Rüdiger Hoffmann in Campus-Aula: Trotz Zurückhaltung sitzen die Pointen, ohne bissig-böse zu sein

Der Mann der leisen Töne

Kabarettist Rüdiger Hoffmann ist bekannt für seine Langsamkeit. Sein Markenzeichen ist der Spruch „Ja, hallo erst mal, ich weiß gar nicht, ob Sie es schon wussten...“ Er war am Freitag in der Campus-Aula zu Gast. Foto: Scholze

Dieburg - „Ja, hallo erst mal, ich weiß gar nicht ob Sie’s schon wussten“, aber der Comedian Rüdiger Hoffmann gastierte am Freitagabend in der Aula der Fachhochschule Dieburg. Von Verena Scholze

Mit seinem Programm „Obwohl“ stand der Entdecker der Langsamkeit wieder auf der Bühne und ließ das Publikum an seinen skurrilen Alltagsdramen und den Weisheiten der Zwischenmenschlichkeiten teilhaben. Während viele seiner Kollegen mit Lautstärke und Späßchen unter der Gürtellinie beim Publikum punkten, ist Rüdiger Hoffmann der Mann der leisen Töne. Das kommt bei seinen eingefleischten Fans seit mehr als 25 Jahren an. Denn in der Ruhe liegt die Kraft.

In seiner gewohnt entspannten und trockenen Art erzählte Rüdiger Hoffmann Geschichten aus dem Alltag, die jeder schon einmal erlebt hat, oder sich wünscht, sie in dieser Form nie erleben zu müssen. Der missglückte Pärchenurlaub mit Olaf und Birte stand da beim Publikum an erster Stelle. „Das ist wie einer Farbe beim Trocknen zuzuschauen.“ Ebenfalls im Urlaub dabei: der vierjährige Niklas, Sohn des Pärchens und Hauptschulabbrecher und Schwerstkrimineller in spe, und auch die Töle, der gasabsondernde Retriever Attila, die ihm den Dänemark Aufenthalt nicht eben versüßten. Rüdiger jedoch bekam seine Zeit der Rache, als die beiden ihre Hochzeit bekanntgaben und er als Hochzeitsplaner es schaffte, dass jeder Gast einen Toaster schenkte.

Als Tausendsassa entpuppte er sich als er fertig brachte, die 87 Ex-Lover von Birte aufzutreiben, die der Braut zum Nachtisch ein pikantes Ständchen sangen. Dem Staubsaugervertreter bereitete er ein Haus des Grauens („Bekommt man mit der Bürste auch Blutflecken weg?“) und besonders anschaulich berichtete er über seine Erlebnisse als Leiter des „Club der ängstlichen Männer“, bei dem er seine aufgebrummten Sozialstunden leisten musste. Wie man ihn kennt, endet auch diese Episode im Chaos.

So lange es manchmal auch dauert, bis Rüdiger Hoffmann auf den Punkt kommt, seine Pointen sind messerscharf, ohne böse zu wirken: Er will es einfach mal gesagt haben.

Als Auflockerung seines in erster Linie reinen Erzählprogramms legte der Comedian einige Gesangsstücke ein, zu denen er sich am Klavier begleitete und dabei behauptete: „Ich mach’ die Ladys auf dem Dancefloor klar.“ Da war er sich auch nicht zu schade, ein Tänzchen als Beweismittel auf der Bühne hinzulegen.

Zeitweise gestaltete sich sein Programm etwas zäh, als er sich beispielsweise als Bauchredner versuchte. Mit seinen kuriosen Erlebnissen hatte er sein Publikum schnell wieder auf seiner Seite. Auch um zwei Zugaben war der Ostwestfale nicht verlegen und schilderte seine Erlebnisse in einem Restaurant und den Sex mit seiner Bekannten, den er als „gute, alte Hausmannskost“ genoss.

Quelle: op-online.de

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