Mit Modeln, Papp und Küpe

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Museumsmitarbeiter Lothar Lammer übernimmt das Färben mit der Küpe.

Dieburg (lho) ‐ „Das gibt ein Paradiestuch“, sagt die neunjährige Kathrin und setzt vorsichtig die Model auf ein Stück weißes Tuch, in dessen Mitte schon ein prächtiger Paradiesvogel türkis schimmert. Jedes Jahr in der Osterzeit gibt es im Museum Schloss Fechenbach eine zusätzliche Attraktion, die Besucher aus nah und fern anlockt: Die Blaufärbertage.

Während im Pädagogikraum zu sehen ist, wie die Stoffe fürs Färben vorbereitet werden, kann man im Keller den eigentlichen Färbevorgang bewundern. Und das Schöne an der Sache: Man darf nicht nur schauen, sondern sich auch selbst als Blaufärber betätigen. Ein Angebot, dass besonders von den kleinen Museumsbesuchern gerne angenommen wird. Die fünfjährige Lisa, die mit ihren Eltern und ihrer großen Schwester Kathrin aus Groß-Zimmern extra zum Blaufärben gekommen ist, hat den Bogen schnell raus: Erst wird unter den vielen Modeln (Stempel mit aus Holz geschnitzten oder mit Metallbändern aufgesetzten Mustern) eine schöne ausgewählt.

Die Model wird in den Papp eingetaucht, eine Pfeifentonverbindung, die beim Färben das Eindringen der Farbe verhindert. Und dann ganz vorsichtig die Model an der richtigen Stelle auf das Tuch gesetzt, angedrückt und nach oben wieder weggezogen. Während Lisa ihr Tuch schon fertig hat, überlegt ihre Schwester Kathrin noch, was alles auf ihrem Paradiestuch zu sehen sein soll. Nebenan sind die Blaufärber Moritz (11) aus Roßdorf und Sandrine (8), die mit ihren Eltern extra aus Seligenstadt angereist ist, am Werk.

Neu in diesem Jahr: das „Unikat“ der Behindertenhilfe

Im Keller hat Museumsmitarbeiter Lothar Lammer das Kommando am großen Färbebottich. Er taucht die bearbeiteten Stoffe in die indigoblaue Küpe und holt sie nach einiger Zeit wieder an die Luft, wo sie dank Oxidation und nach mehreren Tauchgängen von einem schmutzigen Grün in ein prächtiges Blau wechseln.

Für all jene, die nicht selbst zur Model greifen wollen, gibt es an einem Stand vom Profi gefertigte Blaufärbewaren aus Pulsnitz. Neu dabei ist in diesem Jahr auch der von der Behindertenhilfe betriebene Laden „Unikat“, der einen blauen Querschnitt seines Sortiments präsentiert.

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