Klinik-Kooperation Katheterlabor: Thomas Scholl ist der lebende Beweis, dass sie funktioniert.

25 Minuten - und das Herz schlägt wieder

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Thomas Scholl fühlt sich nicht nur wie wiedergeboren in seinem Krankenhausbett, sondern ist es auch: Nach einem Herzinfarkt war der 46-jährige Roßdorfer 25 Minuten lang klinisch tot. Der Notarzt und Leiter der Intensivstation des St. Rochus Krankenhauses, Dr. Patrick Schmenger, (rechts), hat ihn mehrfach wiederbeleben müssen, bis sein Herz wieder von selbst schlug. Kardiologe Dr. Philip Koniordos (links) kümmert sich jetzt in der Nachsorge um ihn.

Dieburg/Roßdorf ‐ „„Da bin ich wohl dem Tod von der Schippe gesprungen“, sagt Thomas Scholl in seinem Krankenbett im St. Rochus und schaut Dr. Patrick Schmenger an. Die flapsige Formulierung soll verbergen, was Stimme und Augen trotzdem verraten: Der Roßdorfer kann es noch nicht ganz glauben, dass er dem Tod entronnen ist. „Das ist wie ein zweiter Geburtstag“, setzt der 46-Jährige leise hinzu. Von Lisa Hager

An die Vorgänge dieser „zweiten Geburt“ selbst hat er keinerlei Erinnerung. Die endet da, als er Dienstag letzter Woche vom Joggen nach Hause kam. Er erinnert sich noch, dass er - ein trainierter Freizeitsportler, der auch viel Fahrrad fährt - die übliche Joggingrunde mit einer Bekannten früher abgebrochen hat, da er sich nicht wohl fühlte. Als er zu Hause ankommt, leidet er unter stärksten Brustschmerzen.

19.57 Uhr geht der Notruf seiner Frau bei der Rettungsleitstelle in Dieburg ein. „Um 20 Uhr, da waren wir schon in Gundernhausen, kam die Rückmeldung, dass der Patient jetzt bewusstlos ist“, fasst Dr. Patrick Schmenger, der als Notarzt mit dem erst im Februar diesen Jahres in Dienst gestellten Notarzteinsatzfahrzeug von Dieburg aus auf dem Weg zum Einsatzort ist, die Fakten zusammen. Als er den Patienten übernehmen kann, hat die Mannschaft des nur wenige Augenblicke vorher eingetroffenen Rettungswagens des DRKs schon mit den Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen. „Der Patient hatte einen Kollaps, einen Herz- und Kreislaufstillstand, ausgelöst von Herzkammerflimmern - einen typischen, schweren Herzinfarkt“, sagt Schmenger.

Sieben Mal setzt der erfahrene Notfallmediziner den Defibrillator bei Thomas Scholl an. „Um 20.26 Uhr hat sein Herz wieder zu schlagen begonnen“, sagt Schmenger, der im Rochus die Intensivstation leitet. „Er war sozusagen 25 Minuten klinisch tot.“ Der Patient wird per Infusion mit Adrenalin stabilisiert.

Im Hintergrund läuft zeitgleich die Vorbereitung für Scholls Weiterbehandlung an: Dass die Kooperation zwischen den beiden Katheterlabors in Groß-Umstadt und Dieburg, die seit August unter der gemeinsamen Leitung von Dr. Michael Weber stehen, funktioniert, zeigt sich jetzt - zum Glück für den Patienten. „Dieburg ist von Roßdorf aus näher als Umstadt, deshalb haben wir ihn ins Rochus gefahren und zeitgleich einen Spezialisten aus Umstadt angefordert“, sagt Schmenger. Die Koordination der beiden Labore läuft über die Dieburger Intensivstation.

Aber Scholl ist noch nicht gerettet: Auf dem Tisch im Labor hat er einen zweiten Kollaps, Herzstillstand, keine Atmung - er muss erneut wiederbelebt werden.

Dann geht alles ganz schnell. Oberarzt Dr. Michael Stanisch aus Groß-Umstadt hat übernommen: Der Herzkatheter wird eingeführt, um die Engstelle, die den Infarkt ausgelöst hat, zu beseitigen. Auf dem Monitor des Herzkatheterlabors sieht der Kardiologe in Echtzeit, welche Gefäße verengt oder verschlossen sind. Bei Thomas Scholl ist es das große Vorderwandgefäß, das von einer Kalkablagerung verschlossen ist. Dadurch war ein Blutgerinnsel entstanden, das den Infarkt ausgelöst hat. „Das war ein so genannter großer klassischer Infarkt, der sehr oft zum Herztod führt“, sagt Dr. Philip Koniordos, der als Kardiologe die Nachsorge übernommen hat.

Eine halben Stunde nach Eintreffen im Herzkatheterlabor ist das Gefäß wieder durchlässig und mit einem Stent, einem kleinen Metallröhrchen versehen, der es dauerhaft stabil hält.

24 Stunden liegt Thomas Scholl dann im künstlichen Koma, zum Schutz seines Gehirns abgekühlt auf 32 Grad Körpertemperatur, auf der Intensivstation.

36 Stunden nach dem Infarkt wacht er auf, der Atemschlauch kann entfernt werden, drei Stunden später ist er „fast voll wieder da“. Er habe sich erstaunlich schnell erholt, freut sich Schmenger. Außer einer kurzfristigen Störung des Kurzzeitgedächtnisses, habe er keinerlei Beschwerden bemerkt.

„Ein bisschen seltsam fühle ich mich noch“, gibt Thomas Scholl, von Beruf Industriemeister bei Merck zu, der nach einer Reha sobald wie möglich wieder an seinen Arbeitsplatz bei Merck zurückkehren will. „So ein bisschen zwischen Baum und Borke.

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