„Neuordnung der ganzen Stadt“

Starke Männer des Kreises: Landrat Klaus Peter Schellhaas, Noch-Schuldezernent Christel Fleischmann und DA-DI-Werk-Betriebsleiter Holger Gebauer (von links).

Rochade und Ausbau: Der Schulstandort Dieburg steht vor einer immensen Aufwertung, der Kreis vor einer riesigen Investition – und die Stadt vor gewaltigen Veränderungen. VON RALF ENDERS

Dieburg – Dieburgs Tradition als Schulstandort reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Nicht weniger als neun (sieben staatliche und zwei private) Schulen gibt es aktuell in der Stadt, die meisten davon auf der Leer. Nun erneuert der Landkreis Darmstadt-Dieburg als Träger von sieben Dieburger Schulen die Bildungs-Hardware fast komplett, reißt Gebäude ab, saniert und baut neu. Von 2022 bis 2033 will der Kreis für das größe Schulbauprojekt seiner Geschichte „150 Millionen Euro plus ...“ in die Hand nehmen, so Landrat Klaus Peter Schellhaas (SPD). Im Zentrum der „Operation am Herzen“ steht der Standorttausch der Goethe-Gesamtschule mit dem Oberstufengymnasium Alfred-Delp-Schule (ADS).

Am Donnerstagabend informierte die Kreisspitze auf einer eigens in die Römerhalle verlegten Stadtverordnetenversammlung die Dieburger Parlamentarier über den Stand der „Planungsphase Null“ des Mega-Projekts. Etwa 50 interessierte Bürger, darunter einige Lehrer, waren gekommen – etwas enttäuschend und vielleicht darin begründet, dass Bürgerfragen in einer Parlamentssitzung nicht erlaubt sind.

Neben Schellhaas saßen der zum 1. Oktober aus dem Amt scheidende Schuldezernent und Vize-Landrat Christel Fleischmann (Grüne) sowie Holger Gebauer, Betriebsleiter des DA-DI-Werks (Eigenbetrieb des Kreises fürs Gebäudemanagement) auf dem Podium. Fleischmann erläuterte noch einmal die Hintergründe des in der Stadt nicht unumstrittenen Schultauschs: Die Goetheschule mit derzeit knapp 1 000 Schülern werde aufgrund der demografischen Entwicklung bald schon 1 200 Kinder aufnehmen müssen und platze aus allen Nähten. die ADS dagegen sei auf 750 Schüler gedeckelt. Christof Maruschka, Direktor der Goetheschule, bestätigte gegenüber dem Dieburger Anzeiger die Raumnot: „Uns fehlt jetzt schon etwa ein Drittel der Fläche.“ Zwar werde seine Schule 2020 einen „leichten Rückgang“ verzeichnen, aber perspektivisch könnten die 1 200 Schüler stimmen.

Maruschka („Wir freuen uns auf den Schultausch.“) nannte die mehr als einstündige Präsentation von Gebauer „transparent und informativ“. In der Tat: Auf mehr als 60 Schaubildern stellte der Herr über etwa 70 Schulen im Kreis die Dieburger Pläne vor. Neben dem Schultausch beinhalten diese unter anderem den Abriss von zwei und den Neubau von drei Sporthallen in der Stadt, die Neuordnung der Parksituation vor allem auf der Leer sowie den Neubau der Goetheschule und eines Campushauses auf der Leer. Die wichtigsten Punkte:

Gebäude

Die Goetheschule erhält einen Neubau inmitten der Leer, auf der Freifläche, wo früher der Fußballplatz war. Das alte Goetheschulgebäude in der Goethestraße wird für die ADS umgebaut.

Die fast neue Gutenbergschule erhält einen Anbau.

Die Landrat-Gruber-Schule – mit mehr als 2 000 Schülern der Platzhirsch auf der Leer – wird saniert und erhält ebenfalls Anbauten.

Inmitten der Schulinsel entsteht ein Campushaus für etwa 26 Millionen Euro, das alle Schulen und auch die Öffentlichkeit nutzen sollen. Darin: ein naturwissenschaftliches, sogenanntes MINT-Zentrum (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik).

Die weiteren Schulen auf der Leer – Anne-Frank-Schule (Förderschule) und Gustav-Heinemann-Schule (Schule für praktisch Bildbare) bleiben unberührt.

Eine dritte Grundschule ist auf der Leer nicht geplant, wird aber angesichts der wachsenden Einwohnerzahl unumgänglich sein. Standort? Vielleicht in einem der Baugebiete Süd oder West. Schellhaas: „Wir denken darüber nach.“

Parken

Mehr als 400 Parkplätze würde die Stellplatzsatzung der Stadt Dieburg auf der Leer verlangen. Gebauer machte aus seiner Unzufriedenheit damit keinen Hehl und empfahl den Parlamentariern, dies zu ändern. Er verwies auf andere Kommunen, in denen der Kreis für ein vergleichbares Projekt im Schnitt nur 250 Stellplätze errichten müsse. Wie auch immer: Wo heute die alte Gutenbergschule steht, sollen ein Pardeck und darauf eine neue Sporthalle gebaut werden. Aus den Reihen des Parlaments kam jedoch prompt der Vorschlag, dieses Parkdeck auf dem bestehenden Leer-Parkplatz zu errichten.

Die Parksituation im jetzigen Goetheschul-Quartier, wohin künftig zahlreiche Oberstufenschüler mit dem Auto kommen, will der Kreis mit 100 Stellplätzen rund um die neue Sporthalle entschärfen, die am Ort der dem Abriss geweihten Schlossgartenhalle gebaut werden soll.

Gebauer berichtete auch von den gescheiterten Plänen, Flächen des Tennisclubs und des prächtigen Konvikt-Parks zu nutzen.

Sporthallen

Die marode Schlossgartenhalle wird also durch einen Neubau ersetzt. Auf der Leer entstehen zudem zwei neue Sporthallen, sodass es dort mit Gutenberg- und Gustav-Heinemann-Halle dann vier Sportstätten geben wird. Die ABC-Halle wird abgerissen.

Bürgermeister Frank Haus (parteilos) regte an, die neue Schlossgartenhalle ein paar Meter weiter auf dem städtischen Sportareal an der K128 nahe der Skateranlage zu errichten.

Viel Input fürs Stadtparlament also. Haus verdeutlichte die Dimensionen und sprach vom „größten Bauprojekt in Dieburg seit der Inga-Ak“ (ehemalige Ingenieur-Akadamie, heute Campus der Hochschule Darmstadt). Das Projekt biete die Chance der „Neuordnung von Quartieren und der ganzen Stadt“.

Das wachsende Mittelzentrum Dieburg (Stichwort Baugebiete Süd und West) steht also vor gewaltigen Veränderungen. Und vor vielen Fragen: Der öffentliche Personennahverkehr zur Leer etwa wurde überhaupt nicht angesprochen. Schellhaas: „Ein solcher Hotspot muss natürlich angedient werden.“

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