Mode muss lebendig sein

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Modedesignerin Bärbel Kostron schneidert in Dieburg Ideen auf den Leib

Dieburg ‐  In apricotfarbene Seide verpackt wie ein Luxusgeschenk und eine Rose am tiefen Dekolletee - wer möchte so nicht einmal durch die Stadt wandeln? Von Lisa Hager

Nun, fürs Büro oder den Familieneinkauf sind Bärbel Kostrons Glamour-Abendmode-Modelle nicht gerade geeignet. Aber die quirlige Modedesignerin, die selbst über eine Modellfigur verfügt, hat nicht nur Glamouröses im Repertoire, obwohl ihre fantasievollen Abendroben breiten Raum im Atelier am Markt 7 (im Haus der „Bücherinsel“) einnehmen. „Mode muss vor allem tragbar sein, man muss sich in den Kleidern wohl fühlen“, ist ihr Statement. Das hängt sowohl am Schnitt als auch an der Qualität des Stoffes, auf die Kostron besonderen Wert legt.

Und so ist der Besuch von Stoffmessen im In- und Ausland auch ein Teil ihrer Arbeit. Stoffe aus deutscher und österreichischer Produktion hält sie nach wie vor für besonders hochwertig - auch was die Ökologie betrifft. „Bei manchen Stoffen kann ich einfach nicht widerstehen“, sagt die junge Frau und streicht im Lager über einen faszinierend schimmernden Seidenstoff. „Und das ist Babykamelhaar“, schwärmt sie weiter. „Fassen Sie mal an - weich, leicht und warm!“

Ihre exklusiven Kreationen, die der Kundin auf den Leib geschneidert werden, kreiert sie am liebsten in Naturmaterialien aus kontrolliertem Anbau - neben Seide sind das auch Leinen, Schurwolle, Cashmere, Angora.

Klare Formen und Schnitte abseits aktueller Trends stehen bei ihr im Vordergrund. „Mode muss lebendig sein, lebendig aussehen, Stimmung ausdrücken“, sagt die Designerin und lässt einen leichten Übergangsmantel schwingen. Mäntel und Jacken sind neben Abendmode der eigentliche Schwerpunkt ihres Ateliers, in dem sie mit einem Team von vier Mitarbeiterinnen und einer Praktikantin arbeitet. Die Modelle gibt es in Kleinserien, in begrenzter Stückzahl oder als Unikate.

Kontakt: Bärbel Kostron, Mode Design, Markt 7, Tel. 06071/980089, Mobil Tel. 0172/6618925, E-Mail: modedesign@kostron.eu - eine Internetseite hat sie auch.

Nach der Schneiderlehre hat Kostron eine Ausbildung zur technischen Assistentin an der Bekleidungsfachschule Aschaffenburg abgelegt. Danach verfeinerte sie ihre Kenntnisse in verschiedenen Ateliers. Sie war für bekannte Labels wie „First Avenue“ in Offenbach, Fink-Moden, in der Musterabteilung Louis Feraud in Darmstadt und bei Toni Schiesser in Frankfurt tätig. Hier schuf sie die Basis für die Auszeichnung mit dem Bayerischen Meisterpreis, den sie 1995 bekam. Im Anschluss war sie Direktrice bei Jardin du Mode in Eschborn. 2005 erhielt Kostron den Hessischen Staatspreis für das Deutsche Kunsthandwerk und eröffnete ihr zweites Atelier in Wiesbaden. Dann regte sich bei ihr der Wunsch nach Selbstständigkeit. Sie fand Räume in Dieburg und gründete 1997 ihr eigenes Label. Dann zog sie in größere Räume in die Steinstraße um, bis sie 2009 zusammen mit dem Ehepaar Kleene im Haus Marktplatz 7 eine gelungene Kombination von Literatur und Mode geschaffen hat. Hier kann sie ihre Modelle im Erdgeschoss präsentieren, im ersten Stock hat sie Platz für Atelier, Werkstatt und Lager.

Aber Dieburg ist nicht alles, wenn es um Mode geht: Immer wieder ist Bärbel Kostron auf internationalen Messen unterwegs oder wird zu Ausstellungswettbewerben eingeladen. Kürzlich war sie eine von 25 Designern (Mode und Schmuck) aus Deutschland, die nach einem Ausleseverfahren an der Verkaufsausstellung „Craft Show 2010“ des Philadelphia Museum of Art im US-Bundesstaat Pennsylvania teilnehmen durften. Dort wurde Handwerkskunst auf hohem Niveau gezeigt. „Wir haben viele gute Kontakte gehabt und unsere Glamour-Abendmode kam besonders gut an“, sagt Kostron.

Es waren auch viele Kunden aus New York da. Da sei auch die Frage aufgekommen, ob man nicht auch mal an einer Show im „Big Apple“ teilnehmen würde. „Ich werde am Ball bleiben“, sagt die Designerin.

Dass sie ihren Traumberuf gefunden hat, merkt man auch am zufriedenen Gesichtsausdruck, mit dem sie ein Modell absteckt oder der Begeisterung, mit der sie von einer eben fertig gestellten Kurzjacke spricht, die gerade ihr „Liebling“ ist: ein leichter edler Stoff, der Schnitt dagegen erinnert an einen Sportblouson. „Die kann man zu Jeans, aber auch zu einer feinen Hose tragen“, erklärt sie.

Kostron ist keine Designerin, die ihren Kundinnen ihre Ideen aufdrängt. Sie versucht den Typ zu erfassen und danach das Modell zu entwickeln. Und das geht am effektivsten erst mal so, wie es an der Wand ihres Ateliers geschrieben steht: „Der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen ist ein Lächeln.“

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