinderumzug.

Bis 1957 gab es nur eine Kinderprinzessin, ab da ein Kinderprinzen-Paar.

Der erste KVD-Präsident war Ernst Geißler. Der am längsten in diesem Amt wirkende war indes der heutige KVD-Ehrenpräsident und Pressesprecher Wolfgang Dörr. Von 1982 bis 1992 und nach einem Jahr Pause noch einmal von 1993 bis 2005 war er der erste Mann des KVD –dem heute größten Karnevalverein der Bundesrepublik Deutschland.

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