Technische Probleme in der Zulassungsstelle nerven Bürger

Weg zum neuen Schild mit Ärger gepflastert

Dieburg -  Nichts ist so wie es sein soll an diesem Donnerstagmorgen in der Zulassungsstelle im Landratsamt. Allein das Gebäude zu betreten, ist nicht leicht: „Diese Tür ist defekt, da müssen sie außen rum gehen“, murrt ein Passant. Von Barbara Hoven

Auch drinnen liegen manche Nerven blank: Bereits zum zweiten Mal in dieser Woche verweigert das Computersystem der Zulassungsstelle seinen Dienst, die Behörde ist stundenlang lahm gelegt. „Mindestens 50 Kunden sind seit halb acht reingekommen, haben mehr oder weniger geduldig gewartet und sind schließlich unverrichteter Dinge wieder gegangen“, sagt Gottfried Bacher aus Groß-Zimmern. Er gehört zu den wenigen, die auch nach 11 Uhr noch ausharren - immer in der Hoffnung, die An- und Abmeldungen ihrer Autos doch noch erledigen zu können.

„Es ist ein Desaster, das den Mitarbeitern der Zulassungsstelle ebenso auf die Nerven geht, wie es die Nerven der Kunden strapaziert“,erklärt Kreis-Pressesprecherin Jutta Janzen, für die das Problem bereits ein altbekanntes ist. Seit zehn Monaten - seit der Einführung eines neuen Programms der Firma ekom 21 - gebe es ständig Ausfälle und Ärger. „Besserung wird uns zwar immer wieder versprochen, aber faktisch tut sich nicht viel.“

Mittlerweile hat der Kreis die Angelegenheit zur Chefsache erklärt: Landrat Alfred Jakoubek hat die ekom 21 angeschrieben und auf Behebung der Mängel gedrängt - bisher jedoch ohne befriedigende Reaktion. Kein Wunder also, das der Landkreis das Warten ebenso satt hat wie die Landkreis-Bürger.

Sogar Türen wurden geknallt

Doch nicht die vergeudete Wartezeit alleine erhitzt die Gemüter. Als ob das nicht genug wäre, bekommen die Kunden am Donnerstag auch noch die Stimmungslage einiger Behördenmitarbeiter zu spüren. „Die haben sich sehr unfreundlich benommen“, schimpft Gottfried Bacher.

Bundesweite Probleme

Stefan Thomas, Pressesprecher der Firma ekom21, nennt auf Nachfrage unserer Zeitung „massive Ausfälle beim Kraftfahrt-Bundesamt“ als Grund für bundesweite Systemstörungen am Donnerstag. Im Übrigen räumt er ein, dass es „Kinderkrankheiten“ am Produkt mit dem offiziellen Namen „kfz21“ gab, die seiner Ansicht nach behoben sein müssten. Verbesserungswünsche der Zulassungsstellen seien umgesetzt worden, so „dass die Aussage, es sei keine Besserung im System eingetreten, so nicht bestätigt werden kann“. Auskunft über „Vertragsbeziehungen mit Kunden“ wollte er indes nicht geben.

Petra Diehl pflichtet ihm gerne bei. „Ich finde das nicht in Ordnung, das hier Türen geknallt werden, wenn die Leute sich nach Stunden mal beschweren,“ so die Dieburgerin. Die Informationen, die von den Mitarbeiter kamen, seien mehr als dürftig gewesen. „Um kurz nach acht gab´s eine erste kurze Mitteilung, dass es Computerprobleme gebe und wir mit Wartezeit rechnen müssten. Eine Stunde später folgte die Nachricht, dass in ganz Hessen nichts gehe. Kurz vor zehn dann die Info, das es am Kraftfahrt-Bundesamt liege und bundesweit derzeit keine Zulassung möglich sei.“ Das habe die Stimmung natürlich nicht gerade verbessert. „Je öfter die Dame von der Zulassungsstelle rein und raus ging, umso barscher wurde sie“,erzählt Diehl. „Am Ende hat sie sogar die Tür geknallt.“ Da kann auch Silva Sauerwein aus Groß-Zimmern, die einen Zulassungsdienst betreibt und daher täglich das - derzeit zweifelhafte - Vergnügen hat, die Zulassungsstellen der Region zu besuchen, nur noch müde nicken. „Vor zwei Wochen war es genauso, da ging auch zwei Tage lang nichts.“

Kreissprecherin Janzen wirbt derweil um Verständnis für die Mitarbeiter der Zulassungsstelle, die „keine Verantwortung für die Misere tragen“. Im Gegenteil - auch sie seien Leidtragende, die „jede Menge Überstunden machen müssen oder teilweise auch an Wochenenden arbeiten, um liegen gebliebene Arbeit zu erledigen.“Auch deshalb hat der Landkreis inzwischen die Notbremse gezogen. „Wir sind unzufrieden mit den Leistungen von ekom21 und haben daher den Vertrag bis zum 31. 12. 2010 gekündigt“, heißt es in einer Pressemitteilung. „Früher geht das leider nicht“, bedauert Janzen. Fünf weitere Landkreise kämpften mit ähnlichen Problemen, hätten ebenfalls bereits gekündigt.

Ein schwacher Trost für die Wartenden in Dieburg. Doch deren Geduld wurde am Donnerstag dann doch noch belohnt: Um 11.20 Uhr öffnen sich die Schalter - die Computer tun plötzlich wieder ihren Dienst. Dank des vollen Einsatzes der Zulassungsstellen-Mitarbeiter kann Petra Diehl doch noch diesen Punkt ihrer To-Do-Liste streichen: „Auto abmelden“. Für die Formalie, die innerhalb von zwei Minuten erledigt ist, hat sie jedoch vier Stunden verloren. Den Tag Urlaub, den sie extra genommen hatte, hätte Diehl natürlich gerne anders verbracht. Aber an manchen Tagen klappt halt nichts so, wie es soll.

Kommentare