Nicht aus jedem Stein kommt Feuer

+
Der fünfjährige Rico versucht gemeinsam mit Finn Schreiber, Funken zu schlagen.

Dieburg - Die kleinen Finger sind schwarz beschmiert und halten die Feuersteine fest im Griff. Mit gespannter Miene und voller Konzentration schaut der fünfjährige Rico gebannt auf seine Hände. Von Verena Scholze

„Was machen wir denn, wenn da jetzt wirklich ein Funke kommt?“, fragt er mit einer Mischung aus Erwartung und Unbehagen. „Wenn ein Funke auf unseren Zunderschwamm fällt und Feuer fängt, werden wir beide das zusammen zur Feuerstelle tragen“, beruhigt ihn Finn Schreiber vom Verein Bandkeramisches Aktionsmuseum.

Rico scheint beruhigt und erklärt voller Selbstbewusstsein: „Weißt du Finn, so haben die nicht nur in der Steinzeit Feuer gemacht, sondern auch die Cowboys und Indianer.“ Damit bringt er die umstehenden Zuschauer zum Schmunzeln. Leider erweisen sich die Versuche, mit Feuersteinen einen Brand zu zünden, zunächst als wenig erfolgreich, und so wird die Feuerstelle schließlich auf die moderne Art - mit Streichhölzern - entzündet.

Lebensgewohnheiten unserer Vorfahren

Am Sonntag hatte das Museum Schloss Fechenbach zum Steinzeit-Erlebnistag geladen. Bei dieser Veranstaltung rund um die Steinzeit hatten Interessierte die Möglichkeit, sich über Lebensgewohnheiten und alltägliche Dinge unserer Vorfahren zu informieren.

„Man bringt die Steinzeit immer mit primitiven Lebensgewohnheiten in Verbindung, dabei entwickelte man damals bereits bemerkenswerte Techniken“, sagt Frauke Jacobi, Vorsitzende des Vereins Bandkeramisches Aktionsmuseum. Die leidenschaftliche Handwerkerin zeigte mit Geschick und Fingerfertigkeit, wie man einen Feuerstein zu einem Gebrauchsgegenstand umfunktioniert und daraus in kurzer Zeit ein Messer oder eine Pfeilspitze herstellt.

Auch Werkzeuge oder Waffen wie Sicheln oder Beile wurden damals aus diesen Steinen hergestellt. Als Kleber der Steinzeit diente eine zähe Substanz, das sogenannte Birkenpech, das in einem speziellen und langen Verfahren gewonnen wurde. Auch mit der damaligen Ernährung, Kleidung, Schmuck oder Musik konnten sich die Besucher vertraut machen.

Sonderausstellung zu „Tatort Talheim"

Ergänzt wurde die Veranstaltung durch eine Führungdurch die Sonderausstellung „Tatort Talheim- Ein Kriminalfall aus der Steinzeit“, die sich die Besucher nicht entgehen ließen.

Eine weitere Aktion lockte vor allem diejenigen an, die bereits am vorangegangenen Töpfertag aktiv geworden waren. Die entstandenen Objekte wurden nun in einen eigens angelegten Feldbrand zum Brennen gelegt. Diese Grube wurde mit Sägespäne, Stroh und Holz im Wechsel gefüllt und die Tonschalen, Teller und Tassen vorsichtig dazwischen deponiert.

Langes Warten auf den Ofen

Mit gespannter Miene überwachte Hannelore Stuckert, freie Mitarbeiterin des Museums, die Aktion und legte selber Hand mit an. „Der Ofen müsste eine Temperatur von rund 1100 Grad haben, dieser werden wir jedoch nicht erreichen können“, sagte sie und erhoffte, eine Temperatur zwischen 600 und 800 Grad zu erreichen. Bei einer Brenndauer von über acht Stunden zeigte man sich gespannt auf das Ergebnis, denn Erfahrungswerte lagen bislang noch nicht vor. Gespannt sah auch die neunjährige Leonie auf die Grube. „Ich hoffe, dass es nicht kaputtgeht“, meinte sie, denn von ihr befanden sich auch zwei Tonobjekte zum Brennen im Ofen.

Ob die getöpferten kleinen Kunstwerke den Brand überstehen werden, wird sich jedoch erst in den nächsten Tagen herausstellen - wenn die Glut abgekühlt ist und die Tonwaren aus dem Feldbrand geholt werden können. Solche spannenden Momente gab es auch in der Steinzeit.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare