Musikerlebnis mit Herz, Hand und Fuß

Schauspieler Walter Renneisen machte den Auftakt der Orgelmeile in der Kirche St. Wolfgang und las die Texte zum Karneval der Tiere.

Dieburg ‐ Eine lange Warteschlange hatte sich schon eine Viertelstunde vor Beginn an der Eingangstür von St. Wolfgang gebildet. Viele Besucher der Dieburger Orgelmeile scharten sich vor der Kirche, um das Auftaktkonzert miterleben zu können. Von Verena Scholze

Glücklich, wer da bereits vorgesorgt und die Eintrittskarten im Vorverkauf erstanden hatte. „Bereits im Vorfeld herrschte große Nachfrage nach den Karten zur diesjährigen Orgelmeile“, bestätigte Konzertveranstalter Richard Berg. „Viele der Besucher haben nicht nur Karten für ein Konzert erstanden, sondern besuchen die komplette Veranstaltung“, sagte er.

Dass die Dieburger Orgelmeile letztes Jahr ein voller Erfolg war, hatte sich anscheinend schnell über die regionalen Grenzen hinaus herumgesprochen. So fanden sich dieses Jahr auch Besucher beispielsweise von der Bergstraße ein. „Bekannte von uns schwärmten von der Orgelmeile und so haben wir uns dieses Mal auch auf den Weg gemacht“, erzählte Silvia Frühwein aus Bensheim. „Selbstverständlich werden wir alle vier Konzerte besuchen“, bestätigte ihr Mann Reinhold.

Walter Renneisen übernimmt Part des Sprechers

Bürgermeister Dr. Werner Thomas hieß die knapp 300 Besucher in der Kirche willkommen und erinnerte daran, wie die Orgelmeile zu ihrem Namen gelangte. „Der Weg von St. Wolfgang bis zur evangelischen Kirche beträgt rund 1,5 Kilometer und entspricht mit diesem Maß fast dem der englischen Meile mit 1,609433 Metern.“

„Mit Händen und Füßen“: Orgelmusik für zwei Spieler an einer Orgel präsentierten Markus Eichenlaub (rechts) und Andreas Großmann.

Im Auftaktkonzert übernahm der bekannte Schauspieler und Autor Walter Renneisen den Part des Sprechers zum „Karneval der Tiere“. Gebannt lauschten die kleinen und großen Zuhörer seiner Stimme, mit der er alle in den Bann zog. Die Musik zum Stück stammt von Camille Saint-Saëns. Diesen Part übernahm Joachim Dumeier an der Orgel. Nach 45 Minuten Konzertdauer hatten die Besucher eine halbe Stunde Pause, um eine Stärkung zu sich zu nehmen und den nächsten Spielort aufzusuchen.

In der Stadtkirche St. Peter und Paul kamen die Zuhörer in den Genuss, zwei Musiker an einer Orgel zu hören. Unter dem Motto „Mit Händen und Füßen“ spielten Markus Eichenlaub und Andreas Großmann ausgewählte Stücke von Samuel Wesley, Peter Tschaikowski oder Wolfgang Amadeus Mozart.

Eichenlaub ist seit 1998 Domorganisten in Limburg. Großmann ist Diözesankirchenmusikdirektor und mit der Leitung des Referats Kirchenmusik im Bistum Limburg beauftragt. „Markus Eichenlaub kam auf die Idee des gemeinsamen Spiels und seit Montag haben wir zusammen an der Orgel geübt“, erzählte Großmann lächelnd. „Ein gelungenes Konzert“ - da waren sich die Besucher der Stadtkirche einig.

Nächstes Programm bereits im Kopf

In der Gnadenkapelle wartete ein weiterer musikalischer Leckerbissen auf die Konzertbesucher. In warmes Kerzenlicht getaucht präsentierte sich die Kirche als idealer Veranstaltungsort für die Sopranistin Katrin Gerstenberger, die von Andreas Boltz an der Orgel begleitet wurde. In dieser stimmungsvollen Atmosphäre gab die Sängerin „Meisterwerke aus drei Jahrhunderten“ zum Besten, darunter Stücke von Camille Saint-Saëns, Marcel Dupré oder César Franck. „Wir haben für dieses Konzert extra eine Tonorgel aus Darmstadt kommen lassen und vor dem Altarraum aufgebaut, damit die Veranstaltung überhaupt in der Gnadenkapelle stattfinden kann“, verriet Konzertveranstalter Berg. Die Orgel der Kapelle ist nämlich bereits seit längerer Zeit defekt und wäre mit ihren falschen Tönen für ein Konzertereignis dieses Niveaus nicht geeignet gewesen.

Den Abschluss der Orgelmeile bildete dieses Jahr die evangelische Kirche. Mit einem „Finale - heiter und galant“ spielten Joachim Braun (Trompete) und Thorsten Mäder (Orgel) Werke von Henry Purcell, Zsolt Gardonyi und Leonard Bernstein.

„Wir gehen davon aus, dass die Orgelmeile bei dieser tollen Resonanz auch nächstes Jahr stattfinden wird“, sagte Berg und verriet schon mal: „Ich habe das neue Programm bereits im Kopf.“

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