Abschied von Bürgermeister Dr. Werner Thomas

„Morgens um 6 die ersten Mails“

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Lob von allen Seiten, das Ende der Amtszeit und deutlich mehr freie Zeit vor Augen – Bürgermeister Dr. Werner Thomas hat gut lachen.

Dieburg - Abschied von Bürgermeister Dr. Werner Thomas (CDU). Bei einem Empfang in der Römerhalle geht es um einen Frühaufsteher, einen künftigen Senioren – und um Baustellen. Von Ralf Enders

Der Dieburger Noch-Bürgermeister Dr. Werner Thomas (CDU) hat nach zwölf Jahren im Amt seinen letzten größeren öffentlichen Auftritt absolviert: ein Sektempfang zum Abschied in der Römerhalle. Nach einem Dankgottesdienst in der Pfarrkirche St. Peter und Paul, den Dr. Thomas sich gewünscht hatte, waren die Dieburger Bürger sowie Vertreter aus Politik, Kirchen, Wirtschaft, Verbänden und Vereinen am gestrigen Sonntag zu dem Empfang in Dieburgs guter Stube geladen, die unter seiner Regie realisiert wurde. Etwa 250 Besucher waren der Einladung des Magistrats gefolgt, um sich vom Bürgermeister zu verabschieden.

Erster Stadtrat Wolfgang Schupp (CDU) bat als Gastgeber die Gastredner ans Mikrofon. Der Generalsekretär der hessischen CDU und Mitglied des Landtags, Manfred Pentz, überbrachte Dank und gute Wünsche im Namen der Landesregierung, des Landtags und der Union im Kreis Darmstadt-Dieburg. Thomas’ Amtsführung sei zunächst „gewöhnungsbedürftig“ für die CDU gewesen, aber letztlich erfolgreich. „Dieburg steht gut da, in der Region, aber auch in Hessen“, sagte Pentz, der Groß-Zimmerner ist und in dieser Eigenschaft augenzwinkernd anmerkte: „Groß-Zimmern hat immer nach Dieburg geschaut.“

Für Landrat Klaus Peter Schellhaas (SPD), der in Urlaub ist, dankte die Kreisbeigeordnete Rosemarie Lück (SPD) und erinnerte sich an Dr. Thomas als Frühaufsteher: „Da kamen morgens um 6 Uhr die ersten E-Mails.“ Für die 22 anderen Bürgermeister im Kreis bezeichnete deren Sprecher Carsten Helfmann (Eppertshausen, CDU) den scheidenden Dieburger Bürgermeister als „zuverlässigen Partner“. Auch wenn die ein oder andere Straßensperrung „vielleicht zu viel“ gewesen sei, könne er sagen: „Werner, du bist dir treu geblieben.“

Dr. Albrecht Achilles (FDP), stellvertretender Vorsitzender Stadtverordnetenversammlung, erinnerte sich an die Kritik, die er zu Dr. Thomas’ Wiederwahl 2011 geäußert hatte. Dann aber habe man deutlich besser zusammengearbeitet. Dr. Thomas habe viel für die Bürger erreicht, sich immer vor die Verwaltung gestellt und „alle Pfeile auf sich gezogen“. SPD-Fraktionschef Ferdinand Böhm schätzte die Zahl der gemeinsamen Parlamentssitzungen auf mehr als 100, die der Ausschusssitzungen auf mehr als 300. „Liebe Familie Thomas, er wird viel Zeit für euch haben“, sagte Böhm. Er meinte, Dr. Thomas werde als „Bürgermeister der Straßensanierungen“ in die Geschichte eingehen. Zwar habe es darum viel Ärger gegeben, „aber das Ergebnis kann sich sehen lassen“.

Auch Christine Fröhlich, Vorsitzende des Personalrats der etwa 120 städtischen Mitarbeiter, sprach von den Baustellen, die Dr. Thomas’ Amtszeit mitgeprägt haben, aber auch von „abstrakten Baustellen“ im täglichen Miteinander. „Am Ende jeder Baustelle gibt es immer viele kluge Menschen, die wissen, wie man es hätte besser machen können“, sagte sie. Für den Seniorenbeirat freute sich Vorsitzender Heinrich Boller, dass der jährliche Senioren-Nachmittag nicht dem Rotstift zum Opfer gefallen ist. „Herzlich willkommen im Kreis der Senioren“, rief er dem künftigen Pensionär zu. Und: „2018 wird ein neuer Seniorenbeirat gewählt, Herr Dr. Thomas ...“

Für die muslimische Ahmadiyya-Gemeinde meinte Ahmed Musbashir, die vergangenen zwölf Jahre hätten gezeigt, dass ein Zusammenleben verschiedener Glaubensrichtungen möglich sei, und Evelin Allmann vom Gewerbeverein, dankte dafür, dass Dr. Thomas fast alle Wünsche der Gewerbetreibenden erfüllt habe.

Eine gekonnte Dankesrede hielt der neue Bürgermeister Frank Haus. Er habe Dr. Thomas zu Hause besucht, um verschiedene Dinge zu besprechen. Dann schilderte er ausführlich ein reichlich spießiges und steriles Zuhause, um nach einer Pause aufzulösen: „So sieht’s bei ihm im Haus nicht aus. Man merkt, dass dort gelebt wird.“ Ebenso lebendig und ehrlich sei Dr. Thomas’ Amtszeit gewesen. Am Ende ging der so viel Gelobte dann noch einmal selbst ans Mikro, sagte „Keine Angst, ich mach’s kurz“ – und hielt sein Versprechen. Er dankte den Bürgern für den guten Besuch des Gottesdienstes, seiner Familie und besonders seiner Ehefrau Sabine: „Ich liebe dich.“

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