„Mir tun einfach die Kinder leid“

Dieburger Biker kämpfen gegen Kinderpornos

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Ein Teil der B.A.C.A.A.-Mitglieder bei einer Versammlung vor einigen Wochen. Der Dieburger Biker Mirko Maier will die B.A.C.A.A.-Regionalgruppe Hessen ins Leben rufen. J  Fotos: B.A.C.A.A. /Dörr

Dieburg - Sie wollen die Wand des Schweigens durchbrechen – dafür steht symbolisch auch die weiße Faust auf ihrem Logo. Motorradfahrer unterstützen Opfer von Kinderpornografie. Von Jens Dörr

B.A.C.A.A.: Die fünf Lettern sind die Abkürzung für den englischen Namen „Biker Against Childporn And Abuse“ – „Motorradfahrer gegen Kinderpornografie und Missbrauch“. 2005 als Verein eingetragen, entstehen aus der Bikerszene heraus bundesweit mehr und mehr Regionalgruppen, die Opfern von derlei grausamen Taten finanziell und darüber hinaus helfen wollen. 40 Mitglieder in sechs Regionen Deutschlands hat B.A.C.A.A. schon. Am 18. August könnte in Dieburg der Grundstein zur Regionalgruppe Hessen gelegt werden.

Initiator ist der Dieburger Mirko Maier. Der 50-jährige passionierte Motorradfahrer ist in der Bikerszene vernetzt und beobachtet den ehrenamtlichen Einsatz anderer Regionalgruppen schon länger. Unter anderem zu Baden-Württemberg und dem dortigen Regionalleiter Damir Mahmutovic sowie Vorstandsmitglied Christine Brauer hält Maier intensiv Kontakt. Er findet das Engagement des Vereins so unterstützenswert, dass er nun selbst seinen Hut für den Aufbau der hessischen Regionalgruppe in den Ring werfen will.

„Mir tun einfach die Kinder leid“, schildert Maier seinen Antrieb. Die Hilfe, die B.A.C.A.A. nun schon seit 13 Jahren leistet und die dank der Verbreitung in der Republik (momentan befinden sich auch die Gruppen Rheinland-Pfalz/Saarland sowie Mecklenburg-Vorpommern im Aufbau) immer umfassender wird, überzeugte ihn darüber hinaus konzeptionell. In Verbindung mit dem Zugehörigkeitsgefühl zur Bikerszene hat sich der Dieburger entschlossen, mehr als „nur“ Mitläufer des Vereins zu sein.

Zu den Hauptaktivitäten von B.A.C.A.A. zählen das Sammeln von Spenden, aber auch die Aufklärungsarbeit. „Wenn wir von einem Fall erfahren, vermitteln wir auf Anfrage beispielsweise Anwälte und Anlaufstellen, helfen auch in der Prozessbegleitung“, erläutert mit der Erfahrung der baden-württembergischen Vereinspraxis Christine Brauer. Wobei man sich letzteres keinesfalls so vorstellen dürfe, dass die Biker Opfer mit dem Motorrad vors Gerichtsgebäude führen, fügt Maier hinzu. Alle Unterstützung, die B.A.C.A.A. leiste, geschehe seriös und im Rahmen der eigenen Möglichkeiten. Zur rechten Zeit hole man stets die entsprechenden Fachleute ins Boot.

Kinderporno-Prozess gegen Sebastian Edathy

Brauer fasst den Ansatz des Vereins, der von Dieburg aus bald auch in Hessen bekannter werden und Helfer aus der Bikerszene („Und darüber hinaus – bei uns kann jeder mitmachen, unabhängig von Alter, Religion, Beruf oder Interessen“) so zusammen: „Wir wollen den Opfern als Ansprechpartner zur Seite stehen, ihnen Wege aufzeigen und sie auf diesen unterstützen – ihnen vor allem aber zeigen, dass Sie nicht alleine sind.“ Die Faust im B.A.C.A.A.-Logo sei dann auch so zu verstehen, „dass sie das Zerschlagen der Wand des Schweigens symbolisiert“. Auf diese treffe man beim Thema Missbrauch immer wieder. „Es ist oft ein Tabu. Wir wollen die Wand des Schweigens durchbrechen!“

Konkret geht der Verein dabei meist wie folgt vor: Er präsentiert sein Anliegen mit einem Infostand vor allem auf Motorradevents (wie etwa Biker-Gottesdiensten), Messen und auch mal auf Volksfesten. „Manche spenden Geld, andere helfen bei Veranstaltungen, wieder andere werden Mitglied“, zählt Brauer die verschiedenen Möglichkeiten, sich bei B.A.C.A.A. einzubringen, auf.

Die Finanzmittel gingen nie an bestimmte Personen, sondern immer an privat finanzierte Anlaufstellen, die in der Opferbetreuung wichtige soziale Dienste leisteten. Recht bekannter Nutznießer des Biker-Engagements und seit 35 Jahren im Einsatz gegen sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Frauen ist zum Beispiel der in Berlin ansässige, mehrfach ausgezeichnete Verein „Wildwasser“. Wohin das gesammelte Geld letztlich geht, entscheiden am Jahresende die einzelnen Regionalgruppen selbst. Die Verwendung der Mittel wird danach weiter beobachtet und durch B.A.C.A.A. kontrolliert.

Mit diesen Bildern sucht das BKA den Babyschänder

Quelle: op-online.de

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