Musikanten ohne Musik

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Der Vorstand der Dieburger Musikanten mit seinem Vorsitzenden Wolfgang Gondolf (2. v. l.).

Dieburg ‐ Als Harald Rettig die Dieburger Musikanten auf seiner Hochzeit einst als „Musikverein Dieburg“ begrüßte, hätte er an seinem großen Tag beinahe seine körperliche Unversehrtheit aufs Spiel gesetzt.  Von Jens Dörr

Denn das sind in der Tat zwei musikalische Vertreter der Dieburger Vereinswelt, die so gar nichts miteinander zu tun haben. Sicher entschädigt durch das eine oder andere Mixgetränk zeigten sich die Dieburger Musikanten dann aber langmütig und vergaben, auch wenn die Geschichte auch heute noch gern erzählt wird.

Inzwischen ist Rettig sogar Mitglied im Vorstand des Vereins, der von Wolfgang Gondolf – nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen DJK-Präsident – geführt wird. Neben Günter Piechot (Zweiter Vorsitzender), Wolfgang Brandt (Schatzmeister), Hennes Gondolf (Zeugwart), Gerd Hinz (Schriftführer) sowie vier Beisitzern und zwei Kassenprüfern regeln sie das Organisatorische rund um den Verein.

Noch einmal zum Mitschreiben: „Dieburger Musikanten 1960“ heißt er ganz genau. Was zugleich verrät: In diesem Jahr werden die Musikanten 50 Jahre alt.

Musikanten übrigens, die schon seit zehn Jahren kaum noch durch musikalische Aktivitäten auffallen: „Das war immer schlicht ein riesiger Aufwand mit dem Abbau mitten in der Nacht – und die Musiker, die von außen dazu kamen, wollten außerdem immer Geld sehen“, blickt Jürgen Schaarvogel, einer der Beisitzer, zurück.

Mitgliederzahl hat sich verdoppelt

Irgendwann, etwa vor einem Jahrzehnt, entschlossen sich die Musikanten, „nur“ noch die Geselligkeit zu pflegen. Dass sie davon etwas verstehen und Angebote machen, die ankommen, beweist ihre Mitgliederentwicklung: Die Zahl verdoppelte sich in der vergangenen Dekade von 200 auf 400. Was sicher nicht nur mit dem geringen Jahresbeitrag von sieben Euro zu tun hat – jährliche Ausflüge und Veranstaltungen in „freundschaftlich verbundene Lokalitäten“ (Schaarvogel) wie „Zur Alten Backstubb“, „Stoawäjer Stubb“ und „Ludwigshall“ ziehen Mitglieder und solche, die es noch werden könnten.

Im Hof der „Alten Backstubb“ verfolgten die Musikanten etwa die Vorrundenspiele der deutschen Nationalelf. In der „Ludwigshall“ wird am 16. Oktober der Jubiläumsabend zum halben Jahrhundert Dieburger Musikanten stattfinden – mit Ehrungen, vielen Überraschungen und mehreren hundert erwarteten Gästen.

„Mehr als 300“, schätzt Schaarvogel, und weist darauf hin, dass die beliebten Kleestädter Feuerwehrmusikanten spielen und es eine Playback-Show geben wird.

Dann vergegenwärtigen sich die Mitglieder sicher auch noch einmal die Historie ihres Vereins. Am 13. November 1960 fanden sich zahlreiche Mitglieder der Interessengemeinschaft „1. Fanfaren-Corps Kreisstadt Dieburg“ ein, um den Verein unter Versammlungsleiter Friedel Amrhein zu gründen.

Schon seit 50 Jahren sind einige dabei

Akustische und optische Verschönerung von Veranstaltungen sowie die Pflege kulturellen Brauchtums schrieb man sich „sellemols“ auf die Fahnen. 1961 stellte man bereits einen Jugendmusikzug auf, 1963 eine Mädchenschaugruppe, auch „Majoretten“ genannt. Diese gliederte man in den aktiven Fanfarenzug ein. Ab dieser Zeit präsentierte sich der Verein nicht nur an der Fastnacht, sondern auch auf den „Hessentagen“. Lohn der musikalischen Bemühungen war außerdem die Qualifikation zur Weltmusikolympiade 1966, wo man in der ersten Division – der anspruchsvollsten Klasse – den zweiten Platz erreichte.

1969 kam es dann zur Aufteilung des „1. Fanfaren-Corps Dieburg“ in „1. Fanfarenzug Dieburg“ und in „Dieburger Musikanten“. Grund war eine Erweiterung des musikalischen Repertoires und die damit einhergehende Anschaffung und Erlernung neuer Instrumente und Noten.

Nicht jeder zog dabei mit, 30 Personen allerdings legten als Dieburger Musikanten los, die diesen Namen also noch keine 50 Jahre tragen, aber schon seit 50 Jahren zusammen wirken. Die entstandene Big-Band spielte unter anderem auf dem Schlossgartenfest, der Zimmerner Kerb, an Fastnacht und auf etlichen Vereinsfeiern.

Bei größeren Anlässen findet man die Dieburger Musikanten heute derweil nicht nur vor der Theke, sondern auch dahinter: Der „Partyservice“ mit weißem Hemd, schwarzer Fliege und schwarzer Weste hilft nun schon seit 20 Jahren auf Jubiläen, Feiern und Festen.

„14.000 Hütchen hat der Party-Service mit 21 Personen bestimmt schon getrunken“, zwinkernd Jürgen Schaarvogel. Noch stolzer als auf diese Leistung dürften die Dieburger Musikanten auf die Anzahl an Tollitäten in ihren Reihen sein: 17 oder 18 Prinzen sind Mitglied und 13 oder 14 Prinzessinnen. „Und keine Jungfrau“, meint Schaarvogel.

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