Musik: Sprache des Herzens, die alle verbindet

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Die „Queen of Klezmer“ Irith Gabriely und Hans-Joachim Dumeier anlässlich des Begegnungskonzerts in der evangelischen Kirche.

Dieburg ‐  „Wir mischen unsere Religion mit Musik und bringen sie damit zu neuem Ausdruck“, erklärte Irith Gabriely anlässlich des Sonderkonzerts zu Gunsten des Projekts „Gedankenstein“ in Dieburg, zu dem der gleichnamige Verein geladen hatte. Von Verena Scholze

„Musik ist die Sprache des Herzens, die alle Menschen verbindet. Hier ist es egal, ob es sich um Juden, Christen oder Moslems handelt.“ Die „Queen of Klezmer“ trat gemeinsam mit ihrem langjährigen Kollegen, Hans-Joachim Dumeier auf, der sie an der Orgel begleitete. „Wir arbeiten bereits seit 15 Jahren zusammen“, berichtet Dumeier und beschreibt das Musikprojekt, das die beiden präsentierten, als „work in process“.

Weitere Informationen zum Verein und zum Projekt „Gedankenstein“ findet man auf der Homepage des Vereins.

In dem Konzert präsentierten die Künstler klassische Musik, Werke jüdischer Komponisten und Klezmermusik. „Mit diesem Programm kommt auf einer musikalischen Ebene ein christlich-jüdischer Dialog zustande“, meint Dumeier. Klezmer kommt aus der jüdischen Tradition. Es handelt sich um die traditionelle Musik, die in den „Schtetln“ (Siedlungen) und Dörfern des Ostjudentums über Jahrhunderte gepflegt wurde. Sie gilt als Stimmungsmusik und drückt alles aus, was das Leben gefühlsmäßig zu bieten hat. Klezmer spiegelt, ähnlich wie Gospel oder Blues, die Freude und das Leid eines Volkes wider. Neben typisch jüdischen Stücken boten die Künstler auch Werke von Johann Sebastian Bach, Albert Schönberger und Siegfried Würzburger.

„Wir mussten sogar noch nachbestuhlen“, freut sich Carola Dröse, Mitorganisatorin und Ansprechpartnerin des Vereins Gedankenstein über den großen Andrang, der in der evangelischen Kirche herrschte. „Heute abend haben wir bereits Verbindungen geschaffen“, so Ulrich Schanze von Verein Gedankenstein in seiner Begrüßungsrede.

Durch das „Projekt Gedankenstein“ möchte der Verein den vertriebenen jüdischen Bewohnern Dieburgs ihre namentliche und persönliche Identität zurückgeben und sie somit in den Mittelpunkt der Gesellschaft zurückkehren lassen. Der Gedanke entstand anlässlich der Ausstellung „Jüdisches Leben in Dieburg“, die im Herbst 2009 in Schloss Fechenbach dargeboten wurden.

„Es ist ein Gemeinschaftsprojekt und wir möchten viele Menschen mit ins Boot holen“, erklärt Dröse. So kann unter anderem eine Patenschaft für die Namensplatten der ehemaligen jüdischen Bürger erworben werden. Denn besonders durch die namentliche Erwähnung wird die ganze Tragödie bewusst vor Augen geführt.

Bisher unterstützen bereits viele Privatpersonen sowie der Künstler Martin Konietschke, der das Relief des Gedankensteins gestaltet, das Projekt. „Wir würden uns freuen, wenn der Verein auch seitens der Politik und der Geschäftsleute in Dieburg noch Unterstützung erfahren würde“, sagt Dröse.

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