Preisträgerin Evren Gezer verzaubert närrischen Empfang in der Römerhalle

Marie aus Paris strahlt im Licht der „Holzisch Latern“

Strahlende Preisträgerin: Mit Rührung nimmt Evren Gezer von KVD-Präsident Friedel Enders die „Holzisch Latern“ samt Úrkunde entgegen. Fotos (3): Hager

Dieburg J Eigentlich hat sie mit Fastnacht nichts am Hut - aber einen kleinen Hinweis auf ihr spätere Karriere als „Holzisch-Latern“-Trägerin beamte sie den rund 350 Gästen des närrischen Empfangs am Rosenmontag selbst auf die Großleinwand der Römerhallenbühne: Die FFH-Rundfunkmoderatorin Evren Gezer, die mit den Hörern gerne ihre Späße treibt, lief tatsächlich einmal als Kind in der Garde des Offenbacher Husaren Corps beim Umzug mit. Von Lisa Hager

Mit der Bemerkung „Ich war die Funke-Fatma“, kommentierte sie das Bild aus der Kinderzeit. .

Evren Gezer beweise „mit ihrer türkischen Herkunft und mit ihrer Verbundenheit zu ihrem neuen hessischen Lebensraum, dass Integration gelebt wird - und funktioniert“, hatte der KVD seine Entscheidung für die quirlige 31-Jährige mit den dunklen Locken begründet. Und dass der Karnevalverein damit ein gutes Händchen bewiesen hatte, zeigte sich bald, nachdem Gezer die Bühne erklommen hatte. Das „Dibborsch, Äla“ ging dem in Istanbul geborenen Sprachwunder schnell von den charmanten Lippen. Sie selbst habe den Eltern viel zu verdanken, schließlich fange „Integration zuhause an“, meinte sie und erwähnte gerührt, dass auch ihre Mutti im Saal sei. Den Erziehungsstil ihrer Mutter in Sachen Discobesuch der Tochter beschrieb sie so: „Wenn du um halb zwölf noch nicht im Bett bist“, habe diese immer gedroht, „dann kommste heim.“

Die sieben Laternenträger des Vorjahres, die ergrauten Jungs der Gnadekapell, hatten das Persönchen, auf das sie abwechselnd ihre musikalische Laudatio hielten, schnell in die jung gebliebenen Herzen geschlossen. „Bei dieser Fraa, das ist gewiss, emaal e Licht uffgange is, denn es vereint die kloa Person viel Frohsinn und Integration“, hieß es in den amüsanten Versen. „Wie’n bunter Hund bekannt ist sie, als die Marie aus Grand Parieh, bleibt jetzt ab immer 30 Jahre alt und hat im Gegensatz zu uns koa einzisch Falt.“

Spätestens dann, als Gezer in der Bütt ein paar Beispiele ihres Mutterwitzes gab, tobte der Saal vollends. Integration in Offenbach, so die Commedienne, die vor allem durch ihre Telefon-Veralberungen als „Marie aus Paris“ bekannt ist, sei überhaupt kein Problem. Denn hier seien selbst die Deutschen toll integriert, was man an Restaurantnamen wie „Dieters Dönertreff“ ablesen könne.

Schließlich sei Offenbach die einzige Weltstadt auf diesem Globus, in der man auf 47 verschiedenen Sprachen ausgeraubt werden könne. Und wenn jemand schon mal pünktlich seine Miete zahle, stehe gleich die Polizei vor der Tür und frage, wo man das Geld her habe. „Ihr Dieburger, seid Ihr auch ausländerfreundlich?“, wollte sie wissen. „Ja, ich sehe schon, Ihr würdet auch jede Perserkatze streicheln“, so die muntere Laternenträgerin. Sie versprach zum Abschluss zur Fastnacht wieder zu kommen, denn „wo mir Türke a mol sin, do bleiwe mer“, merkte sie augenzwinkernd an.

Bis zum Höhepunkt, der Verleihung der „Holzisch“, hatte es allerdings um die zwei Stunden gedauert, in denen sich Grußworte, Büttenreden und live vorgetragene Fastnachtslieder abwechselten. Vertreter der Partnerstädte aus Aubergenville und Mladà Boleslav - letztere trugen das viel bejubelte Biene-Maja-Lied vor - waren ebenso dabei wie Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik. Bürgermeister Dr. Werner Thomas gab sich als Schultheiß in der Narrenbütt kommunalpolitisch ernst und freute sich auf die Zeit, wenn er einst Chef der „Hauptstadt des Kreiselverkehrs“ sein wird. Freuen konnte er sich jetzt schon über eine Spende von fünf mal 111 Euro aus der Hand von Präsident Enders, womit er den Fastnachtsbrunnen auf Hochglanz bringen lassen soll. Schlitzohrig empfahl Enders, kostensparend die bürgermeisterliche Fastnachtsgruppe namens „Brunnebuzzer“ dafür einzusetzen.

Stadtverordnetenvorsteher Dr. Harald Schöning hatte sich die Mahnung zu mehr Kürze zu Herzen genommen und seine Büttenrede im Telegrammstil verfasst. „Kapuziner ziehen fort, ein Verlust für unsern Ort“, hieß es da knapp. Mit „Kfz-Zulassung dicht - DI vergibt der Landrat nicht“ ging er auf die unerfreulichen Entwicklungen in der Kreisbehörde ein. Und zum Schluss der Kurzmeldungen: „Das war Dieburg im Schweinsgalopp, drei mal Äla und jetzt Stop.“

Der zitierte Landrat Klaus Peter Schellhaas erschien im ungewöhnlichem Outfit: In Schlafanzughose, Badelatschen, Morgenmantel und Gurkenscheiben im Gesicht. Um sich rechtzeitig zur Fastnacht in einen echten Römer zu verwandeln, habe er sich einer Drei-Tages-Crash-Wellnesskur unterzogen. Und selbst vorm „Bad im Schlambes“ sei er nicht zurückgeschreckt. Als die Kosmetikerin ihn allerdings unter die Lupe nahm, meinte sie angesichts seiner Falten ungerührt: „Da werden wir wohl die Schleif-Flex brauchen.“

Einen furiosen Auftritt - wie man es seit Jahren von ihm gewohnt ist - legte Nachbar-Bürgermeister Achim Grimm in der Bütt hin. Er berichtete von dem Schrecken als er der Wahrheit ins Gesicht sehen musste, dass seine Tochter wegen unaufschiebbarer Wehen eine echte Dieburgerin wurde. Trotz Sonnenbrille und tief ins Gesicht gezogener Kappe seien die werdenden Eltern gleich am Empfang des St. Rochus Krankenhauses erkannt worden. „Oh, du Graus“, hatte die Empfangsdame ausgerufen, „so sehen nur echte Zimmner nach vier Wochen Kerbfeiern aus.“ Und auf dem Dieburger Rathaus, wo der Nachwuchs angemeldet werden musste, gingen die Peinlichkeiten weiter. Die Standesbeamtin empfahl den verschreckten Zimmner Eltern Namen wie „Dieburgia“, „Bawett“ oder „Älabumchen“. Aber der in seinem Stolz schwer gekränkte Papa freut sich auf den Tag der Rache: In 20 Jahren werde die Kleine Dieburg als Prinzessin regieren.

Auch Pfarrer Alexander Vogl hatte nicht nur Erfreuliches zu berichten. „Es läuft in diesem Jahr - erst läuft der Kaplan weg, dann die Kapuziner.“ Schließlich schwenkte er auf die große Politik über und ließ beispielsweise an dem „Bonsai-Duce aus Italien, der Viagra über seine Spaghetti streut“, kein gutes Haar.

Der „Chief Speaker vom Halli-Galli-Verein“ (O-Ton Vogl) und seine Mitstreiter hatten auch noch andere Pflichten zu erfüllen: Zum einen bedachte Ehrenpräsident Wolfgang Dörr Alois Ostner („Kaufhaus Enders“) mit der Ehrenmütze des KVD. Enders und seine Gattin seien immer zur Stelle, wenn Hilfe gebraucht würde, so Dörr. Seit vielen Jahren wickeln sie in ihrem Geschäft auch den Kartenvorverkauf des KVD ab.

Den Ehrenbajazz aus den Händen des stellvertretenden Vorsitzenden Matthias Sahm gab es für das „Phantom des Zeughauses“, Augustin Lohrum. „Ich hab’ euch ja schon manches versteckelt“, witzelte der Vollblutfastnachter in der Bütt, der die Ehrung gerührt entgegen nahm.

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