Meinungsbildung via PIN und TAN

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Der Dieburger Steffen Huchstedt ist Landesvorsitzender der Partei Vereinigte Bürger Deutschlands.

Dieburg ‐  „Alle Macht geht vom Volk aus“: Dieses Leitmotiv ist das wohl essentiellste einer Demokratie. Den Bundespräsidenten beispielsweise würden viele gern selbst wählen. Genau da setzt die Partei Vereinigte Bürger Deutschlands (VBD) an. Von Jens Dörr

Der Bundesverband der Partei wurde vor zwei Jahren gegründet. Mit dabei war damals auch der Dieburger Steffen Huchstedt, der anschließend auch die Gründung des Landesverbands Hessen forcierte. Seit wenigen Wochen gibt es nun auch diesen - und Huchstedt ist sein Vorsitzender.

„Wir wollen die Leute über Sozialthemen abholen“, sagt der 43-Jährige. Kinder ärmerer Familien, „Tafel“-Gänger, allein gelassene Senioren - um sie will sich die VBD besonders intensiv kümmern.

Eine zweite Linke oder SPD will die Partei aber nicht sein, wie Huchstedt betont: „Wir möchten alle Bürger repräsentieren. Das sieht man auch an der personellen Zusammensetzung unserer Vorstände.“ Ärzte finden sich dort ebenso wie ehemalige Versicherungsmakler, Unternehmer oder Arbeiter mit Migrationshintergrund.

In seiner Freizeit sozial engagiert

Huchstedt selbst, liiert mit einer Spanierin und ehemals alleinerziehender Vater dreier inzwischen erwachsener Kinder, ist Systemberater im Außendienst. Sein beruflicher Werdegang begann mit einer Ausbildung zum Elektro-Installateur, später wurde er Bauleitender Obermonteur und studierte Betriebswirtschaft.

Auch in seiner Freizeit lernte der Dieburger verschiedene Facetten kennen, engagiert sich aktuell sozial bei der Arbeitsgemeinschaft Deutschland (AGD), leitete früher die Jugendarbeit in einer christlichen Gemeinde und trainiert zurzeit die B1-Junioren des SC Hassia Dieburg.

Ebenso wenig wie sich Huchstedt auf einen Nenner bringen lässt, ist das mit den Vereinigten Bürgern Deutschlands der Fall: Es müsse doch geradezu der Anspruch von Parteien sein, für möglichst alle Bürger da zu sein und nicht nur für eine bestimmte Klientel, findet er.

Was will der Wähler?

So haben es die Gründungsmitglieder auch in ihrer Satzung niedergeschrieben - unter „Zweck und Ziel“ heißt es da: „Es ist ein besonderes Interesse der VBD, dem Machtmissbrauch von Interessengruppen entgegenzutreten.“ Daneben sei die Schaffung von Chancengleichheit in Deutschland noch immer eine offene Baustelle, die es zu bearbeiten gelte.

Um für die nächsten Wahlen auf sich aufmerksam zu machen, verlieren die Parteigründer keine Zeit. Ihre erste Amtshandlung: Teams bilden. Mit der zweiten gaben sie eine inhaltliche Stellungnahme heraus - Röslers Kopfpauschalenvorschlag hatte nicht nur Huchstedts Gemüt erhitzt. Durch „extreme Bürgernähe“ (Huchstedt) wolle man nach und nach ein Begriff für die Menschen werden: „Wir gehen in Seniorenheime und bringen gesammelte Sachen in Kinderheime“, sagt der Dieburger. Denn konkrete Hilfe sei an vielen Orten notwendig: „Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass bei vielen schlicht das Geld fehlt für wichtige Dinge.“ Also sammelt man beispielsweise ausrangierte PCs bei Firmen ein, damit Kinder ärmerer Familien in Deutschland technisch nicht abgehängt werden.

Politiker sollte vertreten, was die Leute möchten

Das Alleinstellungsmerkmal möchte die VBD allerdings weniger durch ihre Ziele erreichen, die sich durchaus mit vielen aus der bestehenden politischen Landschaft decken. Der Weg zur Meinungsbildung soll nicht nur in Huchstedts Vorstellung ein anderer werden. „Es heißt immer wieder, Bürgerbefragungen seien nicht durchführbar“, moniert der 43-Jährige. Tatsächlich aber seien mehr Bürgerentscheide, Direktwahlen und unmittelbare Mitbestimmung möglich. „Ich finde, ein gewählter Politiker sollte das vertreten, was die Leute in seinem Wahlkreis möchten“, meint Huchstedt. Beispielsweise via Internet könne man vor einer Entscheidung im Parlament das Meinungsbild der eigenen Wähler einholen. „Mit PIN und TAN, wie beim Online-Banking, damit es kein verfälschtes Ergebnis gibt und jeder Bürger nur eine Stimme hat.“

Damit solle nicht das eigenständige Denken des Abgeordneten verhindert werden: „Wenn er merkt, dass die Leute etwas anderes wollen als er, kann er sie ja immer noch zu überzeugen versuchen“, so Huchstedt. In seiner Partei mache man das basisdemokratische Bestimmen vor: „Ich bin zwar Landesvorsitzender, es entscheiden aber alle.“

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