Sein Gesicht hat sich mehrfach gewandelt

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Wirkt gerade für jüngere Dieburger ungewohnt: Das Foto aus den 60er Jahren zeigt parkende Autos auf dem Marktplatz.

Dieburg - Nichts ist beständiger als der Wandel. Dieburg macht da keine Ausnahme: Was einst das Stadtbild prägte, ist heute teilweise in Vergessenheit geraten. Was vormals wichtig war, fristet heute ein Schattendasein. Von Jens Dörr

Manches ist auch geblieben und hat sogar an Bedeutung gewonnen - auf jeden Fall hat sich vieles verändert.

In seiner Serie „Dieburg - früher, heute“ blickt der DA in loser Folge auf markante Stellen der Stadt, beschreibt in Wort deren Entwicklung und vergleicht in Bild, was einstmals war und heute ist.

Die Recherche zur Serie unterstützte und unterstützt der Heimatverein Dieburg, allen voran dessen Ehrenvorsitzende Anne Sattig. Die Repros gehen teilweise auf den Fotonachlass von Josef Blank - zur Verfügung gestellt von dessen Schwiegersohn Hans Rohmann - zurück. Doch auch viele weitere Dieburger wussten und wissen etwas zur Historie ihrer Stadt beizutragen. DA-Leser haben überdies jederzeit die Möglichkeit, Anregungen zur Serie zu äußern. Der Autor ist telefonisch (0151/18458014) oder per E-Mail (jensdoerr@gmx.de) erreichbar.

Die heutige Folge führt ins Herz der Stadt: auf den Dieburger Marktplatz. Kerb, Parkplätze und Sperlinge in der Kloake – der Marktplatz hat sein Gesicht mehrmals radikal gewandelt.

Auf Marktplatz parkten einst Autos

Zumindest auf jüngere Menschen muss das Foto aus den 60er Jahren befremdlich wirken: Mitten auf dem Dieburger Marktplatz parkten einst Autos. Für mehrere Dutzend Fahrzeuge gab es Stellplätze - bis in die 70er Jahre hinein. Noch wesentlich länger durften Pkw den Marktplatz umrunden. Heute gilt ein Durchfahrverbot und auf dem Marktplatz stehen maximal noch Fahrräder und hin und wieder ein Paketdienst. Das Gelände im Herzen Dieburgs hat sein Gesicht aber nicht nur dieses eine Mal radikal geändert.

Der Blick in die Geschichte zeigt: Bis ins 19. Jahrhundert hinein stand auf dem Areal das Rathaus - und sorgte dafür, dass Dieburg sogar zwei Marktplätze hatte. Eine zum Rathaus zugehörige Kloake gab es auch - mit spannender „Hinterlassenschaft“, wie Funde vor einigen Jahren zeigten: Kleine Knochen waren von früher noch erhalten geblieben, wurden ausgegraben. Des Rätsels Lösung: Es waren die Gebeine von Sperlingen, auf die die Stadt einst ein Kopfgeld ausgesetzt hatte. Dieburger entledigten sich der Vögel früher nicht zimperlich - und warfen die toten in die Marktplatz-Kloake.

Früher gab es die „städtisches Waage“

Zu etwas Appetitlicherem: Etwa dort, wo sich heute das „Mini-Café“ befindet, gab es früher die „städtisches Waage“, die bis in die 60er Jahre hinein existierte. Sie war befahrbar, mit ihr wurden beispielsweise Fahrzeuge gewogen. Mit modernerem Equipment wird das Prinzip des Wiegens von Lkw vor und nach einer Güterentladung noch heute verwendet, um das Gewicht von gelieferten Flüssigkeiten und Feststoffen zu bestimmen.

Etwas kahl wirkt der Dieburger Marktplatz heute - die parkenden Autos dürften aber die Wenigsten vermissen.

Im Zentrum des Marktplatzes stand eine Laterne. Sie beleuchtete einst einen Handel von Marktbeschickern, an die das halbe Dutzend des kleinen Wochenmarkts an heutigen Samstagen nicht herankommt. Früher war der Marktplatz stärker Mittelpunkt des Handels, während heute dort gerne einfach mal „nur so“ flaniert oder ein Kaffee getrunken wird.

Optisch veränderte sich der Marktplatz nicht nur durch das Verschwinden von Rathaus, Waage und Autos beziehungsweise die Installation von Spielgeräten und den Bau des „Mini-Cafés“.

Auch der Bodenbelag war von Substanz und Optik her einem Wandel unterteilt. Früher teilten weiße Steine den Marktplatz in geometrische Formen ein - nicht etwa zum Einordnen der Fahrzeuge, sondern aus ästhetischen Gründen.

Gefeiert werden auf dem Dieburger Marktplatz heute in erster Linie noch der Martinsmarkt und der Glückstalermarkt. Heimisch war hier indessen zeitweise auch die Kerb.

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