Neuer Anlauf auf dem Arbeitsmarkt

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Ein Erfolgsmodell und seine Mitwirkenden: Seit drei Jahren werden Langzeitarbeitslose im Kooperationsprojekt von Caritas, Kreis und Entega zu Energieberatern ausgebildet.

Dieburg ‐ Raus aus Hartz IV, rein in eine Ausbildung und nebenbei noch Umweltschützer werden – diese Perspektive bietet sich jungen Langzeitarbeitslosen im Qualifizierungsprojekt des Caritasverbands Darmstadt.  Von Ursula Friedrich

Rund ein Jahr lang werden junge Menschen zu „Serviceberatern für Strom und Wasserspartechnik“, kurz Energieberatern, ausgebildet. Mit diesen soliden Kenntnissen können junge Leute wieder im Arbeitsleben Fuß fassen. Und mehr: Ihre Tätigkeit zielt darauf ab, in einkommensschwachen Haushalten Einsparpotenziale aufzuspüren. Wie viel Strom frisst der Kühlschrank, welche Wassermengen verbraucht die Toilette? Welche Einsparpotentiale bietet der Betrieb von Fernseher und PC? Die Energieberater analysieren, werten aus und sorgen zu guter Letzt mit Energiesparlampen, Steckdosenleisten, Wasserperlatoren und mehr für einen gedrosselten Verbrauch.

Dank des Sponsorings durch die HSE-Tochter „Entega“ gibt es das Service-Paket zum Strom- und Wassersparen sogar gratis. 120 bis 150 Euro jährlich können so pro Haushalt eingespart werden und klimafeindliche CO2-Emissionen werden reduziert.

„Wir blühen hier richtig auf“

Die dritte Generation von „Azubis“, zwei junge Frauen und sechs Männer, begannen vor rund drei Wochen ihre Lehre. Und sind begeistert. „Wir blühen hier richtig auf“, sagte Thorsten Alt, Teilnehmer des Projektes, „das Selbstwertgefühl steigt Tag für Tag.“ Als Langzeitarbeitsloser schliefe „alles ein bisschen ein, man kommt aus dem Rhythmus.“

Thorsten Alt wurde mit sieben weiteren Kandidaten unter 20 Bewerbern aus dem Landkreis herausgepickt, um zu lernen. Auch, so die Erste Kreisbeigeordnete Rosemarie Lück, wenn das Vorhaben aus wirtschaftlicher Perspektive einem Ein-Euro-Job gleiche. Für den Kreis und seine Kommunen geht die Rechnung allemal auf: Als Sozialhilfeträger finanzieren sie nicht nur Wohnraum, sondern auch Wohnnebenkosten.

Letztes Jahr wurden 168 Haushalte besucht

Weitere Informationen zu diesem Thema liefert diese Internetseite.

Die Initiative des Caritasverbands, die von den Kooperationspartnern, der Kreisagentur für Beschäftigung Darmstadt-Dieburg sowie der „hessenEnergie“ Wiesbaden getragen wird, ist seit 2009 ein Erfolgsmodell. Bislang wurden 17 junge Leute ausgebildet, sechs fassten inzwischen auf dem „ersten Arbeitsmarkt“ erneut Fuß. Die Qualifizierung sei umfangreich, erläuterte die pädagogische Betreuerin Simela Mavridou. Computerkenntnisse werden vermittelt, Bewerbungs- und Kompetenztraining, sowie die praktische Arbeit mit den Kunden stehen auf dem Programm.

„Wir haben im Vorjahr 168 Haushalte besucht“, so Fachanleiter Klaus Gerth-Koch. Durchschnittlich wurden für 60 Euro Energiesparlampen, Steckdosenleisten, Wasser sparende Duschköpfe und mehr in sozial schwachen Haushalten eingebaut. „Das Geld aus Hartz IV ist ja schon knapp bemessen, wer hat da schon das Geld für eine Energiesparlampe“, dankte Werner Veith, Direktor des Caritasverbands Darmstadt, dem Sponsor HSE. „Die Kunden waren dankbar und froh über die Unterstützung und überaus zufrieden mit dem Service“, zog Monika Fahrenholz-Müller, Leiterin der allgemeinen Lebensberatung der Caritas Dieburg Bilanz – etwa 20 Euro umfassen die Einsparpotentiale monatlich. Das Qualifizierungsprojekt hat bei der Caritas bundesweit Schule gemacht. In 70 Städten bietet der Deutsche Caritasverband die Ausbildung zum Energieberater an. 2010 wurden auf diese Weise 41 000 Haushalte besucht.

Allein im Kreis Darmstadt-Dieburg wurden Dank energiesparender Maßnahmen 47 Tonnen CO2-Emissionen eingespart. Veith abschließend: „Bei diesem Projekt gibt es nur Gewinner.“

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