Moderieren, motivieren, modernisieren

Bürgermeisterwahl: Thomas Disser privat

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Thomas Disser, seine Frau Eva Frieser mit Familienkatze Emmy und die jüngste Tochter Anna, gerade 18 geworden und im Abi-Stress. - Foto: p

Eva Frieser, die Ehefrau von Thomas Disser, betreibt im Dieburger Kapuzinerkloster eine Yogaschule. Thomas Disser hat die geistigen und körperlichen Übungen jedoch schon lange gemacht, bevor er seine Frau kennengelernt hat. Von Ralf Enders

So ist er halt, der unabhängige Mitte-Links-Bürgermeisterkandidat, der von der SPD unterstützt wird: gerne einen Schritt voraus. Keine schlechte Eigenschaft für einen Geschäftsführer und maßgebendes Mitglied einer Patchworkfamilie. „Von ihm habe ich gelernt, die Küche schon beim Kochen aufzuräumen“, lacht Tochter Laura (33) über das Organisationstalent ihres Vaters. Eva Frieser hat Laura in die 1995 geschlossene Ehe mitgebracht, Thomas Disser seinen Sohn Yann (34). Seit 1995 auch lebt die Familie in Dieburg, 1999 kommt die gemeinsame Tochter Anna zur Welt, die sich gerade aufs Abitur an der Alfred-Delp-Schule vorbereitet. Und natürlich sitzen alle viel zu selten zusammen am großen Tisch im Haus auf dem Frongrund.

Die Kandidaten im Porträt:

Renée Exner

Gottfried Fischer

Erik Marx

Frank Haus

Wenn’s dann doch passt – und Familienkatze Emmy nicht gerade ungeteilte Aufmerksamkeit zuteil wird – muss der Familienvater schon wieder ran. „Er macht die beste Sauce Hollandaise der Welt“, schwärmt Frieser. Auch Zabaione und Linsensuppe aus Dissers kulinarischem Repertoire sind – glaubt man der Familie – sensationell. „Ernährung ist eher Fest denn Nahrungsaufnahme“, sagt der Hobby-Koch, für den das Kochen eine entspannende Tätigkeit ist – ebenso wie das Fotografieren (am liebsten den Dieburger Fastnachtszug) oder das Hüttenwandern im Engadin. „Du musst Lesen noch als Hobby angeben“, stupst Eva Frieser ihren Mann an. Dessen Antwort: „Lesen ist kein Hobby, sondern Nahrungsmittel.“

Nahrung als Fest und Lesen als Nahrung – Thomas Disser ist es gewohnt, auch mal um die Ecke zu denken. Der studierte Diplom-Pädagoge ist nicht nur ehrenamtlicher Stadtpate für Tourismus in Dieburg (derzeit ruht der Job wegen des Wahlkampfs), sondern auch hauptamtlicher Geschäftsführer der Interessengemeinschaft Odenwald, zudem stellvertretender Vorsitzender der Vertretung der deutschen Regionen gegenüber Bund und EU. „Ich bin nicht Tourismus-Manager, wie manchmal behauptet wird, sondern Regional-Manager“, sagt er. Seit 25 Jahren berät der 62-Jährige Kommunen und Verwaltungen und generiert Fördergelder. Deshalb und weil er weiß, wie die Gremien ticken, fühlt sich Disser bestens gerüstet für das Bürgermeisteramt.

Das sieht auch Eva Frieser so: „Er hat ein starkes Talent, unterschiedliche Meinungen zu konstruktiven Lösungen zusammenzuführen.“ In der Tat: Wenn es um Managerqualitäten geht, beginnen Thomas Dissers Augen zu leuchten, die Stimme wird eindringlich, die Arme unterstützen bewegungsreich das Gesagte. Strippen ziehen, Dinge auf die richtige Schiene setzen, Geld beschaffen, moderieren, motivieren – das ist sein Metier.

Da wird er dann plötzlich politisch, auch wenn sich das Gespräch nur um private Dinge drehen soll. „Dieburg ist die erste nennenswerte Zivilisation nahe der Grube Messel“, schmunzelt der Regionalmanager, um nahtlos das Schimpfen anzufangen: „Aber die Stadt ignoriert dieses einzigartige Welterbe.“ Auch aus Museum, Schlossgarten, römischer und mittelalterlicher Geschichte ließe sich viel mehr Honig saugen – wenn der Rüssel denn mal ausgefahren würde.

Moderne Strukturen, das ist es, was Disser für „seine“ Stadt will. Denn obgleich er – neben Hein Fischer – „der einzige Kandidat ist, der mal aus Dieburg raus war und den Blick von außen hat“, sind die Wurzeln stark. Die Mutter war eine geborene Lang aus dem Kolonialwarenladen „Lisa“, der Onkel Robert Thomas ein legendärer Fastnachter. Und geht es nach Thomas Disser, wird die illustre Familie noch durch einen Bürgermeister bereichert.

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