Landrat bestreitet Vorwürfe

„Man zeigt mit Finger auf mich“

Darmstadt-Dieburg - Energisch hat Landrat Klaus Peter Schellhaas bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz am Freitag Vorwürfe bestritten, dass das St. Rochus Krankenhaus bei einem Kooperationsvertrag mit der Kreisklinik Groß-Umstadt in der Kardiologie über den Tisch gezogen worden sei.

Gravierende wirtschaftliche Nachteile hatte die Leitung des St. Rochus unter anderem als Grund für die Kündigung des Kooperationsvertrags genannt. Inzwischen ist die außerordentliche Kündigung in eine fristgerechte zu Ende Juni 2020 umgewandelt worden.

„In Dieburg zeigt man mit dem Finger auf mich“, erklärte der Landrat, „und das will ich nicht länger auf mir sitzen lassen.“ Aufgewühlt und betroffen zeigte sich Schellhaas darüber, dass ihm unterstellt werde, ihm liege nicht das Wohl und Wehe aller drei Kliniken im Landkreis –dazu gehört neben den Standorten Dieburg und Groß-Umstadt auch noch die Kreisklinik Jugenheim – am Herzen. „Ich bin nicht nur für die Menschen und Patienten im Landkreis verantwortlich, sondern auch für die Kliniken, die die Bevölkerung medizinisch versorgen, dazu gehört selbstverständlich auch das St. Rochus.“

Region braucht die Zusammenarbeit

Schellhaas verwahrte sich gegen Vorwürfe, der Vertrag über die Zusammenarbeit in der Kardiologie sei so gestaltet, dass er das Dieburger Krankenhaus massiv wirtschaftlich benachteilige. „Wenn das tatsächlich der Fall sein sollte, dann werden wir den Vertrag auch nachjustieren“, so das Angebot des Landrats. Man habe schon mehrfach um belegbare Zahlen und Fakten für diese Behauptung bei den St. Rochus-Verantwortlichen, dem Vorstand Armin Probst und der Generalbevollmächtigten Ute Sperling gebeten, aber noch keine Antwort erhalten.

Der Landrat zeigte Unverständnis über die Kündigung. „In ganz Hessen ist die gesamte Kliniklandschaft in Bewegung auf der Suche nach Kooperationen und Klinikverbünden. Warum das ausgerechnet bei zwei Kliniken, die nur sechs Kilometer voneinander entfernt sind, nicht funktionieren soll, kann ich nicht verstehen. Wir dividieren uns zurzeit auseinander, aber die Region braucht die Zusammenarbeit.“

Der Standort ist wichtig

Wichtig ist Schellhaas, sein Hilfsangebot für das St. Rochus weiterhin aufrecht zu erhalten. „Der Standort ist wichtig, ich will ihn erhalten und helfe gerne dabei.“ Schellhaas stellt sich statt einer Aufkündigung der Kooperation eine noch stärkere Zusammenarbeit vor, die auch das Management betreffen könne. In Groß-Umstadt habe die Klinikführung schließlich ihre Kompetenz bewiesen.

„Die Verlegung der Notarztwagen hat mit dem Kooperationsvertrag zwischen den beiden Krankenhäusern nichts zu tun“, stellte Schellhaas klar. „Hier geht es nur darum, von welchem Standort aus die Fahrzeuge die Patienten im Landkreis am schnellsten erreichen können. Das ist definitiv der Standort bei der Polizeistation Dieburg.“

Es gebe medizinische Konzepte, um das St. Rochus tragfähig zu machen, so der Landrat, der in Dieburg alte Reflexe erkannte, sich zu distanzieren. „Aus unserer Sicht stehen die Ampeln in Dieburg auf Rot. Dabei wäre es nur klug, zusammen zu arbeiten“, wiederholte er sein Gesprächsangebot. J bea

Rubriklistenbild: © Symbolbild/dpa

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