„Nicht bei den Schwächsten“

Dieburg - Von einem 2,6 Millionen Euro Defizit für den Dieburger Haushalt 2009 war man im März diesen Jahres ausgegangen, als der Haushalt verabschiedet worden war. Inzwischen ist das Loch gewachsen: 5,4 Millionen Euro fehlen nach neuesten Berechnungen in der Stadtkasse. Dieburg muss also sparen, doch wo genau, darüber gehen die Meinungen auseinander.

Unsere Mitarbeiterin Ulrike Bernauer fragte Dieburger, wo sie den Rotstift ansetzen würden und wo die Stadt ihrer Meinung nach lieber nicht sparen sollte.

Andreas Gehring

„Eine große Geldverschwendung sehe ich nicht bei unseren Kommunalpolitikern“, sagt Andreas Gehring (39 Jahre). „Außerdem habe ich kaum Einblick in den Haushalt der Stadt und es müssen Einsparungen vorgenommen werden“, erklärt der Informatiker. Lobend erwähnt er, dass die Kinderspielplätze im Verhältnis zu anderen Gemeinden sehr gut in Schuss seien.

Andrea Lewald(47 Jahre) ist dagegen, dass immer zuerst an den Schwächsten gespart wird. „Wenn die Eintrittspreise fürs Schwimmbad erhöht werden, dann gehen eventuell auch weniger Leute ins Freibad“, befürchtet die Krankenschwester. Den Neubau der Kreisel hält Lewald für eine sinnvolle Sache. „Den Neubau der Stadthalle würde ich zurückstellen“, sagt sie, „der ist schließlich mit enormen Kosten verbunden“.

„Die Politiker sollten grundsätzlicher über den Haushalt nachdenken“, ist die Meinung von Wolfgang Schneider (63 Jahre), „und sie sollten ihn führen, als wäre es ihr privater Haushalt“. „Die Politiker sollten unser Vorbild sein“, findet Schneider und stellt die Frage, „warum wird immer zuerst bei den Schwächsten, den Kindern gespart?“. „An der Schule sollte auch nicht gespart werden“, gibt der Rentner noch mit auf den Weg.

Wolfgang Dahmer

Eine Anregung hat Wolfgang Dahmer (65 Jahre). „Früher gab es den Haushalt in komprimierter Form in jedem Briefkasten, da konnte man sich kundig machen. Ich weiß noch, wie erstaunt ich war, wie hoch im Verhältnis zu den Investitionen die Sozialausgaben waren“. Der Rentner hat keine richtig konkrete Idee, wie gespart werden kann. Die Erhöhung der Kindergartengebühren scheint ihm jedoch der falsche Weg. „Ich finde den Hallenbau nicht notwendig“, sagt Dahmer, „eine große Halle fasst mehr Leute, dann gibt es möglicherweise weniger Sitzungen“.

Die Erhöhungen von Kindergartengebühren und Eintrittspreisen findetHannelore Boy (66 Jahre) hingegen in Ordnung. „Die Politiker machen das schon richtig“, meint die Rentnerin.

Helga Kaiser

Ganz anderer Meinung ist Helga Kaiser(54 Jahre): „Die Erhöhung der Kindergartengebühren finde ich ganz schlecht. Es gibt so viele Familien mit Kindern, die wenig Geld haben, die sollten eher Ermäßigung erhalten“. Die Altenpflegehelferin ist dagegen bei den Schwächsten zu sparen, dazu gehören für sie auch die Alten und Hartz IV Empfänger. „Die Kreisel sparen zwar Zeit, aber wir sind etliche Jahre auch ohne sie ausgekommen“, sagt Kaiser. Den Neubau der Halle befürwortet die Altenpflegehelferin dagegen, „der Neubau sollte nur nicht so pompös ausfallen, die Ludwigshalle ist auch einfach ausgestattet und trotzdem gehen die Leute hin“.

„Die Politiker sollen sich über sinnvolle Einsparungen Gedanken machen“, so ist kurz und knapp die Meinung von Günther Hermann (56 Jahre).

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