Eine Chronik des alten Dieburger Hallenbads

Nach 52 Jahren kommt die Abrissbirne

Der Abriss des alten Bads im Baugebiet „Am Campus“ deutet sich auch von außen immer mehr an. An seine Stelle rücken künftig sechs Einfamilienhäuser.
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Der Abriss des alten Bads im Baugebiet „Am Campus“ deutet sich auch von außen immer mehr an. An seine Stelle rücken künftig sechs Einfamilienhäuser.

Dieburg – Die Schlüssel sind übergeben, der Abriss beginnt: In den nächsten Wochen endet nach mehr als einem halben Jahrhundert die Ära des Dieburger Hallenbads am Campus. Auch von außen wird das nun für jedermann sichtbar. Wie unsere Zeitung im Januar berichtet hat, verzichtet der Wassersportverein (WSV) Dieburg, der das „Trainingsbad“ seit 2003 betreibt und im September dieses Jahres das neue „Sportbad“ neben dem Freibad eröffnen will, auf die ursprünglich bis Ende Mai 2021 geplante Restsaison.

Die ARGE Campus als Eigentümer von Grundstück und Bad im Dieburger Osten hat vor wenigen Tagen mit dem Abbau im Inneren begonnen, der zwei bis drei Wochen dauern soll. Anschließend fällt auch die Fassade. Da das alte Dieburger Hallenbad nun definitiv passé ist, blicken wir mit einer kleinen Chronik auf seine 52-jährige Geschichte zurück. Denn optisch wird am Standort im Wohngebiet „Am Campus“ schon bald nichts mehr an das ehemalige Stück Sportinfrastruktur erinnern: An der Stelle des Bads entstehen sechs Einfamilienhäuser.

1969: Eröffnung
Vor 52 Jahren wurde das Hallenbad als Teil der damaligen Ingenieurakademie („IngAk“) der Deutschen Bundespost gebaut und von der Stadt Dieburg betrieben. Damit einher gingen mehr als 30 Jahre lang ein öffentlicher Badebetrieb für alle Dieburger und kostenloses Schwimmen für Studenten und Fachhochschul-Angehörige.

Mai 2003: Ende des öffentlichen Badebetriebes
Im Mai 2003 gab die Stadt Dieburg das Bad an die Telekom als Post-Nachfolgerin zurück. Es sollte endgültig geschlossen werden. Mit weiteren 17 Jahren des Betriebs rechneten damals nur die kühnsten Optimisten.

Juni 2003: Gründung des Wassersportvereins
Am 27. Juni 2003 wurde der Wassersportverein Dieburg von Mitgliedern anderer Schwimmvereine gegründet. Vorrangiges Bestreben war es, das seit dem 15. Mai 2003 geschlossene Dieburger Hallenbad wieder einer Nutzung zuzuführen. Die Idee, es als Trainingsbad zu betreiben, wurde geboren.

Sommer und Herbst 2003: erste Aktivitäten
Der Sommer 2003 war durch Gespräche und Verhandlungen mit Eigentümer Telekom und der Stadt Dieburg geprägt. Ein Nutzungsvertrag mit der Telekom im Oktober 2003 und die Zuschusszusage der Dieburger Stadtverordneten für die ersten drei Jahre (insgesamt 100 000 Euro) waren das Ergebnis. Im Oktober wurde viel repariert und das Bad für den Betrieb vorbereitet.

November 2003: Eröffnung als Trainingsbad
Am 2. November 2003 wurde das Bad mit einem Tag der offenen Tür im Beisein von Dieburger Politkern eröffnet.

2003 bis 2006
Für die Dieburger Vereine konnte der Sportbetrieb mit Aufnahme des Trainingsbad-Betriebs am 3. November 2003 endlich weitergehen. Im Laufe des ersten Jahres kamen Schulen, weitere Vereine und viele andere Gruppen hinzu. Schon im zweiten Jahr war das Bad mit 80 Stunden pro Woche ausgelastet. Seit dem dritten Jahr bis zur letzten Nutzung 2020 betrug die Auslastung im Durchschnitt schließlich 85 Stunden pro Woche. Die Besucherzahl blieb in dieser Zeit ebenfalls konstant bei etwa 2 000 Personen pro Woche. Laut Wassersportverein kam der Großteil davon aus Dieburg, zu zwei Dritteln handelte es sich um Kinder und Jugendliche.

2006: neue Perspektive
Anfang 2006 schloss der Verein mit dem Eigentümer einen langfristigen Pachtvertrag bis Ende 2014 ab. Dies brachte dem Wassersportverein Planungssicherheit und ermöglichte Investitionen in die Zukunft des Bades. Die Telekom beteiligte sich an diesen Investitionen mit einer Dachsanierung und dem Einbau einer neuen Heizungsanlage. Zentrale (ehrenamtliche) Rollen spielten der langjährige Technische Leiter Dieter Sähring und Klaus Schulte, der bis heute WSV-Vorsitzender ist.

2010: Eigentümerwechsel
Im Sommer 2010 kam die Nachricht, dass das Gelände der Ex-Fachhochschule Dieburg, auf dem das Trainingsbad stand, verkauft wird. Ab Februar 2012 hatte das Bad dann einen neuen Eigentümer – die ARGE Campus Dieburg GbR. In einem Städtebaulichen Vertrag zwischen Stadt Dieburg, Telekom und ARGE war festgelegt, dass der WSV das Bad noch bis Ende 2019 nutzen kann.

Ab 2014: Sportbetrieb im WSV
Im Juli 2014 schloss sich die Abteilung Schwimmen des SV Blau-Gelb dem Wassersportverein an. Damit betrieb der Verein nicht mehr nur das Trainingsbad, sondern machte auch eigene Sportangebote.

2019: Neubau-Beschluss Sportbad
Im Oktober 2019 beschlossen 42 Mitglieder des WSV auf einer Versammlung im Pater-Delp-Haus Historisches: den Neubau eines Hallenbads für mehr als sieben Millionen Euro unter Vereinsregie. Das so betitelte WSV-„Sportbad“ ist seit Januar 2020 neben dem Ludwig-Steinmetz-Freibad am Entstehen und soll am 28. August 2021 eingeweiht werden. Mit der Entscheidung, das neue Sportbad zu bauen, gab die ARGE Campus dem WSV zudem die Möglichkeit, das Trainingsbad bis zum 31. Mai 2021 weiter zu betreiben – auch wenn der Verein das nicht mehr bis zum Schluss ausschöpfen sollte, weil zum Jahreswechsel neue Schäden an der Technik festgestellt wurden und sich Investitionen für ein paar Wochen Restlaufzeit (noch dazu während Corona) nicht mehr rentiert hätten.

2020: letzte „normale“ Wochen und Ausblick
Ehe die Behörden das Trainingsbad am Campus im März 2020 im Rahmen des ersten Corona-Lockdowns schlossen (später wurde das Bad nur noch eingeschränkt genutzt, ehe der zweite Lockdown kam), waren neben 250 Schwimmern des WSV Dieburg im Bad 18 Vereine, 20 Schulen und fünf Schwimmschulen aktiv. In seinem neuen Sportbad erwartet der Wassersportverein, der dort nicht nur ein 25-Meter-Becken wie im alten Trainingsbad, sondern auch noch ein zusätzliches Lehrbecken mit Hubboden betreiben wird, sogar noch eine Steigerung der Nutzung.

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