Mehr Wohnformen für ältere Menschen

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Heinrich Boller (von links, stellvertretender Vorsitzender Seniorenbeirat), Ingeborg Steffens (Vorsitzende Seniorenbeirat), Sabine Göbel von der Stadt und Robert Mueller (Beisitzer Seniorenbeirat) am Dieburger Stand beim Kreisseniorentag.

Dieburg - Dieburgs Senioren sind flott. Und so verwunderte es auch nicht, dass die Seniorenversammlung im Pater-Delp-Haus nur wenig mehr als eine Stunde dauerte. Nichtsdestotrotz hatten die rund 40 Männer und Frauen sowie die Mitglieder des Seniorenbeirats, der sich erst im nächsten Jahr wieder zur Wahl stellt, einiges auszutauschen. Von Jens Dörr

Die Berichte ergeben zusammengefasst ein Bild davon, was den älteren Menschen in ihrem Wohnort Dieburg besonders wichtig ist.

Das Thema Gesundheit und Pflege ist dabei eins der vordergründigen, wie im Bericht des Seniorenbeauftragten Günther Christ deutlich wurde. Da jeder zehnte Heimbewohner unzureichend versorgt werde, bringe das so genannte Pflegeweiterentwicklungs-Konzept den Vorteil der Vergleichsmöglichkeit und damit eine Verbesserung. Zudem würden nun Demenzkranke, die zuhause betreut werden, miteinbezogen. Deutlich wurde auch, dass es problematisch sei, wenn Kostenzusagen durch Krankenkassen und Lieferzeiten bei den Sanitätshäusern zu lange dauerten.

Gegenüber Christ geäußert hatte der Dieburger Seniorenbeirat auch den Wunsch, zu den in Darmstadt wieder stattfindenden Theatervorführungen für Senioren einen Bus des Landkreises zu organisieren, mit dem die Senioren pendeln könnten. Christ verwies darauf, dass dies die Kulturämter vor Ort leisten müssten.

Für viel Wirbel sorgte nach wie vor die Friedhofsgebührensatzung. „Da sind wir Mitglieder des Seniorenbeirats im Stadtgebiet oft drauf angesprochen worden“,teilt Ingeborg Steffens, die Vorsitzende des Seniorenbeirats, mit. „Die Telefone liefen da heiß.“ Und weiter:„Vielleicht haben unsere Einwände dazu geführt, dass die Gebührensatzung vom 24. Oktober 2008 inzwischen außer Kraft getreten ist und eine neue Satzung erstellt wurde, die nicht einseitige extreme Erhöhungen aufweist.“

Der Notwendigkeit des Haushaltssicherungskonzepts, das auch Streichungen vorsah, die viele ältere Menschen in Dieburg treffen würden, ist sich der Seniorenbeirat bewusst. Die Einstellung der Verteilung von Weihnachtsgeschenken an Senioren über 70 durch die Stadt könne man akzeptieren. Bedauerlich seien aber die Gebührenanhebungen bei Freibad und Anrufsammeltaxi (AST) sowie vor allem die Streichung der kostenfreien Ausgabe von Windelsäcken. „Betroffen“ mache die Dieburger Senioren – so der Wortlaut der Erklärung des Seniorenbeirats – die Streichung der freiwilligen Zahlungen an 19 Vereine und Verbände. Das mache pro Jahr weniger als 8 500 Euro aus, für die Kirchengemeinden, die Caritas, die „Tafel“ und einige andere könnten die Einzelbeträge aber schmerzhaft sein. Dagegen begrüßte der Beirat um Ingeborg Steffens die Erhaltung der Toilettenanlage auf dem Parkplatz „Auf der Leer“. Deren Betrieb kostet die Stadt im Übrigen fast so viel wie die bisherigen Zahlungen an die 19 Vereine und Verbände.

„Was uns seit Beginn unserer Arbeit und bis heute beschäftigt, ist, dass es außer einem Pflegeheim in Dieburg keine andere Wohnformen für Senioren gibt“,betont der Beirat außerdem. Das Konviktgelände sei ideal gelegen, das Altenheim in der Gerhart-Hauptmann-Straße genüge überdies nicht mehr den heutigen Anforderungen. Der ebenfalls bei der Versammlung anwesende Bürgermeister Dr. Werner Thomas berichtete zum Konvikt, zurzeit würden noch Untersuchungen auf dem Gelände laufen und Gespräche sowieso geführt werden. Thomas äußerte die Hoffnung, dass im nächsten Jahr mit den Arbeiten am Konviktgelände begonnen werden könne.

Gut angenommen werden die Sprechtage des Beirats, die jeden zweiten Freitag im Monat von 9.30 bis 11.30 Uhr im Rathaus stattfinden. Dort weisen gerade die Senioren der Stadt ihre Vertreter – der Beirat untersteht direkt dem Magistrat – auf die kleinen Verbesserungsmöglichkeiten hin, die Dieburg noch lebenswerter machen könnten. Da wurde das Fehlen öffentlicher Toiletten im Industriegebiet, Schotter auf Rad- und Fußwegen, für Rollstuhl- und Rollator-Benutzer unpassierbare Gehsteige oder Fahrtmöglichkeiten zum Landratsamt in Kranichstein genannt. Den Verbleib des Seniorenbüros in Dieburg hat der Beirat dank seines Einsatzes erreicht.

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