Melancholische Lebenslust

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Begnadet: Roman Kuperschmidt (Klarinette), Alik Texler (Akkordeon) und Nikolas Baldock (Kontrabass) begeisterten im Schloss Fechenbach mit ihrer Klezmermusik.

Dieburg ‐ Mit einem fulminanten Konzerterlebnis ging die Ära der Dieburger Schlosskonzerte am Samstag zu Ende. Im vollbesetzten Saal entfachte Roman Kuperschmidt mit seinem Klezmer-Ensemble ein musikalisches Feuerwerk der Spitzenklasse. Von Ursula Friedrich

Scheinbar mühelos setzte der russische Klarinettenvirtuose die gesamte Partitur menschlicher Gefühle musikalisch in Szene – und riss das Publikum von der ersten Note an mit. Begleitet von Alik Texler (Akkordeon) und Nikolas Baldock (Kontrabass) interpretierte Kuperschmidt die jüdische Volksmusik in all ihren Facetten: Mal euphorisch, lebenslustig, mal melancholisch und sanft. „Mit Herz und Seele“ lautete auch der treffende Titel der 120. Folge der städtischen Konzertreihe im Schloss Fechenbach, das dank des intimen Ambientes im Konzertsaal und dem Charisma der Künstler spontan Zugang zu den Publikumsherzen fand.

Saal war voll besetzt - wehmütige Zwischentöne

Die Gäste im vollbesetzten Saal berührte das Musikereignis in zweifacher Weise. Zwischen hörbar begeistertem Applaus schwangen wehmütige Zwischentöne. Der Grund: Nachdem die städtischen Zuschüsse für das hochkarätige musikalische Kulturangebot aus Kostengründen gestrichen werden mussten, steht die Veranstaltungsreihe nun nach 24 Jahren vor dem endgültigen „Aus“.

Richard Berg, seit zweieinhalb Jahrzehnten für die Konzerte verantwortlich, schöpft allerdings noch Hoffnung. „Das Überleben der Schlosskonzerte ist zwar finanziell noch nicht abgesichert, aber ich bin mit potentiellen Sponsoren im Gespräch und vielleicht gibt es im Dezember eine positive Wendung“, so Berg.

Qualität gibt´s nicht zum Nulltarif

Lange gelang es ihm, durch städtische Zuschüsse von jährliche 3 500 Euro jeweils fünf bis sechs klassische Konzerte im Jahr zu veranstalten. Trotz des guten Zuspruchs aus der ganzen Rhein-Main-Region blieb die hochkarätige Veranstaltungsreihe ein „Zuschussbetrieb“.

Qualität zum Null-Tarif, das gibt es einfach nicht“, so der Veranstalter, der nun auf ein Weihnachtsgeschenk in Form eines Sponsors hofft.

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