Ergebnis großer Teamleistung

32. Martinsmarkt lockt die Massen in die Innenstadt

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Einen herrlichen Überblick über das Geschehen auf dem Marktplatz genossen all jene, die ein paar Runden mit dem Riesenrad vor dem Rathaus drehten.

Dieburg -  Der 32. Martinsmarkt hat am Wochenende viele tausend Besucher in die Innenstadt gelockt. Von Jens Dörr 

Bei selbst zu später Uhrzeit milden Temperaturen wurden besonders der Marktplatz und der Fechenbach-Park mit dem dortigen historischen Treiben, aber auch die Zucker- und Steinstraße schon am Freitag- und Samstagabend stark frequentiert. Der (auch verkaufsoffene) Sonntag litt indes etwas unter dem Regenwetter.

Das Dieburger Großereignis Martinsmarkt war einmal mehr das Ergebnis einer gewaltigen Teamleistung des veranstaltenden Gewerbevereins. Das hob schon am Freitagnachmittag zur Eröffnung Gewerbevereinsvorsitzende Evelin Allmann hervor, die ihre persönlichen „Menschen der Woche“ benannte. Allen voran Alois Ostner: Der Unternehmer (Kaufhaus Enders) ist schon fast so lange Marktmeister, wie es den Markt selbst, der stets kurz vor dem Martinstag (11.11.) und vom Namen her in Anlehnung an den im Dieburger Stadtwappen verewigten Heiligen stattfindet, überhaupt gibt.

Seit drei Jahrzehnten engagiert sich Ostner in dieser aufwändigen ehrenamtlichen Tätigkeit für seine Stadt und die Menschen aus Dieburg und dem ganzen Umland. Gleich 30 Eigenschaften fielen Allmann zu Ostner ein, die sie von der lokalen und regionalen Politprominenz sowie von Vertretern etwa der Banken und der Feuerwehr im Chor aufzählen ließ. „Gewissenhaftigkeit“ und „Zuverlässigkeit“ waren darunter, ebenso „Fleiß“ und „Leidenschaft“. Und vor allem eins investiere der Marktmeister gerade in der mehrwöchigen Vorbereitung des Martinsmarkts: „Zeit, Zeit, Zeit!“

Allmann lobte allerdings nicht nur den Kopf des dreitägigen Spektakels, sondern auch einige Personen, die im Hintergrund ebenfalls wichtige Arbeit verrichten: Herbert Kosch etwa, der sich alljährlich samt kleinem Team sowohl um die Münzprägung verdient mache als auch um die Organisation des Martinsmarkt-Konzerts. Mit dem Konzert und Liedern des Dieburger Chors Poco Loco sowie dem Frankfurter Frauenchor Elektra Vokal sollte am Sonntagabend der Markt in der Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul ausklingen. Oder aber Rainer Baxmeier, der für den Gewerbeverein nimmermüde den Luftballon-Wettbewerb für Kinder betreute. Oder Bauhof-Chef Manfred Witzel mit seinen Mitarbeitern.

Stadtverwaltung und Lokalpolitik bekamen wenig später nichtsdestotrotz durch die Blume auch ihr Fett weg –in Sachen Parkplatzsituation in der Innenstadt, Strominfrastruktur im Fechenbach-Park und (bei Regen) matschiger Parkwege.

Ihr Scherflein zum stimmungsvollen historischen wie vorweihnachtlichen Bummel – auch wenn es bis zur Adventszeit noch ein gutes Stück hin ist – trugen am Wochenende inmitten anregender Gerüche und vielfältiger Auslagen noch so einige andere bei. Im Grunde gilt das für jeden, der an einem der Stände Dienst schob, besonders lobenswert bei ehrenamtlich Tätigen wie in den Buden der Dieburger Gruppen und Vereine. Mehrere Fastnachtsgruppen machten mit, auch die Prinzengarde und die Dieburger Musikanten. In dieser Region des Marktplatzes wurde an den Abenden besonders lang gefeiert, weit über die offiziellen Marktzeiten (Freitag und Samstag bis 21 Uhr) hinaus.

Auch Teilnehmer wie der Dieburger Rudolf Stegemann werteten neben Gastronomen, Musikgruppen wie Saytensprung aus Eppertshausen und Rebule samt Feuertänzerin aus Tschechien sowie den Gästen aus Mladá Boleslav und Aubergenville den 32. Martinsmarkt mit ihren Angeboten auf. Stegemann betreibt hobbymäßig Flechterei mit Weidenruten, ist schon seit gut zehn Jahren dabei und war auch diesmal wieder unter der ehemaligen Bushaltestelle vor dem Rathaus untergebracht. „Das ist ein sehr guter Platz“, sagte er und zählte die weiteren Voraussetzungen für gute Geschäft auf dem Martinsmarkt auf: „Gutes Wetter und gute Ware.“ Die Jahreszeit spiele für seine Körbe und Dekoartikel hingegen keine Rolle, wie er aus Erfahrung von der Teilnahme an anderen Märkten berichtete.

Bilder: Martinsmarkt in Dieburg

Wären da natürlich noch die Darsteller im Fechenbach-Park – und hier vor allem jene, die nicht „nur“ kostümiert zum Verkaufen kamen, sondern tatsächlich das Mittelalter und seine Geschichte an Kinder wie Erwachsene hautnah und lebendig (und ohne Gewinnabsichten) vermitteln wollten. Wie der Graf von Mauterndorf oder aber Ritter Jürgen von Bergen und seine Gemahlin, die beide das Lager der „Freyen Wölfe vom Caternberg“ anführten. Im hinteren Teil des Parks, nicht weit vom herrlich beleuchteten Schloss Fechenbach, zeigten sie Waffen, Rüstungen, eine Tafel, mittelalterliche Kochkunst und ihre Zelte. „Die Zelte haben wir gekauft, die Möbel, die Kochstelle und selbst die Kinder-Kettenhemden aber alle selbst hergestellt“, berichtete Ritter Jürgen. Jeder Besucher durfte auf Wunsch mit ihnen zusammen Butter stampfen, Knüpfsterne aus Holz und Pappe kreieren oder mal einen Schwertnachbau in die Hand nehmen.

Wie Gemahlin Ingrid, die auch im „echten“ Leben die Partnerin des im Ruhrpott lebenden Ritterdarstellers ist, betonte, gehe es ihnen neben dem Ausgleich zum „normalen“ Beruf auf Veranstaltungen wie dem Martinsmarkt vor allem darum, „den Kindern zu vermitteln, dass es mehr gibt, als nur zuhause fernzusehen oder am PC zu sitzen“. Gerade bei den jüngsten Besuchern dürfte beides aber spätestens dann vergessen gewesen sein, als die heimlichen Stars des Ritterlages, Irische Wolfshunde, zum Vorschein kamen. „Die schlafen nachts bei uns im Zelt, dürfen sogar mit ins Bett“, verriet Gemahlin Ingrid. Nur wegen der in Sachen Lungenentzündung gefährdeten Tiere habe man den Petroleumofen im Zelt platziert. Authentizität hin oder her: „Wenn’s um die Hunde geht, gehen wir kein Risiko ein.“

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