Lorenz Eckstein feiert 50. Priesterjubiläum

„Nähe zur Kirche fehlt“

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19 Jahre hat Geistlicher Pfarrer Lorenz Eckstein an der Kirche St. Peter und Paul in Dieburg gewirkt, bevor er am 15. Oktober 2006 von Bischof Kardinal Lehmann entpflichtet wurde.

Dieburg/ Heusenstamm - Einen Gottesdienst könnte die Familie Eckstein eigentlich ohne Hilfe von außen gestalten. Lorenz Eckstein wäre als katholischer Pfarrer für die Messe zuständig, seine beiden jüngeren Geschwister Maria Schwachhöfer und der frühere Heusenstammer Bürgermeister Josef Eckstein könnten das Spielen der Orgel übernehmen. Von Claudia Bechtold

Wenn Lorenz Eckstein am nächsten Sonntag, 9. August, um 10 Uhr in der Kirche St. Cäcilia die 50. Wiederkehr des Tages seiner Priesterweihe feiert, dann werden seine Geschwister nicht aktiv sein. Und dennoch bleibt alles in der Familie. Den Gottesdienst wird sein Neffe Dr. Peter Eckstein feiern. Die Orgel wird Andreas Boltz erklingen lassen, Ehemann der Nichte Ruth.

Eigentlich ist Lorenz Eckstein schon seit drei Jahren im Ruhestand und lebt im Odenwald. Ruhig aber ist das Pensionsleben nicht. Drei bis fünf Gottesdienste hält er derzeit an jedem Wochenende, weil er immer wieder um Hilfe gebeten wird. Und auch während der Woche springt er regelmäßig als Priester ein. „Aber jetzt macht es mehr Spaß, weil ich keine Verwaltungsarbeit mehr erledigen muss“, sagt Lorenz Eckstein.

St. Peter und Paul Dieburg.

Nach seiner Priesterweihe am 26. Juli 1959 im Dom zu Mainz, übrigens gemeinsam mit Hermann Rink aus Bieber, der einige Jahre in Heusenstamm Pfarrer war, begann er als Kaplan zunächst in Viernheim. Die Basilika in Seligenstadt mit der Pfarrei St. Marcellinus und Petrus war die nächste Station seines Wirkens, bevor er 1970 an die Kirche St. Pankratius in Offenbachs Stadtteil Bürgel gerufen wurde. Dort blieb der heute 77-Jährige 17 Jahre, erhielt zwei weitere Gemeinden dazu, war als Oberstudienrat im kirchlichen Dienst an Schulen tätig und schließlich von 1974 bis 1987 Dekan des Dekanats Offenbach. Dazu hatte er den Vorsitz des Caritasbezirksverbandes inne. Irgendwann habe er sich dann gesagt, „entweder ich verändere etwas oder ich liege selbst bald unter der Erde“. Er wechselte in die Pfarrei St. Peter und Paul in Dieburg mit der dortigen Wallfahrtskirche, für die er 19 Jahre lang die Verantwortung getragen hat. Weniger Arbeit sei dies nicht gewesen, eher der Wechsel „vom Regen in die Traufe“, wie er es mit einem Schmunzeln bezeichnet.

Vieles habe sich verändert in der Kirche, sagt Lorenz Eckstein. So habe er früher oft lange im Beichtstuhl gesessen, heute kämen nur selten Menschen zur Beichte. Jeden Tag einen Gottesdienst anzubieten sei früher üblich gewesen, heute eher die Ausnahme. Missionieren müsse man wieder in Deutschland, um die Menschen wieder näher zur Kirche zu bringen.

In seine Heimatstadt Heusenstamm hat Lorenz Eckstein in all den Jahren immer enge Kontakte gepflegt, schon wegen der Familie. Vielleicht ist dies mit ein Grund dafür, dass zwei seiner Neffen ebenfalls katholische Priester geworden sind.

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