Wahl ist Stressthema

Sie moderieren die Dieburg-Gruppen in Facebook

Sie leiten die drei großen Dieburg-Gruppen bei Facebook – und haben dabei manchmal eine undankbare Aufgabe: Antje Weber (links), Karl Reiss und Jasmin Sauerwein.  Foto: Dörr

Dieburg - Manchmal ist es eine undankbare Aufgabe: Antje Weber, Jasmin Sauerwein und Karl Reiss moderieren die drei nennenswerten Dieburg-Gruppen bei Facebook. „Stressthemen“ waren die Bürgermeister-Wahl und der Merkel-Besuch. Von Jens Dörr 

Mehrere tausend Dieburger haben ein Profil im „Sozialen Netzwerk“ Facebook. Viele treten in der ebenso bunten wie umstrittenen Facebook-Welt jenen Gruppen bei, in denen Themen veröffentlicht werden, die sie interessieren. Neben vielen Gruppen von Vereinen oder Unternehmen aus Dieburg existieren drei mitgliederstarke Gruppen, die sich mit dem Leben in der Stadt im Allgemeinen befassen. Antje Weber, Jasmin Sauerwein und Karl Reiss sind ihre Administratoren und Moderatoren – eine manchmal undankbare Aufgabe.

Eins vorweg: Keiner aus dem Trio hat je einen Cent dafür erhalten, sich auf diese Weise ein kleines Stück um Dieburg verdient zu machen. In erster Linie haben Weber, Sauerwein und Reiss die Aufgabe aus purem Spaß an der Online-Kommunikation übernommen, aus Freude und Interesse am Austausch mit Menschen, die mitunter ihre Interessen (oder auch ganz andere) teilen.

Die mit Abstand größte und älteste Gruppe heißt „Du kommst aus Dieburg, wenn ...“ und hat mehr als 5 400 Mitglieder. Vor elf Jahren war Thomas Mohr ihr Gründer; inzwischen ist Antje Weber ihre Administratorin. Weber wird von den Moderatoren (haben ähnliche Rechte wie die „Admins“, allerdings zum Beispiel weniger Einblick in die Nutzerstatistik) Barbara Mayer, Dana-Marie Arnold und Jasmin Sauerwein unterstützt.

Als „Admin“, eine Art „Geschäftsführer“, „Kummerkasten“ und „Blitzableiter“ in Personalunion, entscheidet Weber etwa, ob ein Facebook-Nutzer der Gruppe beitreten darf. Dafür muss er nicht zwangsläufig Dieburger sein oder in Dieburg wohnen; ein gewisses Interesse sollte aber zu erkennen sein. „Wenn ich etwa merke, dass einer in 33 ähnlichen Gruppen von Buxtehude bis sonstwo drin ist und bei uns nur seine Werbung posten will, kann ich ihn rausschmeißen“, sagt sie.

Überhaupt, die Werbung: Die ist in der Gruppe „Du kommst aus Dieburg, wenn ...“ zwar nicht grundsätzlich verboten, sollte aber einen Lokalbezug haben und in Sachen Veröffentlichungsfrequenz im Rahmen bleiben. Manchen ist derlei trotzdem ein Dorn im Auge.

Eine neue Gruppe möchte das entschärfen und Gewerbetreibenden und Selbstständigen eine zusätzliche, kostenfreie Werbemöglichkeit bieten. Jasmin Sauerwein hat „Unternehmen in und um Dieburg“ ins Leben gerufen. Sie administriert und moderiert sie gemeinsam mit Karl Reiss. Letzterer, hobbymäßig vielerorts in Dieburg und der Region als Veranstaltungsfotograf unterwegs, hat überdies die Gruppe „Events in und um Dieburg“ gegründet. Beide Gruppen sind noch ganz frisch, eröffneten im November, vereinen aber schon eine stattliche Mitgliederzahl auf sich: rund 1 100 in der Unternehmens- und 850 in der Eventsgruppe.

Für keinen aus dem Trio vergeht auch nur ein Tag, an dem er für seine ehrenamtliche Aufgabe keine Zeit bei Facebook verbringen würde. Weber, mit einem Copyshop wie auch Gastronomin Sauerwein selbstständig, ist in dem Netzwerk eigenen Angaben nach pro Tag vier bis fünf Stunden zugegen. Sauerwein taxiert es auf einen ähnlichen Umfang, Reiss schaut „morgens und abends rein, pro Tag insgesamt vielleicht ein oder zwei Stunden“.

Wie zeitgemäß ist der Knigge heute noch?

„Anstrengend wird es immer dann, wenn in der Gruppe gerade ,Stressthemen’ diskutiert werden“, erläutert Sauerwein. Soll heißen: Kontroversen, wie sie etwa in Zeiten der Dieburger Bürgermeister-Wahl oder im Vorfeld des Besuchs von Angela Merkel in der Römerhalle aufkamen. Nicht immer blieb da alles sachlich und fair. Weber, die „viel in der Gruppe laufen“ lasse und sich eher selten einmische, stellt in solchen Fällen wie ihre beiden Mitstreiter besonders viele emotionale – und wegen Beleidigungen auch gegen die auferlegten Regeln verstoßende – Kommentare fest. Mit Verweis auf die Gruppenregeln müssen sie ab und an Kommentare löschen oder Wiederholungstäter sperren. „Manchmal geht es leider ins Persönliche“, bedauert Reiss. Er selbst sei wie Sauerwein und Weber allerdings noch nicht Ziel unter der Gürtellinie angegriffen geworden.

Alles in allem mache die Aufgabe Spaß, ist sich das Trio einig. Etwas mehr Verständnis dafür, dort nebenbei in der Freizeit tätig zu sein, manchmal nicht sofort reagieren zu können und bei Abwägungen über Veröffentlichungen anderen womöglich auch mal auf die Füße zu treten, wünschen sich Weber, Sauerwein und Reiss aber.

Denn nicht immer ist die Lage so klar wie vor wenigen Tagen: Da stellte in der größten Dieburg-Gruppe ein Mitglied die Frage, was die Mitleser vom neuen „Migrationspakt“ der Vereinten Nationen hielten. Sauerwein beendete die Debatte schnell – das Thema hat keinen lokalen Bezug. Das Hin- und Herdiskutieren hinter den Kulissen mit dem Urheber des Postings bekam freilich nur sie selbst mit – Verlust von Zeit und Nerven inklusive.

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