Neue Kita auf zwei Etagen

Das Stadtparlament hat sich für die Errichtung der Kindertagesstätte am Friedhof ausgesprochen. Die Kita gilt als Ersatzbau für das „Kindernest“ auf der Leer. VON STEFAN SCHARKOPF

Dieburg – Die Stadt braucht für Kitakinder dringend Räume – und die müssen zügig entstehen. Bei der Suche nach möglichen Standorten war auch eine Fläche beim Friedhof ins Blickfeld geraten. Dort sollte in modularer Bauweise eine Kita entstehen; modular deswegen, weil zum einen möglichst kurze Bauzeiten angestrebt wurden und zum anderen, weil das Projekt als Interimslösung galt. Zwar sollte es sich um eine vollwertige Kita handeln, doch die politisch Verantwortlichen halten den Standort für ungeeignet – wegen der Nähe zum Friedhof und der stark befahrenen Groß-Umstädter-Straße. Wird ein endgültiger Stützpunkt gefunden, werden die Module ab- und am neuen Platz wieder aufgebaut. Bislang galt: eine eingeschossige Bebauung, die ganz, teilweise oder neben dem Regenrückhaltebecken realisiert wird. Doch jetzt soll es anders werden.

In der letzten Sitzung der Stadtverordneten vor den Sommerferien stellte Michael Dummert von SDKS-Architekten (Darmstadt) die Planung vor. Sein Büro war vom Magistrat kurzfristig beauftragt worden, eine Lösung auf dem Geviert aufzuzeigen. Das Thema wurde als dringlich bewertet und noch auf die Tagesordnung gehoben. Dringlich, weil das Land Hessen pro Kita-Gruppe einen Zuschuss von 250 000 Euro gewährt und die Anträge hierfür bis Ende Oktober gestellt sein müssen.

Auf einer Nutzfläche von 1 500 Quadratmetern soll demnach eine Kita mit sechs Gruppen entstehen – vier für U-3-, zwei für Ü-3-Kinder. Ungewöhnlich: Die Kita soll zwei Etagen haben; eine Bauart, die in der hiesigen Region für Kitas nicht anzutreffen ist. Eine eingeschossige Bebauung sei schwierig, wenn nicht unmöglich, so der Architekt, weil dadurch der Raumbedarf nicht gedeckt werden könne, zu große Abstriche für den Außenbereich gemacht werden müssten und es baurechtlich schwierig sei. Abzuraten sei ebenfalls von der angedachten Errichtung des Baus allein auf dem Regenrückhaltebecken: Das Gebäude müsste dann vier Stockwerke haben.

Folglich sei allein die zweigeschossige Bauweise sinnvoll, bei der das Regenrückhaltebecken teils überbaut werden darf. Die unmittelbar angrenzende Bebauung im Einmündungsbereich Johann-Sebastian-Bach-Straße besteht im Übrigen aus mindestens 2,5-geschossigen Häusern und auf der anderen Seite aus dem Edeka-Markt auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei Spiess.

Die Kita an der Groß-Umstädter-Straße wird dann auch der Ersatzbau für das „Kindernest“ sein. Die integrative Kindertagesstätte, die in den 1970er-Jahren auf der Leer gebaut wurde, befindet sich seit 2014 im Eigentum der Stiftung Nieder-Ramstädter Diakonie (NRD). Wegen des schlechten Zustandes der Substanz und des Alters der Einrichtung hatte die NRD einen Neubau auf der Leer geplant. Der sei aber auf dem infrage kommenden Gelände schwierig zu errichten, weil es im Überschwemmungsbereich liegt. Bleibt also nur der ersatzlose Abriss.

Nach einer kurzen Sitzungsunterbrechung stimmten die Stadtverordneten der neuen Planung zu, wenn auch wegen des als nicht optimal bewerteten Standortes mit Bedenken; allein die FDP enthielt sich. Abgelehnt wurde ein Vorschlag von Benedikt Oberhuber (CDU), eine Teilfläche in den künftigen Baugebieten Süd oder West vorrangig zu entwickeln.

Die Kita wird also zweigeschossig sein und dort wohl auch bleiben und nicht wieder abgebaut werden. Das sei zwar technisch auch für zweistöckige Modulbauten machbar aber schwierig. Zudem zeige die Erfahrung, dass nur in den seltensten Fällen dies auch gemacht werde, so Architekt Michael Dummert. Gleiches gelte letztlich für eine Container-Lösung. Es gelte das Motto: Nichts hält länger als ein Provisorium.

Als Ersatzbau für das Kindernest waren mal Kosten in Höhe von 3,6 Millionen Euro im Gespräch. Ob dieser Betrag zu halten ist, ist unklar. Als Richtwert gilt üblicherweise, dass für eine Kitagruppe im Schnitt mit 500 000 Euro gerechnet wird, dazu kommt noch die Einrichtung für etwa 100 000 Euro; insofern wäre es eine Punktlandung. Das Land Hessen steuert 1,5 Millionen Euro bei.

Auch Bürgermeister Frank Haus (parteilos) hält den Standort für die neue Kita nicht für optimal, doch fehlten die Alternativen: „Unsere freien Flächen sind weg. Wir werden uns in Dieburg ohnehin überlegen müssen, wie wir künftig bauen. Es geht nur noch in die Höhe“.

Läuft bei dem nun anstehenden Bauverfahren alles glatt, wird 2020 mit den Arbeiten für die neue Kita begonnen.

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