„Coffee to go“-Behälter produzieren Abfall

Mehrwegbecher gegen Müllflut?

Dieburg/Groß-Zimmern - Um unterwegs mal schnell einen Kaffee zu trinken, greifen viele Menschen auf den „Coffee to go“ in Pappbechern zurück. Doch die produzieren große Mengen an Müll. Der einzige Ausweg: Mehrwegbecher. Von Moritz Häntschel 

Ob auf dem Weg zur Schule, zur Arbeit oder in der Fußgängerzone, überall sind sie zu sehen: Menschen mit ihrem Kaffee in kleinen Pappbechern. Der „Coffee to go“ ist längst weit verbreitet. Klar, es ist praktisch, seinen Kaffee mit auf den Weg nehmen zu können, wenn die Zeit mal wieder knapp ist. „Es herrscht eine große Nachfrage in allen Altersklassen“, bestätigte die Bäckerei Bauder in Groß-Zimmern.

Die Zahlen des erzeugten Mülls, die bundesweit durch die Becher entstehen, sind hingegen alarmierend. In Deutschland wandern laut Informationen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) mehr als 320 000 solcher Becher in den Müll – und das pro Stunde. Das ergibt jährlich einen Verbrauch von etwa 2,8 Milliarden. Wegen einer Kunststoffschicht landen die Becher nicht im Papier-, sondern im Restmüll und schlussendlich in der Müllverbrennung. Konkrete Zahlen für den Landkreis Darmstadt-Dieburg gibt es zwar nicht, jedoch dürften auch hier kaum jemandem die zahlreichen Behälter entgangen sein, die für einen schnellen, praktischen Kaffeegenuss sorgen, aber auch überquellende Mülleimer zur Folge haben.

Doch gibt es eine Möglichkeit, diese Verschwendungen zu verhindern und als Verbraucher dennoch nicht auf sein beliebtes Heißgetränk für unterwegs zu verzichten? Die gibt es: Mehrwegbecher sollen den eklatanten Zahlen entgegenwirken. „Das Verwenden solcher Becher ist bei uns gerne gesehen, um eine unnötige Umweltverschmutzung zu vermeiden“, hieß es aus der Dieburger Bäckerei Eisele. Eigentlich ja auch eine einfache Sache – anstelle von Pappbechern verwendet jeder seinen eigenen, wiederverwendbaren von zu Hause.

Doch so einfach und problemlos ist die Theorie in der Praxis aber nicht. Denn Umfragen bei Bäckereien und Lokalen in Dieburg und Groß-Zimmern ergaben, dass nicht alle Einrichtungen das Getränk in einem selbst mitgebrachten Gefäß anbieten. Auf Nachfrage äußerten betroffene Anbieter Bedenken. „Es fehlt die Klarheit, zum Beispiel in Bezug auf Hygienevorschriften“, mahnt ein Vertreter der Vollkornbäckerei in Dieburg an. Doch gibt es überhaupt rechtliche Regularien, die das Verwenden von Mehrwegbechern regeln? Eine gesetzliche Vorschrift, die derartige Verkäufe verbieten, gibt es nicht, versichern Rechtsschutzexperten der D.A.S. Versicherung. Der Händler müsse lediglich dafür Sorge tragen, dass seine Ware nicht verunreinigt werde. Beim Befüllen eines mitgebrachten Bechers halte sich dieses Risiko aber ohnehin in Grenzen. Dennoch zeigen sich einige Betreiber skeptisch und weisen Kunden mit eigenen Bechern zurück – einen Zwang sie befüllen zu müssen, gibt es nicht.

Die befragten Betriebe in Groß-Zimmern und Dieburg geben zwar in Summe ein gutes Bild ab, da lediglich zwei der 16 Verkaufsstellen, die eine Auskunft geben wollten, nicht die Möglichkeit anbieten, das Getränk auch in einen eigenen Becher abzufüllen. Doch schwingt bei nahezu allen Befragten zumindest eine gewisse Unsicherheit bezüglich der Mehrwegbecher mit. Eine Vertreterin der Bäckerinnung Darmstadt-Wiesbaden, in der zahlreiche Bäcker aus Dieburg und auch aus Groß-Zimmern vertreten sind, äußerte sich dazu: „Wir stehen grundsätzlich sehr positiv zur Idee des Mehrwegbechers.“ Jedoch rät auch sie den Bäckereien, den Dialog mit ihren jeweiligen Hygiene-Kontrolleuren zu suchen, um möglichen Problemen vorzubeugen. „Wenn das Gefäß augenscheinlich sauber ist, spricht nichts dagegen, dieses auch zu befüllen. Bei einem dreckigen sollte man jedoch lieber auf den Pappbehälter zurück greifen“, sagt die Sprecherin der Innung. Dies deckt sich mit der beschriebenen Gesetzeslage, der Betreiber müsse sicher stellen, dass seine Ware nicht verunreinigt werde. Die Innung selbst habe vor über einem Jahr Mehrwegbecher eingeführt, die die Bäckereien erwerben und an ihre Kunden verkaufen können.

Doch dabei wird ein weiteres Problem deutlich: „Zu Anfang zeigen viele Kunden großes Interesse an den Bechern, doch bereits nach kurzer Zeit verwenden sie diese häufig nicht mehr und greifen stattdessen zum Gegenstück aus Pappe.“ Nicht nur auf Verkäufer-, sondern auch auf Verbraucherseite hat sich das Konzept des Mehrwegbechers also noch nicht nachhaltig bewährt, wie auch die befragten Lokale bestätigen. „Das Modell des ,Coffee to go’ ist zwar sehr beliebt, die Nachfrage nach der Verwendung eigener Becher ist aber überschaubar“, bilanzierte eine Mitarbeiterin des Dieburger McDonald’s. Für viele Kunden sei das Mitbringen von eigenen Bechern bereits zu viel Aufwand, da man im Voraus planen müsse, einen Kaffee zu trinken.

Es macht daher den Eindruck, dass auf beiden Seiten des „Coffee to go“ Geschäfts Nachholbedarf besteht. In einigen Betrieben wird zwar schon mit vergünstigtem Kaffee bei der Verwendung von Mehrwegbechern geworben, die Regel ist das aber nicht. Sowohl Verkäufer, als auch Verbraucher sollten sich dem Nutzen von Mehrwegbechern bewusst sein, der eine riesige Menge an Abfall vermeiden könnte. Denn der Kaffee schmeckt aus dem eigenen mindestens genau so gut wie aus dem Pappbecher des Geschäfts. Und überquellende Mülleimer und zu Boden geworfene Pappbecher in Innenstädten sind ebenso unnötig, wie vermeidbar.

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