Dieburg

„Mein Publikum gehört zur Hauptrisikogruppe“

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Polizeioberkommissar Ralf Drexelius

Seit kurzem erst ist sie verboten, die Mode-Droge „Spice“. Sie war besonders bei jungen Leuten beliebt. Insofern kam die Veranstaltung in der Alfred-Delp-Schule zum richtigen Zeitpunkt und hatte einen aktuellen Anlass. Drogen sind aber gerade im Hinblick auf Teenager immer ein Thema, über das es sich zu sprechen lohnt.

Dieburg (jd) - „Mein heutiges Publikum gehört zur Hauptrisikogruppe“, erklärt Polizeioberkommissar Ralf Drexelius von der Jugendverkehrsschule Dieburg - jedem Ex-Schüler bekannt durch die Fahrradprüfungen in der Grundschule - vor seinem Vortrag im Gespräch mit dem Dieburger Anzeiger. Ecstasy, Kokain, Heroin - in Drexelius' Präsentation in der Aula wird es anschließend um harte, verbotene Drogen gehen. Kein erhobener Zeigefinger, die Hände doch pauschal von Alkohol und Zigaretten zu lassen, kein übertrieben moralisierender Auftritt. Vielleicht gelingt es dem engagierten Referenten deshalb, die Schüler - vor allem ADSler aus den Biologie- und Chemiekursen sind da - mehr als eine Stunde lang zu fesseln und später zu zahlreichen Fragen und Erfahrungsberichten zu animieren.

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„Jüngere Leute neigen dazu, viel auszuprobieren“, sagt Drexelius. „Da wundere ich mich manchmal, denn man hat nur ein Leben.“ Da sei ganz schnell „Ende Gelände“, und das macht der Oberkommissar gleich zu Beginn mit einem Schock-Video deutlich. Schon da ist es mucksmäuschenstill.

Er nimmt ein Beispiel aus den Unfallprotokollen der Polizei, um zu verdeutlichen, dass Drogenkonsum bei Autofahrern auch eine große Gefahr für andere darstellt - und gnadenlos Menschen töten kann, die ihr Leben noch vor sich gehabt hätten.

Wer die sehr vernünftig wirkenden ADS-Schüler an diesem Vormittag sieht, kann sich eigentlich nicht vorstellen, dass sie derart mit ihrer Gesundheit zocken würden. Und doch sind gerade Jugendliche - zwischen 16 und 20 Jahre alt und kurz vor oder nach dem Erwerb des Führerscheins - verführbar für Tabletten, Pulver und alle anderen Formen, in denen Drogen verfügbar sind. Besonders bitter wird es bei der so genannten Multiintoxikation, dem Konsum mehrerer Drogen - zum Beispiel Schnaps und Kokain - gleichzeitig. „Dadurch kommen die meisten Leute zu Schaden“, weiß Drexelius.

Neben den gesundheitlichen Risiken zeigt der Oberkommissar aber auch weitere negative Auswirkungen auf. Drogen ruinieren Karrieren - Christoph Daum wäre ohne Kokain wohl Bundestrainer geworden. Drogen sind pervers: Sie halfen den Piloten etwa im Vietnamkrieg beim Übertreten der Hemmschwelle, Bomben auf Kinder zu werfen. Und Drogen können äußerst peinlich werden: Drexelius erzählt von einem jungen Menschen, der sich nach dem Drogenkonsum für ein Glas Orangensaft hielt. „Der hatte Angst sich hinzusetzen, weil er dachte, dass er dann ausläuft.“

„Wir wollen unsere Schüler für das Thema sensibilisieren, deshalb habe ich Herrn Drexelius eingeladen“, erklärt Oberstudienrat Volker Emich, der zugleich Verkehrsbeauftragter der ADS ist. Der Drogen-Vortrag gehört zum Projekt „Schule und Gesundheit“ des Kultusministeriums, für das die ADS ein Zertifikat erhalten wird. Das belegt, dass man sich in dem Oberstufengymnasium neben der Verkehrserziehung auch um Ernährung, Stressabbau und Gesundheit kümmert.

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