Auf nach Italien

Partnerstadt: Dieburg flirtet mit der Toskana

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Geschichtsträchtiges unter blauem Himmel: Die Stadtmauer von San Casciano in Val die Pesa ist Teil der Befestigungsanlagen aus dem 14. Jahrhundert.

Dieburg - „Kennst du das Land, wo die Zitronen blühen?“ Ja, Goethe kannte es gut von seinen Bildungsreisen und für die Deutschen ist Italien wohl nach wie vor das Urlaubstraumland Nummer 1 – trotz des stärker werdenden Trends zu Fernreisen. Von Lisa Hager 

Aber nicht nur Privatleute seufzen beim Gedanken an die im Sonnenlicht flimmernden Weinberge der Toskana, immer mehr Kommunalpolitiker machen sich auf gen Süden: Möglichweise gibt auch die Dieburger Stadtverordnetenversammlung bald die Devise aus: „Über die Alpen und dann immer weiter.“ Das Signal dafür ist jedenfalls in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung gestellt worden – zumindest was eine Kontaktaufnahme mit der Gemeinde San Casciano in Val di Pesa angeht. Dieses Städtchen, das mit seinen rund 17.300 Einwohnern 15 Kilometer südlich von Florenz und 75 Kilometer nördlich von Siena auf einem Hügel liegt, hat laut Bürgermeister Dr. Werner Thomas eine Kontaktanfrage gestellt.

Die Kosten für eine Städtepartnerschaft setzt der Magistrat in seiner Beschlussvorlage mit 15.000 Euro pro Jahr an. Das Geld wird für Reisekosten, Geschenke, Bewirtung und Unterbringung von offiziellen Gästen verwendet. In den vergangenen Jahren, so wird eingeräumt, würde es auch bei den bestehenden festen Städtepartnern Aubergenville (Frankreich) und Mladá Boleslav (Tschechien) immer schwieriger, Privatunterkünfte zu finden. Und engagierte Bürger für die Arbeit in den Verschwisterungskomitees zu begeistern, sei auch nicht einfach. „Im Vorfeld einer Verschwisterung muss man sich über die Aspekte im Klaren sein und die Inhalte des Kontakts entsprechend gestalten, um keine Erwartungen zu schaffen, die nicht zu erfüllen sind“, heißt es in der Vorlage schon entsprechend vorsichtig.

Weg der Kontaktaufnahme

Dennoch wollen die Stadtverordneten – der Beschluss viel einstimmig, die CDU allerdings enthielt sich – den Weg der Kontaktaufnahme gehen. Eine Delegation soll – beispielsweise zum Martinsmarkt – nach Dieburg eingeladen werden. Dann wird der Gegenbesuch in die andere Richtung gestartet. Die geschätzte Fahrzeit mit dem Bus beträgt elf Stunden. „Die SPD hat ja schon öfters angeregt, sich in der Toskana eine Partnergemeinde zu suchen“, erinnerte Sozialdemokrat Ferdinand Böhm an bisherige erfolglose Anläufe seiner Fraktion. Man solle „auf keinen Fall gleich Nein sagen, sondern den Antrag wohlwollend aufnehmen und prüfen“, meinte er und begann von Chianti und Oliven zu schwärmen.

Positiv sehen auch die Grünen den Vorstoß. „Das ist doch wirklich ein Schnäppchen“, so deren Sprecher Herbert Nebel. San Casciano sei eine interessante Stadt mit reizvollem Profil. Und er machte auch Parallelen aus: „Wir haben Fastnacht, dort feiern sie Carnevale.“ „Die Bürger müssen mitmachen“, forderte Wilhelm Reuscher (FDP), damit stehe oder falle das Projekt. Und genau daran hegt wohl die CDU ihre Zweifel, deren Vorbehalte Susanne Albers formulierte. Grundsätzlich begrüße man solche Verbindungen, aber „schon jetzt müssen Gäste der bestehenden Partnerschaften bei ihren Besuchen in Hotels übernachten.“

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