SPD gegen Außentreppe

Mühlturm-Zukunft weiter im Dunkeln

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Nicht nur beim Maimarkt eine Attraktion: der Mühlturm.

Dieburg - Nach Jahren der Debatten ist die Zukunft des Mühlturms am Amtsgericht weiter ungewiss: Obwohl die Denkmalschutzbehörde nach langem Ringen der jetzigen Planung einer Außentreppe überraschenderweise zugestimmt hat, ist die öffentliche Nutzung noch lange nicht in trockenen Tüchern.

Bei der Diskussion am Donnerstagabend im Parlament wurden viele Vorbehalte laut. Auch die Probleme mit den direkten Nachbarn spielen dabei eine gewisse Rolle. Die größte Rolle spielt aber die Ungewissheit, wie viel Geld man schließlich für eine öffentliche Nutzung des letzten verbliebenen Wehrturms der historischen Stadtmauer in die Hand nehmen müsste. Rund 80.000 Euro soll der Bau samt Umgestaltung nach einem Entwurf des Dieburger Architekten Marc Hiltrop kosten. Bislang sind im städtischen Haushalt aber nur 20.000 Euro für das historische Gemäuer bewilligt. 10.000 Euro will der Heimatverein aus eigenen Mitteln aufbringen. Zudem wurde bereits bei möglichen Sponsoren nachgefragt, heißt es. Über eine Treppenanlage aus Holz – eine Variante aus Metall hatte Kreisdenkmalspflegerin Liane Mannhardt in der Vergangenheit abgelehnt – soll jetzt nach den Vorstellungen des Heimatvereins der öffentliche Zugang an bestimmten Tagen im Jahr möglich sein. Allerdings erzürnen die Pläne die direkten Nachbarn des Mühlturmgartens. Sie befürchten, dass sie später in ihrem eigenen Garten quasi wie auf dem Präsentierteller liegen, wenn Besucher die Turmtreppe erklommen haben.

Eine Befürchtung, die in der Stadtverordnetenversammlung auf offene Ohren stieß. „Das ist doch eine Horrorvorstellung“, malte SPD-Sprecherin Gertrud Meyer-Sauerwein ein düsteres Bild und kündigte an, dass ihre Fraktion gegen die Ausbaupläne mit „dieser monströsen Treppe“ stimmen werde. Ihrer Meinung nach besteht „kein öffentliches Interesse an einer Begehbarkeit des Turms“. Man habe schließlich eine ebenerdige Tür, das reiche für die Führungen. Sie bemängelte zudem, dass der Heimatverein keinen Finanzierungsplan vorgelegt habe, die Kosten seien demnach nicht abzuschätzen. Ihren Redebeitrag endete mit der klaren Ansage: „Wir beantragen, das Projekt zu stoppen!“ CDU-Fraktionsvorsitzender Renee Exner zeigte ebenfalls Verständnis für die Bedenken der Nachbarn. Er betonte aber, dass der Pachtvertrag mit dem Heimatverein ja genau festlege, wie viele öffentliche Veranstaltung es im Jahr dort geben dürfe. Und da seien neben der Öffnung am Mai- und Martinsmarkt insgesamt nur sieben Führungen und zwei Lesungen im Garten erlaubt. Lautsprecheranlagen und die Nutzung der Treppe seien dabei untersagt. Exner wies zudem auf die Steigerung der Attraktivität Dieburgs durch eine Aufwertung des Turms hin und lobte das Engagement des Heimatvereins, der sich hier seit vielen Jahren einsetze.

Oktoberfest vom Karnevalverein Dieburg

Oktoberfest vom Karnevalverein Dieburg

Er habe allerdings auch beim Heimatverein selbst bereits gewisse Bedenken gegen das Vorhaben bemerkt. „Am besten, wir verlagern das Ganze in den Ausschuss, wo auch die Heimatvereinsvorsitzende gehört wird“, schloss Exner. Er könne sich vorstellen, dass der Verein bis dahin selbst von seinen Plänen abrücke. Am wichtigsten schien am Ende der Debatte wirklich die Frage, „ob der Heimatverein unter den jetzigen Bedingungen selbst noch Spaß an dem Thema“ habe, wie es FDP-Fraktionsvorsitzender Wilhelm Reuscher formulierte. So wurde der Antrag der Verlagerung in den Ausschuss für Bauen und Stadtentwicklung, wozu auch der Verein eingeladen wird, mehrheitlich befürwortet. Lediglich die SPD stimmte dagegen, da sie ja den sofortigen Stopp der Planung gefordert hatte.

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