Miteinander der Generationen wird gepflegt

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Drei Generationen Prinzengarde (von links): Hubert Olbrich, Thomas Jung und Lukas Freudl.

Was gibt es Schöneres, als sich selbst zu feiern? Genau das tut die Prinzengarde Dieburg in diesem Jahr mit besonderer Vehemenz: Vom 18. bis 20. Juni wird ein Grundstück in der Albinistraße zum Festgelände anlässlich des Jubiläums „60 Jahre Dieburger Prinzengarde“. Drei Tage voller Musik, Unterhaltung, sportlichem Wettstreit und kulinarischen Angeboten stellt die „Priga“ auf die Beine, um sechs Jahrzehnte im Dienst der Dieburger Fastnacht und ihrer Tollitäten gebührend zu begehen. Im Vorfeld des Ereignisses blickt der DA in drei Teilen in die Geschichte der Garde. Heute werden im letzten Teil der Mini-Serie die Jahre von 1990 bis 2010 beleuchtet.

Dieburg (jd) ‐ Das können heute wahrlich nur wenige Gruppen und Vereine bekanntgeben: „Viele melden sich bei uns freiwillig, um im Vorstand mitzuhelfen“, sagt Hubert Olbrich, einer von zwei Hauptmännern der Dieburger Prinzengarde und zugleich deren Vorsitzender. Heute funktioniere es sogar noch ein klein wenig besser als früher, was die ehrenamtliche Mitarbeit der „Priga“-Mitglieder betrifft, sagt er.

Was auch damit zu tun hat, dass etwa der einstige Chef Markus Weber „extrem engagiert“ gewesen sein und einen Großteil der Organisation allein bewerkstelligte. „Das kann heute gar keiner mehr leisten, so eingespannt wie die meisten durch ihren Job sind“, so Olbrich.

Kein Nachwuchsproblem mehr

Drei Generationen sitzen an diesem Abend am Tisch zusammen im Heim von Thomas Jung, dem Zeugwart der Garde. Neben ihm als „Middle-Ager“ und dem erfahrenen Olbrich ist auch Lukas Freudl gekommen, der die jüngste „Priga“-Generation verkörpert. „Ich bin vor zwei Jahren eingestiegen“, erzählt der 17-jährige Gardist. „Das war einfach so eine nette, amüsante Truppe.“ Gerade junge Menschen zwischen 16 und 20 sind in den vergangenen Jahren in die Dieburger Prinzengarde eingetreten und haben deren Mitgliederzahl auf 203 erhöht.

Inzwischen haben wir kein Nachwuchsproblem mehr“, sagt Thomas Jung. Vor einigen Jahren freilich sei das noch anders gewesen, fügt er ehrlich hinzu.

Gerade das, was die drei an diesem Abend symbolisieren, ist das, was Olbrich als positive Besonderheit der Garde herausstellt: „Das Zusammensein der Generationen ist bei uns vielleicht das Wichtigste“, sagt er.

Passive Mitglieder gibt es in der Priga nicht

Zwischen 20 und 40 sei man zwar noch „relativ dünn besetzt“ (Jung), alles in allem findet man das gemeinsame Feiern und Arbeiten von Menschen fast jeden Alters in Gruppen und Vereinen nicht allzu oft so ausgeprägt wie bei den Beschützern der Dieburger Tollitäten. Freudl und seine gleichaltrigen Freunde sind die Jüngsten der Truppe (abgesehen von der Kindergarde), Helmut Pfeil (Jahrgang 1929) heißt das älteste Mitglied. Das älteste aktive Mitglied ist derzeit Werner Helfrich, der mit 66 Jahren noch an den „Priga“-Aktivitäten teilnimmt.

Apropos Aktivität: Auch außerhalb der närrischen Tage unternimmt die Garde viel, „isst, trinkt, aber übergibt sich nicht“, wie sie es gerne formuliert, stellt jedoch auch ganz anderes auf die Beine. Wanderungen und die Skifreizeit sind Beispiele dafür – und geschafft wird natürlich auch immer wieder: „Nach den Arbeitseinsätzen ist die Geselligkeit meist am schönsten“, berichtet Freudl. Der 17-Jährige hat mittlerweile seinen Probedienst hinter sich und ist damit aktives Mitglied der Garde.

Passive Mitglieder gibt es bei uns prinzipiell nicht“, erklärt „Priga“-Präsident Olbrich. Bei der Musterung müssen Gardisten-Anwärter zudem „ihre körperliche Fitness unter Beweis stellen“, fügt Jung hinzu. Was genau darunter zu verstehen ist, verraten die drei aber nicht.

Brauchtum pflegen und Tradition erhalten

Einem treten sie jedoch klar entgegen: „Bei uns wird grundsätzlich niemand dazu gezwungen, Alkohol zu trinken“, betont Jung.

Früher habe es bisweilen ein Schau-Trichtern neuer Mitglieder gegeben, das sei aber lange her. „Zu diesen Zeiten haben wir auch mal in der Unterhose vor den anderen gestanden“, lacht er. Heute arte das aber nicht mehr aus.

Auch weil es heute kaum mehr toleriert würde, wenn jemand allzu müde auf die Arbeit käme, wie Olbrich und Jung sagen.

Worum es neben dem Spaß, dem Miteinander der Generationen und der Geselligkeit indes vor allem geht: „Wir wollen das Brauchtum pflegen, die Tradition erhalten“, sagen Olbrich, Jung und Freudl unisono. Und: „Wir müssen auch nicht mit jeder Mode mitgehen.“

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