Manchem Papa fällt Kinnlade runter

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Hier rennen Schüler der Jahrgangsstufe 6 und 7 für einen schöneren Pausenhof.

Dieburg ‐ Basketballkorb, Sitzgruppen, Tischtennisplatte - wenn es um ausreichende Spiel- und Aufenthaltsmöglichkeiten für den Pausenhof einer Schule geht, ist normal der Landkreis gefordert. Müsste man meinen - doch in der Dieburger Goetheschule mag man auf Zuwendungen für diese Dinge nicht warten. Mit einem Sponsorenlauf nahm die Schule die Finanzierung solcher Vorhaben am Samstag selbst in die Hand. Von Jens Dörr

Über mangelnde Anfeuerung konnten sich die Schüler beim Sponssorenlauf der Goetheschule nicht beklagen.

Manchem Papa fällt erstmal die Kinnlade runter, wenn er plötzlich 50 Euro zahlen soll“, sagt Andreas Wenzel, Mathe- und Sportlehrer an der Goetheschule. In diesem Fall hat Papa die Laufleistung seines Sprösslings unterschätzt: Rund 400 Meter maß die Runde rund um die Schule. Eine halbe Stunde Zeit hatten die 150 vorangemeldeten Schüler in nach Jahrgangsstufen aufgeteilten Rennen, mancher schaffte 16 oder 17 Runden. Jeder Schüler hatte sich zuvor einen Sponsor gesucht, der pro gelaufene Runde einen bestimmten Betrag zahlt. „Meist sind es Mama, Papa oder Opa, die als Sponsor auftreten“, so Wenzel. Bei den Lehrern, die am Ende teils selbst auf die Strecke gingen, waren Dieburger Unternehmen die Gönner. Mancher elterliche Sponsor hatte leichtfertig fünf Euro pro Runde geboten. „Natürlich haben wir dann niemanden gezwungen, einen vielleicht arg hohen Betrag auch zu zahlen“, verdeutlicht Wenzel die Freiwilligkeit der Aktion. Überhaupt gehe es nicht nur ums Geld zur Attraktivitätssteigerung des Pausenhofs, sondern auch um Identitätsbildung und Kreativität: „Wir wollten möglichst viele Schulgemeindemitglieder in ein Boot holen“, sagt Wenzel, der den Sponsorenlauf zusammen mit Sport- und Powi-Lehrer Miro Kozul sowie einer Handvoll weiterer Kollegen organisiert hatte. Den reibungslosen Ablauf garantierten neben vielen Eltern und dem Weltladen auch die Schüler selbst, die auf- und abbauten und bei der Auswertung der Läufe halfen.

Gezählt wurde wie beim Ironman

Gezählt wurden die Runden, indem jeder Schüler beim Durchlaufen einer Station ein Bändchen ums Handgelenk erhielt - wie beim „Ironman“. Die Schüler konnten überdies jederzeit aussteigen, mussten keine halbe Stunde lang durchlaufen. Die meisten taten es dennoch, schließlich brachte das bare Münze.

Der Endbetrag, der mit Sicherheit vierstellig ausfallen wird, wird jetzt zusammengezählt. Das Geld allein stand laut Wenzel aber nicht im Fokus, sondern mindestens genauso das gemeinsame Arbeiten für ein später sichtbares Resultat. Über Sparzwänge und Anspruch und Realität bei Klassengrößen wurde an diesem Samstag ebenso viel geredet, im Rahmen der Veranstaltung wollte sich dazu aber kein Lehrer allzu gern zitieren lassen.

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