„Mehr Se(e)hleute als Kaufleute“

Nachfrage beim 2. Dieburger „Trottwafloh“ unterschiedlich

Manches Spielzeug wurde vor dem Erwerb noch schnell auf Herz und Nieren getestet. Spielsachen und Kinderkleidung zählten auch beim „Trottwafloh“ am Samstag zu den Klassikern.
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Manches Spielzeug wurde vor dem Erwerb noch schnell auf Herz und Nieren getestet. Spielsachen und Kinderkleidung zählten auch beim „Trottwafloh“ am Samstag in Dieburg zu den Klassikern.

Zwischen „schleppend“ und „die Hälfte weg“: Die Verkäufer bewerten die Nachfrage beim 2. Dieburger „Trottwafloh“ unterschiedlich. Die Junge Union hält fest am Schlossgarten-Flohmarkt.

Dieburg – Mit einem der ersten „Abstands-Flohmärkte“ in Hessen hatte Dieburg 2020 einen Trend entfacht, der inzwischen etliche Nachahmer gefunden hat, vor ein paar Tagen zum Beispiel in Kleestadt oder am Sonntag in Eppertshausen. Bereits am Samstag ging der zweite Dieburger „Trottwafloh“, wie Organisator Bernd Schneider den Straßen- und Hofflohmarkt im gesamten Stadtgebiet mittlerweile getauft hat, über die Bühne. Erstmals half bei der Organisation die Junge Union (JU) Dieburg, die auch einen Ausblick auf ihr eigenes Flohmarkt-„Baby“ im Schlossgarten gab. Die Verkäufer beim „Trottwafloh“ bewerteten ihre Geschäfte derweil unterschiedlich.

In der Spitalstraße waren gleich drei Generationen mit dem Verlauf des Samstags sehr zufrieden. Dort verkauften Karin Schulmeyer, ihre Tochter Dani Pullmann und ihre Enkelin Mia Pullmann Gebrauchtes aller Art. Tochter und Enkelin wohnen in Groß-Zimmern, trugen zum Stand im Hof aber auch eigene Sachen bei. „Ab 6 Uhr haben wir aufgebaut, und zum offiziellen Start um acht ging’s auch gleich los“, berichtete Schulmeyer. Unter anderem die drei Fahrräder, die sie feilboten, waren sofort an den Mann gebracht. Den Fahrradträger fürs Auto hatte sich ein Käufer ebenfalls zu früher Stunde reserviert. „Der kommt nachher vorbei und holt ihn ab“, sagte sie mit Blick auf das sperrige Teil.

Dieburg: „Hälfte der Produkte sind weg“

Um die Mittagszeit hatte die Kasse der beiden Frauen und des beflissen beratenden Mädchens schon vielfach geklingelt. „Etwa die Hälfte der Produkte sind weg“, berichtete das Trio. Neben den Draht-eseln gingen auch Kleidung, Spielsachen und Haushaltswaren über den Tresen. „Sogar ein Angebot für unser Wohnmobil im Hof hat jemand abgegeben“, lachte Schulmeyer.

Mit Tochter und Enkelin nahm sie erstmals am „Trottwafloh“ teil. Dani Pullmann merkte an, der Flohmarkt im Schlossgarten habe aus ihrer Sicht „wegen der vielen gewerblichen Händler an Flair verloren“. Außerdem müsse man dort schon mitten in der Nacht vor Ort sein. „Das war vielleicht okay, als ich noch 18 oder 19 war“, witzelte sie. Für den Initiator des stadtweiten Flohmarkts hatte sie ein dickes Lob übrig: „Da hatte Bernd Schneider eine wirklich gute Idee!“

Eben jener Bernd Schneider verkaufte in der Frankfurter Straße seinerseits allerhand Krimskrams, berichtete aber von überschaubaren Geschäften: „Mehr Se(e)hleute als Kaufleute“, resümierte er, ohne dass ihm das seine bekannt gute Laune ruiniert hätte. Zumal es beim „Trottwafloh“ auch um den Spaß und den Nachhaltigkeitsgedanken, alte Dinge nicht einfach wegzuwerfen.

In Dieburg beim Flohmarkt bei Schallplatten mit mehr Interesse gerechnet

So sahen es im selben Hof auch Maximilian Sahm und Sabine Linke, die in den ersten vier Stunden zwar 300 Kunden begrüßten (Bernd Schneider dokumentierte dies per Zählgerät), aber kaum mehr als zehn Dinge – meist im Wert von ein bis zwei Euro – veräußerten. „Es läuft schleppend“, meinten sie, die unter anderem bei den Schallplatten mit mehr Interesse gerechnet hatten. „Aber nur eine ging bisher weg: ,Fußball ist unser Leben’ von der WM ’74.“ Peter Alexander und die Fischer-Chöre entpuppten sich hingegen als Ladenhüter.

„Trottwafloh“-Organisator Bernd Schneider mit zwei Kundinnen beim Feilschen in Dieburg.

Insgesamt verzeichneten Bernd Schneider und die JUler, die zuvor alle Umschläge mit den Verhaltensregeln und den Luftballons an die Teilnehmer in ganz Dieburg ausgefahren hatten, rund 450 Stände in der Stadt. Daniel Müller, Vorsitzender der Jungen Union Dieburg, kündigte an, man werde „mit Bernd Schneider in Kontakt bleiben“. Hinsichtlich eines erneuten „Trottwaflohs“ wollte sich Schneider am Wochenende noch nicht festlegen und die Veranstaltung „erst mal setzen lassen“.

Müller betonte jedoch, dass die Junge Union unabhängig von Schneiders Entscheidung ihren Flohmarkt auf dem Schlossgarten-Festplatz auf jeden Fall fortführen wolle. „Viele haben deshalb schon bei uns nachgefragt, außerdem kommen zu unserem Flohmarkt ja auch viele Händler von außerhalb“. Stammtermine der beiden jährlichen Flohmärkte der JU sind Ende Mai/Anfang Juni sowie Ende August/Anfang September. Seit dem Corona-Ausbruch musste die JU jedoch alle Märkte streichen. Ob es schon im Spätsommer dieses Jahres oder erst im Frühjahr 2021 zum Comeback kommt, ist laut Müller noch offen. (Von Jens Dörr)

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