Bürgerversammlung

Neue Firmen bringen mehr als nur Lärm

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Fragen an Verwaltung und Politik stellten die Dieburger.

Dieburg - Die Stimmen der Dieburger waren gefragt - und viele machten von ihrem Recht Gebrauch, sich bei der Bürgerversammlung am Dienstagabend zu Themen, die sie und die Stadt bewegen, zu äußern. Teils hitzig ging es an diesem lauen Sommerabend in der Römerhalle zu. Von Bettina Link

Zwei Bauprojekte standen im Mittelpunkt des Abends, der von Herbert Nebel in Vertretung von Stadtverordnetenvorsteher Dr. Harald Schöning geleitet wurde.

Die Papiergroßhandelsgruppe Igepa und die Logistikfirma Fiege stellten ihre Bauvorhaben in Dieburg vor, zu denen die Anwesenden Fragen an die Verantwortlichen der Unternehmen stellen konnten. Anschließend hatten die Dieburger Gelegenheit, sich mit ihren persönlichen Anliegen und Sorgen an die Verwaltung und Bürgermeister Dr. Werner Thomas zu wenden. Vor allem Anwohner aus dem Gebiet Am Forst nutzten das, um ihrem Ärger über Probleme mit der Entwässerung Luft zu machen.

Wie laut wird es durch zusätzlichen Verkehr?

Zunächst stellte die Firma Igepa ihr Gewerbeobjekt, das im I-Nord auf einer Fläche von 50 000 Quadratmetern entsteht, vor. Bereits zum 1. Oktober soll das Lager und zum 1. Dezember die Büros übernommen werden, erläutert Organisationsleiter Andreas Knipping von Igepa.

Die Anwohner aus dem Norden bewegte vor allem eine Frage: Wie laut wird es durch den zusätzlichen Verkehr, der durch die an- und abfahrenden Lkw entsteht? Vor allem morgens zwischen 5 und 7 Uhr werden die meisten Laster vom Hof rollen. Entwarnung konnte Knipping beim innerstädtischen Verkehr geben: „Der ist nicht betroffen.“

Ein Anwohner setzte sich dafür ein, dass der Verkehr vor allem in südlicher Richtung das Gelände verlässt und somit nicht durch das Wohngebiet rollt. Diesem Vorschlag komme die Firma laut Knipping gerne entgegen und man wolle entsprechende Schilder aufstellen. Auch das Thema Arbeitsplätze war den Dieburgern ein Anliegen. Knipping versprach, frei werdende Stellen möglichst mit Mitarbeitern aus der Region zu besetzen.

480 Lkw-Bewegungen am Tag

Auch beim Bauvorhaben der Firma Fiege ging es den Bürgern vor allem um die mögliche Lärmbelästigung durch Lkw, und welche Vorteile das Logistikzentrum für die Stadt hat. Der Sorge, dass bei 480 Lkw-Bewegungen am Tag, eine höhere Lärmbelästigung auf der B 45 zu erwarten sei, entgegnete Jan Dünzelmann, dass dieses Mehr an Verkehr kaum ins Gewicht falle. Genau wie bei Fiege, ist auch für die Igepa die Anbindung an die B45 ein wesentliches Kriterium, der für den Standort Dieburg spricht.

Beunruhigten Dieburgern versicherte Dünzelmann, dass Fiege Gutachten zum Lärm erstellen lasse. Die Firma sei auch bereit in den Schallschutz zu investieren, etwa in Richtung der Bahnschienen, die direkt an das Gelände angrenzen. „Von dem Betrieb innerhalb des Logistikzentrum wird nichts zu hören sein“, versicherte Dünzelmann einem besorgten Bürger. Auch Umweltbedenken kamen bei den Dieburgern auf, wie etwa das Austreten von Gerüchen. Auch hier konnte Dünzelmann Entwarnung geben: „Es gibt keine geruchsintensiven Tätigkeiten.“ Doch auch die Vorteile, die Fiege Dieburg bringen, wollte der Bürgermeister noch einmal hervorheben und verwies auf Arbeitsplätze, Ausbildungsplätze und Gewerbesteuer. „Ich freue mich, dass die Firma kommt“, betonte er. Eröffnet werden soll das Logistikzentrum Ende 2014.

Für Diskussion sorgte der Plan des Ausbaus der „nördlichen Dieselstraße“. Die Anwohner aus dem Nordring äußerten sich empört über den „in Stein gemeißelten Plan“, auf den sie nun keinen Einfluss mehr nehmen könnten.

„Entstehung einer Rennstrecke vermeiden“

Ein Wunsch ist etwa, dass die Straße mit versetzt gepflanzten Bäumen beengt werden sollte, um „eine Rennstrecke zu vermeiden“, so das Anliegen einer Anwohnerin aus dem Nordring. Michael Dingeldey vom Bauamt verwies darauf, dass die Planungen bereits 2004 beschlossen worden seien. Die Gemüter konnte er damit nur wenig beruhigen.

Die Stimmung im Raum heizte sich noch einmal auf, als Anwohner aus dem Gebiet Am Forst ihr Anliegen zur Sprache brachten. Nach den schweren Regenfällen hatten einige Anwohner mit nassen Kellern zu kämpfen. Schuld an diesem Zustand seien laut einer Anwohnerin die Arbeiten auf dem Neubaugebiet am Campus. Sie forderte deshalb die Stadt umgehend auf, etwas gegen das Entwässerungsproblem zu unternehmen. Thomas versprach, sich mit Fachleuten zusammenzusetzen, um eine Lösung zu finden. Dennoch fühlten sich die Bürger in der Dringlichkeit ihres Anliegens nicht verstanden.

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