„Muss keinen Sekt mehr kaufen“

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Blicken – hier in „Zivil“ –äußerst positiv auf ihre Zeit als Tollitäten zurück: das noch bis Sonntag regierende Dieburger Prinzenpaar Annika Fink und Thomas Jung.

Dieburg -Noch bis Sonntag regiert das Prinzenpaar Annika Fink und Thomas Jung die Dieburger Narren. Im Interview mit DA-Mitarbeiter Jens Dörr sprechen sie über Tage im Rausch - doch ohne zu viel Alkohol.

Am morgigen Sonntag um 14.11 Uhr lüftet das Prinzenkomitee des Karnevalvereins Dieburg (KVD) am Bahnhof das Geheimnis, wer die neuen Tollitäten sind. Für Annika Fink (29, unter anderem Hofballett) und Thomas Jung (47, Prinzengarde), das noch amtierende Dieburger Prinzenpaar, endet zugleich die Amtszeit. Vorher besuchen die Regenten heute Vormittag noch den Landrat und am Abend die Narrenmesse in der Stadtpfarrkirche. Im Interview sprechen sie über das Erlebte, über Tage im Rausch – doch ohne zu viel Alkohol.

Annika Fink, Thomas Jung, fangen wir vorne an: Wann und wie habt Ihr in der vergangenen Kampagne erfahren, dass Ihr Dieburgs Narrenschar als Prinzenpaar regieren sollt?

Annika Fink: Ich bin bei der Arbeit von KVD-Präsident Friedel Enders angerufen worden. Er hat mich zunächst in einen Smalltalk über das Hofballett verwickelt. Ich wollte schon auflegen, als er mir die Frage gestellt hat. Ich war erstmal perplex. Nachdem mein Freund das Okay gegeben hatte, sagte ich relativ schnell zu. Wenn Kandidaten absagen, muss der KVD sich ja um Alternativen kümmern.

Thomas Jung: Auch ich wurde angerufen. Der KVD informiert das potenzielle Prinzenpaar meist drei, vier Wochen vor Fastnacht. Ich habe um eine kurze Bedenkzeit gebeten und es meiner Frau anvertraut. Sie gab mir das Okay.

Wann folgte nach Euren Zusagen die Zusammenführung von Prinzessin und Prinz?

Fink: Das war drei Tage vor Fastnacht-Sonntag. Man fährt dazu an einen geheimen Ort in oder bei Dieburg, wird dort von einem Komitee-Mitglied abgeholt und dann zu dem ebenfalls geheimen Ort gefahren, wo sich das Paar kennenlernt.

Jung: Mit Maske ging es dann zur Zusammenführung. Ich kannte Annika noch von ihrer Zeit als Marketenderin. Wegen eines Kostüms für den Samstag hatte ich mir zu diesem Zeitpunkt einen Bart wachsen lassen, deshalb hat sie mich auf den ersten Blick gar nicht erkannt, glaube ich. Es wurde dann ein lustiger, langer Abend mit den Komiteemitgliedern. Annika und ich waren die Einzigen, die am nächsten Tag arbeiten mussten.

Was muss das Prinzenpaar zur Vorbereitung auf die Kampagne machen?

Fink: Da gibt es relativ wenig zu tun. Ich habe Kleid und Schmuck gekauft, am Samstagnachmittag haben wir die Ansprache für die Proklamation geübt. Fastnachtslieder und ein paar Tanzschritte musste man uns ja nicht mehr beibringen (lacht).

Jung: Am Samstagabend bin ich ganz normal weggegangen, Annika auch. Ich war bis halb fünf unterwegs, bin am Sonntag um halb elf aufgestanden und erstmal eine Runde Rad gefahren. Mittags bin ich dann ganz normal mit der Garde zum Bahnhof gelaufen. Dann habe ich mich gegen Viertel vor zwei in den Bahnhof geschlichen und mich dort schnell umgezogen. In dem ganzen Tumult hat keiner bemerkt, dass ich rein bin.

Fink: Ich habe gewartet und gewartet und wusste nichts davon. Dann bin ich beim Rausgehen um 14.11 Uhr auch noch kurz mit dem Schuh in einem Rost hängengeblieben. Der Empfang draußen war toll, obwohl das Wetter sonntags nicht mitgespielt hatte.

Wie darf man sich die folgenden zweieinhalb Tage ab Proklamation aus Sicht des Dieburger Prinzenpaars vorstellen?

Jung: Die zweieinhalb Tage vergingen wie im Flug, ja, fast wie im Rausch. Äla-Nacht, Närrischer Empfang, Kneipentour – das alles macht riesige Freude. Man glaubt zudem gar nicht, wie viele Leute einem was schenken oder einen beglückwünschen. Beim Alkohol darfst du dich aber nicht gehen lassen und der Hofmarschall passt gerade am Rosenmontag sehr auf einen auf. Das war für uns beide aber kein Problem.

Fink: Du stehst in dieser Zeit natürlich sehr unter Beobachtung und darfst dich nicht gehenlassen. Es ist aber auch spitze, wenn du durch den Saal marschierst und jeder macht dir Platz. Müde wirst du sowieso nicht. Zu den Geschenken kann ich sagen: Ich habe wohl an die 50 Blumensträuße bekommen. Und seitdem muss ich keinen Sekt mehr kaufen.

 

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