Lauter Lieblingsstücke

Neue Museumspädagogin zeigt ihre Favoriten

Dieburg - Egal, ob groß oder eher unauffällig: Nicht nur Besucher, auch die Mitarbeiter des Museums Schloss Fechenbach haben Lieblings-Exponate. Hannelore Stuckert stellt ihre vor und gab einer Führung so eine persönliche Note. Von Stefan Scharkopf 

Die Jupitersäule zählt zu den Objekten, für die sich Hannelore Stuckert am meisten begeistern kann.

Manchmal versetzt einen schon ein Eimer in Verzückung. Zumal dann, wenn es sich nicht um ein schnödes Plastikteil aus dem Baumarkt handelt, sondern um ein Relikt aus vergangener Zeit. Hinter Glas, in einem unteren Gefach, steht im Museum Schloss Fechenbach ein Bronzeeimer, der Anfang des dritten Jahrhunderts nach Christus gefertigt worden sein durfte. Das Gefäß, ein sogenannter Östland-eimer, wurde beim Bau der Bahnunterführung in der Frankfurter Straße aus dem Grundwasser gezogen. Bei der Bergung durch die Baggerschaufel wurde das Behältnis schwer beschädigt und ging wohl seines Henkels verlustig.

Ein eher unscheinbares Gerät, gemessen an dem, was das Museum an Exponaten ansonsten so zu bieten hat. Und doch gehört es zu den Lieblingen der neuen Museumspädagogin Hannelore Stuckert. Gerade weil die Besucher sicher ohne große Beachtung an dem Eimer vorbei gehen würden, will die Archäologin dieses Ausstellungsstück – und einige weitere – aus dem Schatten holen.

So präsentierte die Ueberauerin am Mittwochabend einem kleinen Publikum ihre persönlichen Favoriten, erzählte viele anschauliche Geschichten und verzichtete auf allzu viele Jahreszahlen. Handelte es sich bei dem besagten Bronzeeimer um den Besitz eines römischen Soldaten im Ruhestand, eine Grabbeigabe, oder hat ihn schlicht ein Händler verloren? Eine endgültige Antwort gibt es nicht, Stuckert überließ es der Fantasie der Gäste, darüber zu befinden.

Bei einem Lieblingsstück kann es sich durchaus auch mal um Müll handeln – wenn er denn aufschlussreich ist. So kann sich die 38-Jährige für eine gewöhnliche Cola-Dose begeistern. Gefunden wurde das Alu-Teil bei Grabungen in der sogenannten Zivilisationsschicht. Also des Segments unter der Erdoberfläche, das mit irgendwelchen Resten ab der Moderne gespickt ist. Die Cola-Dose kam etwa ab den Sechzigerjahren des 20. Jahrhunderts auf, der Knickverschluss ist seit Beginn der 90er Jahre en vogue. Ein einfaches Beispiel dafür, wie Archäologen ihre Funde datieren.

Hannelore Stuckert ist kein Neuling im Museum. Bereits seit sieben Jahren gehört sie zum Team, war bislang freie Mitarbeiterin. Seit Januar hat sie nun eine Festanstellung. Geschichte war schon früh das Steckenpferd der Ueberauerin, geweckt durch den Vater und den einen oder anderen Lehrer. Das Interesse, viele Puzzleteilen zu einem Ganzen zusammenzufügen, hat Stuckert dann zum Studium der Provinzialrömischen Archäologie in Frankfurt geführt, einer altertumskundlich-historischen Disziplin, die sich mit der Geschichte, der Kultur und der Zivilisation der Provinzen des Römischen Reichs befasst – und da kommt Dieburg wegen seiner reichen römischen Geschichte und den nicht wenigen Funden ins Spiel.

So zählt freilich auch die Jupitersäule mit Viergötter- und Inschriftenstein, die in einem Brunnen gefunden wurde, zu den Lieblingsstücken Stuckerts. Warum dieses schwere Trumm in einem Wasserschacht entsorgt wurde, liegt im Bereich des Spekulativen – und somit höchst interessant für Historiker und Archäologen.

Ein etwas neueres Exponat ist ein recht voluminöser Weihwasserbehälter, der bislang, zerlegt in Einzelteile, im Magazin in der Nähe des Bauhofs ausharren musste. Die Scherben wurden zusammengesetzt, jetzt hat der Kessel seinen Standort im Museum gefunden.

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Ein Anliegen von Hannelore Stuckert ist es also, Stücke, die nicht gleich ins Auge fallen, aus ihrem vermeintlichen Schattendasein herauszuführen und sie dem Publikum präsentieren. sie lädt daher an zwei Sonntagen dazu ein, mit ihr die „Welt der unauffälligen Ausstellungsstücke“ zu erkunden.

Beim ersten Termin, 5. Februar, geht es in die Abteilungen Steinzeit bis Römerzeit, beim zweiten, 5. März, jeweils 11 Uhr, wird die Spanne vom Mittelalter bis zur Moderne beleuchtet. Die Führungen sind kostenlos, zuzahlen ist lediglich der Eintritt (3 Euro), Kinder bis 15 Jahren sind frei. Infos: 06071/2002460, E-Mail: info@museum-schloss-fechenbach.de

Rubriklistenbild: © Scharkopf

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