Melanie Eisentraud sagt der Damengarde Adieu

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Melanie Eisentraud hört bei der Damengarde auf.

Dieburg (jd) ‐   Eine Ära geht zu Ende: Melanie Eisentraud gibt die Leitung der Tanzgarde der Dieburger Prinzengarde ab. Am vergangenen Samstag tanzte die 30-Jährige zudem letztmals mit der 21-köpfigen Formation bei einer Sitzung.

„Sie hat immer 150 Prozent gegeben und ist dabei stets fröhlich und freundlich geblieben“, überhäuft etwa Gardistin Katharina Albert die Scheidende mit Lob. Eine Nachfolgerin steht noch nicht fest. Bereits im vorigen Jahrtausend brachte Melanie Eisentraud Schwung in diverse Tänze - zunächst im Jugendballett, später sowohl im Hofballett als auch der Tanzgarde der Damengarde. Mit Nicole Schmitt übernahm sie 2003 dort die Leitung - das Duo folgte auf Andrea Schmidt. „Man hat damals überlegt, was zukunftstragend ist“, blickt Eisentraud zurück. Schließlich waren die meisten Tänzerinnen der Damengarde zu diesem Zeitpunkt älter als sie.

Unbeeindruckt davon ging die Dieburgerin ihren Weg - und führte nach und nach Neuerungen ein. Die markanteste: Inzwischen tanzen auch einige Männer mit. Als sie übernahm - und auch noch in den ersten Jahren danach - machte die Damengarde ihrem Namen noch ganz exakt die Ehre. Vielleicht ebenso wichtig: das Prinzip Teambildung. Eisentraud führte beispielsweise das „Gardemädchen des Jahres“ ein und ist der Meinung: „Jeder muss mal in der ersten Reihe stehen, weil jeder sein Bestes gibt.“ Sie stelle „ganz pädagogisch immer das Positive heraus“, beschreibt Tänzerin Katharina Albert die Strategie Eisentrauds.

Kleinigkeiten können die Gruppe stärken

Dass die Fastnachtsprinzessin von 2010 das kann, liegt nicht nur an dem, was ihr in die Wiege gelegt wurde - Eisentraud ist Lehrerin für Sport und Arbeitslehre, unterrichtet an der Schule auf der Aue in Münster. Auch scheinbare Kleinigkeiten wie T-Shirts mit identischem Aussehen könnten das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken, sagt sie selbst. Dass die Tanzgarde auch jenseits der Bühnenauftritte so einiges zusammen unternimmt, zeigt: Ihr Ansatz geht auf.

Das allein reicht indes nicht für die fulminanten Tänze: Unter Eisentrauds Leitung erhöhte die Formation das Trainingspensum, führte überdies „differenzierte Plätze“ ein. Soll heißen: Wer besonders gut einen Spagat kann, stellt den auf der Bühne dar. Spezialistinnen fürs Rad führen eben ein solches vor. Weiterhin baute Eisentraud in die Tänze Gardeelemente ein, die Berührungspunkte mit dem Turnen haben. Das und einige andere Umstellungen gipfelten in jedem Jahr aufs Neue in beeindruckenden Darbietungen.

Musikauswahl ist die halbe Miete

Hinter dem Lächeln und dem perfekten Auftritt auf der Bühne steckt derweil extrem viel Arbeit - was auch mit ihrem Anspruch zu tun habe, immer Besseres bieten zu wollen, wie es die Trainerin formuliert. „Das Wochenende gehört der Garde“, bringt es Eisentraud auf den Punkt. Kaum zu glauben, dass sie bis voriges Jahr auch noch dem Hofballett treu blieb. Ein Meilenstein sei stets die Auswahl der Musik gewesen - das sei die halbe Miete.

Nach dieser Kampagne muss die Trainerin nicht mehr an die künftigen Choreografien denken - langweilig werde es ihr dennoch nicht, ist sie sich sicher.

Den Gedanken, die Leitung aufzugeben und „nur“ noch als einfache Gardistin mitzutanzen, hält Melanie Eisentraud für nicht sinnvoll: „Wenn man als Trainerin aufhört und dann noch in der Garde bleibt, tut man der neuen Trainerin keinen Gefallen.“

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