Jahresabschlussübung der Feuerwehr / Einsatzort: LGS

Menschenrettung ist das A und O jedes Einsatzes

Dieburg - Einsatzort Landrat-Gruber-Schule – die Freiwillige Feuerwehr Dieburg probt den Ernstfall. Ein kräftiger Wind bläst, dunkle Wolken kündigen Regen an. Einige Einsatzkräfte öffnen eine Tür. Künstlicher Qualm tritt aus. Schnell wird ein Schlauch gelegt. Von Fabian Sell

Sven Weyrauch, Stadtbrandinspektor und Übungsbeobachter, steht in der Nähe und verfolgt das Geschehen. Plötzlich klingelt sein Handy. Am Apparat die Zentrale - ihre Mitteilung überraschend: Einige Dieburger haben die Notrufnummer gewählt. Doch nicht aus Not, sondern aus Neugier. Der ausgelöste Alarm der Feuerwehr hatte ihren Wissensdurst entfacht. „Wo brennt es?“, war die Frage. Doch dass derartige Anrufe Missbrauch und daher strafrechtlich verfolgt werden könnten – das sei den Anrufern offenbar nicht bewusst, erklärt Weyrauch.

Mittlerweile sind die Einsatzkräfte im Gebäude. Ihre Aufgabe: Personenrettung und Lokalisierung des Brandherdes. Auch bei den Garagen auf der anderen Seite der Werkstätten verschaffen sich die Feuerwehrleute Zugang. Direkt an der Tür liegt ein „Verletzter“. Laute Hilferufe erschallen. Zwei Einsatzkräfte bringen ihn in Sicherheit. Jetzt geht es ins Gebäude. Einer hat eine Axt bei sich. Eine Atemmaske tragen hingegen alle. Ebenso wie eine Leinenschnur – in einem kleinen Päckchen auf dem Rücken. Innen legen sie damit die „Leinensicherung“. Eine Maßnahme, die in der Praxis unverzichtbar ist. „Im Gebäude ist oft alles verqualmt , da kann man schnell die Orientierung verlieren. Mit der Leine findet man den Rückweg“, erläutert Weyrauch.

Den Rückweg müssen die insgesamt 34 Einsatzkräfte heute mehrmals gehen. Schließlich warten im Gebäude elf Personen auf ihre Rettung. „Versteckt“ sind diese an verschiedenen Orten. Zwei entdecken die Einsatzkräfte etwa in der Fahrradwerkstatt, eine weitere in der Toilette. Ganz auf sich allein gestellt sind sie dabei nicht. Praxisgetreu ist auch ein Einsatzleiter sowie ein Führungassistent vor Ort, die das Vorgehen koordinieren.

Eine kleine Schwierigkeit tritt dennoch auf: Der Brandherd wird erst spät gefunden. Mangelnde Achtsamkeit der Einsatzkräfte? Mitnichten. Der Fehler liegt in der Übungsvorbereitung. So gab es zwar ein rotes Warnlicht, das auf die Brandquelle hinwies - an den Strom war es indes nicht angeschlossen. Um die ausgeschaltete Lichtquelle schließlich zu finden, mussten die Einsatzkräfte daher ganz genau hinschauen.

Das Wichtigste jedes Einsatzes, sagt Weyrauch, ist jedoch die Menschenrettung. „Das Prinzip geht über alles. Lieber lässt man einen Gebäudeteil niederbrennen, als eine Person im Feuer umkommen“, betont er. Wenn es zu einem Brand komme, bilde meist eine Gruppe einen „Riegel“ am Brandherd, um das Feuer einzudämmen. Mit dem Ziel, Personen zu retten, gehen indes weitere ins Gebäude. Sobald genug Einsatzkräfte vor Ort sind, beginnen die Löscharbeiten.

Der angenommene Brand in den Werkstätten der LGS ist jedenfalls nur von kurzer Dauer. Nach einer guten Stunde sind alle Personen gefunden. Mittlerweile regnet es stark. Das Ziel der Übung habe man erreicht, sagt Weyrauch. Und zwar: die Knackpunkte des Gebäudes sowie die Verschachtelung der Räume kennen lernen. Am Ende treffen sich alle Einsatzkräfte zur Abschlussbesprechung – die dieses Jahr wohl nicht ihre letzte gewesen sein wird. Denn: „Es gibt die Vorgabe, dass jeder durchschnittlich 40 Übungsstunden jährlich absolviert. Das kann sowohl Theorie als auch Praxis sein und betrifft alle Arbeitsbereiche der Feuerwehr“, erklärt Weyrauch. Der eine oder andere reale Einsatz wird dieses Jahr vermutlich auch noch bevorstehen. Schließlich habe man etwa 140 bis 160 Einsätze jährlich – und derzeit sei man bei etwa 130.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare