Insolvenz von „Schallkultur“ - Spektakel fällt in diesem Jahr definitiv aus

„Traffic Jam“: Neuer Verein will Festival retten

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Fällt in diesem Jahr definitiv aus und steht vor einer insgesamt ungewissen Zukunft: das Dieburger „Traffic Jam“-Festival, hier ein Foto aus dem Jahr 2017.

Dieburg - Die Zukunft der größten Musikveranstaltung Dieburgs mit Strahlkraft weit über die Landesgrenzen hinaus, das „Traffic Jam“, ist mit einem dicken Fragezeichen versehen. 2016 gab es einen regelrechten Einbruch beim Kartenverkauf – mit entsprechenden finanziellen Auswirkungen. Unsicherheit herrscht auch beim Standort. Von Jens Dörr

Schwere Zeiten für das „Traffic Jam“: Dieburgs Musikfestival der härteren Gangart steht vor einer ungewissen Zukunft. Nach der Insolvenz des veranstaltenden Vereins „Schallkultur“ fällt das Spektakel mit Bands insbesondere der Genres Metal, Punk und Rock in diesem Jahr definitiv aus. Ein neuer Verein will das Großereignis, das an zwei Tagen bis zu 5 000 Besucher auf den Verkehrsübungsplatz der Fahrschule Völker gelockt hatte, retten. Kopfzerbrechen bereitet auch die Standortfrage.

2017 fand das „Traffic Jam“ zum 18. Mal statt – damals noch unter der Leitung von „Schallkultur“. Wenige Monate später ging der Verein insolvent. Der „Schallkultur“-Vorsitzende Julian Dörr erläutert, dass nicht das Festival des vergangenen Jahres Grund für die finanziellen Probleme gewesen sei. Jahrelang kamen die durchweg ehrenamtlich tätigen Macher im Großen und Ganzen mit einer schwarzen Null aus der Veranstaltung heraus. Schloss man mit einem Plus, floss das Geld direkt in die Festival-Infrastruktur und in die nächste Auflage. „2016 lief das Festival finanziell gesehen aber schlecht“, sagt Dörr.

Damals habe man deutlich weniger Tickets – die wichtigste Einnahmequelle – verkauft als in den Jahren zuvor. „Wieso es da im Gegensatz zu den anderen Jahren so schlecht lief, wissen wir bis heute nicht genau.“ 2017 versuchte man noch einmal, den Schaden durch ein herausragendes Festival auszugleichen. Im vergangenen Jahr lief es zwar rund, „wir konnten das Minus aus dem Jahr zuvor dadurch aber trotzdem nicht mehr wettmachen“.

Das Insolvenzverfahren dauert zurzeit an. Bereits im November 2017 gründete sich allerdings der neue Verein „SchallMAGNET“. Dessen Vorstandsmitglied Philip Major war zuvor Besucher und Helfer auf dem „Traffic Jam“ gewesen. Major versucht als Teil einer Gruppe von derzeit 45 Mitgliedern („ziemlich viele neue, aber auch Leute mit Erfahrung aus dem alten Verein“), Dieburgs größte Musikveranstaltung mit Strahlkraft weit über die hessischen Landesgrenzen hinaus zu erhalten. „Nach dem geilen Jahr 2017 saßen wir zusammen und haben gesagt: Wir wollen unbedingt weitermachen!“

Bilder: Traffic Jam in Dieburg

In welcher Form dies genau geschehen könnte, ist aktuell noch offen. „Unsere Absicht ist es, die Jugendkultur zu fördern, dabei auch Integration etwa von behinderten Menschen zu betreiben – und natürlich ein Festival auf die Beine zu stellen“, sagt Major. Momentan müsse sich der neue Vorstand aber noch weiter in die Materie einarbeiten.

Erschwerend kommt hinzu, dass unsicher ist, ob der Verkehrsübungsplatz der Fahrschule Völker – optimal im Gewerbegebiet sowie nahe des Bahnhofs und diverser Einkaufsmärkte gelegen – auch künftig noch für das Festival zur Verfügung stehen wird. „Wir wollen 2019 natürlich wieder etwas auf die Beine stellen, können das momentan aber noch nicht versprechen“, blickt Major voraus. Klar sei, dass „der Name des Festivals mit dem Platz verbunden ist“. Ein „Verkehrsstau“ mit lautstarken Gitarrenriffs irgendwo auf der grünen Wiese würde natürlich keinen Sinn mehr ergeben. Wobei der Erhalt des Namens „Traffic Jam“ für das Team von „SchallMAGNET“ derzeit eher eine untergeordnete Herausforderung darstellt.

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