Musikszene: Dieburg nach Noten

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Gerade im Winter regelmäßig Schauplatz kleinerer Konzerte: Der „Kronekeller“ (unser Bild) und das „PM“ mitten in der Altstadt bieten Dieburgs Musikszene eine Heimat.

Dieburg - Die Musikszene der Stadt hat viel zu bieten: Chöre, Narren, Schlagerbarden und handfeste Rocker. Von Jens Dörr 

Sie ist immer für einen Überraschung gut: die bunte, vielfältige und kreative Dieburger Musikszene. Am Maimarkt spielte das „Trio Romantica“ im Schaufenster eines Modegeschäfts in der Zuckerstraße, „Bee Flat“ wagten sich zur „Safter Soul Night“ jüngst auf ein Kelterei-Gelände im Industriegebiet-Nord. Mit dem „Traffic Jam“ findet das Festival des Vereins „Schallkultur“ seit anderthalb Jahrzehnten auf einem Verkehrsübungsplatz und damit an ebenfalls eher außergewöhnlicher Stelle statt.

So unterschiedlich allein diese drei Locations sind, so unterschiedlich sind es die hiesigen Musiker selbst. Dieburg ist ziemlich klangvoll - ob dank Solokünstlern, Bands oder Vereinen. Es ist kaum möglich, die gesamte Breite der musikalischen Aktivitäten in Dieburg in nur einem Zeitungsartikel zusammenzufassen. Klein-stadt hin oder her: Es handelt sich um ein ziemliches Dickicht an Künstlern, das an der Gersprenz zu finden ist – in ganz divers organisierter Form, für ganz verschiedene Geschmäcker. Mit Gospelchor nebst Narren und Schlagerbarden nebst Rockern lassen sich schon allein die verbreiteten Genres kaum eingrenzen.

Wo also beginnen, was ausschließen? Nur „reine“ Dieburger Bands und Formationen benennen? Bereits das wäre schade: So kamen etwa die „Blue Blistering Barnacles“ mit dem Dieburger Zahnarzt Ingo Gerlach schon die altehrwürdige Ludwigshall oder aufs Hassia-Open-Air, um ihren Irish Folk unter die Musikfans zu bringen.

Klassische Chöre haben noch Konjunktur

Um den Dieburger Markus Hertwig herum kriegt auf heimischem Terrain zunehmend die Soul- und Funk-Band  „funkOforte“ einen Fuß in die Tür. Und weder bei den eingesessenen, bereits von HR und „Frankfurter Rundschau“ mit Preisen ausgezeichneten Gruppen „Bee Flat“ und „Sushiduke“ handelt es sich ausschließlich um musizierende Dieburger. Das ist auch bei manch „Dieburger“ Chor der Fall - Nachbarn erlaubt! Ein Beispiel ist die noch recht neue Zusammensetzung von „ConFuego“, die im wahrsten Wortsinn „mit Feuer“ mehr und mehr Musikfreunde für sich gewinnt. Überhaupt: In Zeiten individualisierter Freizeitgestaltung haben klassische Chöre zumindest in Dieburg noch immer Konjunktur.

Die Freien Sänger und die Sängerlust stehen dafür ebenso wie der Keller’sche Männergesangverein - oder aber „Poco Loco“ und der Gospelchor „Resta con Noi“. Während dieser beispielsweise vor zwei Wochen auf der „6. Dieburger Orgelmeile“ zu hören war, waren es die – stilistisch wieder in eine ganz andere Richtung gehenden – Speeslochfinken mit dem Konzert „StimmBand“ drei Wochen vorher in der Römerhalle.

Traffic Jam in Dieburg

Traffic Jam in Dieburg

Mit weltlichen Inhalten – um bei jenen zu bleiben, die in Dieburger musikalisch besonders an Fastnacht auf sich aufmerksam machen – beschäftigen sich die Äla-Kepp und die Äla-Fetzer. Von letztgenannten Stimmungsmusikern mit Pauke und „Deiwelsgeije“ die Überleitung zu handfesten Rockern wie „Weastpak“, der Juca-Band „Fanatic“, zu „C. I. O.“ oder Jazzern wie dem 2013 gegründeten „LetSwing“-Septett zu machen, scheint gewagt – bildet die große Spanne des musikalischen Treibens zwischen zwischen Skatepark und Chaosampel wiederum eindrucksvoll ab.

Dieburger Wurzeln hat der Starcellist Isang David Enders ebenso wie der Schlagersänger Georg Becker. Francisco Pereira lebt in Dieburg, hat Wurzeln wiederum in Portugal und Schwaben und legt viel „Amore“ in die Stimme, wenn er mit seinen Liedern Menschen Freude macht. Zur Szene gehören die Jungen Gersprenztaler – etwa mit Vater und Sohn Oberhuber – genauso wie Jazzgitarrist Daniel Krämer und Keyboarder Erik Dörr (Party Cräääckers).

Wie Musik auf unsere Körper wirkt

So wirkt Musik auf unseren Körper

Auf dem Maimarkt in Erscheinung traten außerdem auch die „Skiffle Ramblers“. Die „Funkfragen“ präsentierten ihren Sound in der Vergangenheit unter anderem auf dem „Traffic Jam“. Die DJs Robby, Wolf oder Bembi beschallen kleine und große Gruppen. „Lautstark“ um Hannah und Marc Wagner machen ihrem Namen nicht zwingend alle Ehre, verstehen ihre Kunst auch ohne Verstärker.

Sicher ist in Dieburgs Musikszene nur, dass nichts sicher ist. Wer Klänge schlemmen will, findet besonders in den Wintermonaten – etwa im „Kronekeller“, der „Römerhalle“ und im „PM“ – Nahrung und vertraute Anlaufstellen. Auch hier wäre Dieburg indes nicht Dieburg, gäbe es nicht immer wieder Überraschungen. Und die können eben selbst auf wenigen Quadratmetern Schaufensterfläche stattfinden.

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