„Eines der modernsten Zentren in Hessen“

Kreis stellt Dieburger Parlament die Schulpläne vor

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Volles Podium: Neben Stadtverordnetenvorsteher Dr. Harald Schöning, Kreisschuldezernent Christel Fleischmann, Landrat Klaus Peter Schellhaas und Holger Gehbauer vom Da-Di-Werk (von links) standen noch fünf Vertreter von Da-Di-Werk, Kreisbildungsbüro und Planungsbüros für Fragen bereit.

Dieburg - Standorttausch von Goethe- und Alfred-Delp-Schule, Ausbau des Campus’ auf der Leer, Sanierungen und Abrisse. Und neue Verkehre und Verkehrswege – es ist ein Mega-Projekt, das der Stadt nach dem Willen des Landkreises bevorsteht. Von Ralf Enders

Am Montagabend hat die Kreisspitze das Dieburger Parlament in einer fast dreistündigen öffentlichen Sitzung der Stadtverordneten in der Römerhalle über die Vorhaben informiert. Etwa 100 Bürger haben die Veranstaltung verfolgt und konnten im Anschluss auch selbst zu Wort kommen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Um was geht’s überhaupt?

Der Landkreis Darmstadt-Dieburg als Schulträger will die Schullandschaft in Dieburg umfassend um- und neugestalten. Die Alfred-Delp-Schule (ADS), Oberstufe für die Klassen 11 bis 13, soll vom Campus auf der Leer in die Goetheschule in der Goethestraße ziehen. Die Goethe-Gesamtschule für die Klassen 5 bis 10 soll einen Neubau auf der Leer erhalten. Daneben soll auf der Leer „eines der modernsten Schulzenten in Hessen“ (Landrat Klaus Peter Schellhaas, SPD) entstehen, unter anderem mit einem zentralen Campus-Gebäude samt Mensa und Aula für alle Schulen sowie einem zweiten sogenannten MINT-Zentrum im Kreis. MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

Ist der Schultausch beschlossene Sache?

Auf Verwaltungsebene ja, wie Kreisschuldezernent Christel Fleischmann (Grüne) sagte. Allerdings muss der Kreistag noch einen entsprechenden Beschluss fassen.

Wie begründet der Kreis den Schultausch?

Fleischmann zufolge steigt die Schülerzahl der Goetheschule bis zum Jahr 2025 von derzeit 800 auf mehr als 1 000. Die Schule brauche zu ihren 5400 noch etwa 2500 Quadratmeter, so Holger Gehbauer vom Da-Di-Werk, das die Gebäude des Kreises managt. Das sei am jetzigen Standort unmöglich. Hingegen sei die Schülerzahl der ADS auf 750 begrenzt und die kleinen Räume der Goetheschule für eine Oberstufe besser geeignet. Zudem würde die Goetheschule auf der Leer Gehbauer zufolge die Lücke bei den Klassen 5 bis 10 dort schließen und die „Bildungskette rund machen“. Die ADS habe am neuen Standort die Möglichkeit zur „Profilbildung“.

Wie ist Dieburg betroffen?

Die Stadt hat Planungsrecht und muss für die Infrastruktur sorgen. Viele der Delp-Schüler kommen mit dem Auto, was bei Anwohnern des Goetheschul-Quartiers Besorgnis auslöst. Generell soll der Verkehr aus dem Viertel rausgehalten werden und über den Schwimmbadweg laufen. Der müsste entsprechend ausgebaut werden. Wo neue Parkplätze entstehen könnten, ist noch unklar. Stadtverordnetenvorsteher Dr. Harald Schöning stellte klar: „Was mit dem Schwimmbadweg passiert, entscheidet das Dieburger Parlament.“

Bleibt das Gelände des Tennis-clubs unangetastet?

Ja, Blau-Gelb Dieburg spielt bei der Parkflächensuche keine Rolle mehr, nachdem sich der Verein dagegen ausgesprochen hat, sein Areal zur Verfügung zu stellen.

Die Schlossgartenhalle wird abgerissen. Wo soll die neue Sporthalle stehen?

Fleischmann hatte einen Neubau an gleicher Stelle samt Parkdeck ins Gespräch gebracht. Am Montag konnten sich er und Schellhaas eine neue Sporthalle auch gut auf der geplanten Sportentwicklungsfläche am Schwimmbadkreisel zwischen B26 alt und neu vorstellen. Dort könnten auch Parkplätze für die neue ADS entstehen. Ob den Schülern der Fußweg von knapp 500 Metern in die Goethestraße zuzumuten ist, darüber gab es Geraune und Gelächter unter den Zuschauern. Eine zweite neue Sporthalle soll auf der Leer entstehen.

Was kostet das alles?

Nichts Genaues weiß man nicht. Die Verantwortlichen betonten, dass Zahlen zum jetzigen Planungsstand unseriös seien. Sicher ist, dass Rochade und Campus-Ausbau das größte Schulprojekt in der Kreisgeschichte sind.

Wann geht’s los?

Nichts Genaues weiß man nicht. Gehbauer kündigte zunächst einen Architekten-Wettbewerb an.

Wie lange dauert das alles?

Nichts Genaues weiß man nicht. Gehbauer sprach von einem Prozess von „acht bis zehn Jahren“.

Was wollten die Parlamentarier wissen?

Frederik Schikora (CDU) äußerte die Sorge, dass rund um die Goetheschule ebenso wild geparkt werde wie rund um die Leer und der „Hol- und Bringverkehr“ für die Goetheschüler auf der Leer „chaotisch“ werde. CDU-Fraktionschef Renée Exner hatte die Kosten im Blick: „Wenn der Kreis die Rochade will und die Erschließung braucht, kann er auch etwas dafür zahlen.“ Zudem sorgte er sich, ob die Kreisumlage, die die Kommunen zahlen, wegen der gewaltigen Investition steige. Rolf Netzlaff (SPD) fragte, ob das MINT-Zentrum auch für die ADS gedacht sei. Antwort Fleischmann: „Das MINT-Zentrum ist für den gesamten Ostkreis, auch für die ADS.“ Irmgard Haberer-Six (Grüne) plädierte dafür, den ÖPNV auszubauen, um die Schüler zu transportieren. FDP-Fraktionschef Wilhelm Reuscher gab zu bedenken, dass der Schwimmbadweg die Hauptstrecke für Radler, vor allem Kinder, auf dem Weg zum Schwimmbad sei. Sein UWD-Kollege Klaus Thomas äußerte Zweifel am vom Kreis prognostizierten Wachstum der Goetheschule. Parlamentschef Dr. Schöning fasste zusammen: „Die Stadtverordnetenversammlung freut sich über die Investitionen, muss aber auf die Verträglichkeit und den Verkehr für Dieburg achten. Die nächsten Schritte sollten im Dialog geschehen.“

Was sagten die Bürger?

Die Fragen und Aussagen drehten sich vor allem um die zu erwartende Verkehrsbelastung rund um die Goetheschule und um die Strecke vom Schwimmbadkreisel, wo Parkplätze entstehen könnten, in die Goethestraße.

Wie ist die Veranstaltung einzuschätzen?

Sie war wichtig und gut, der Kreis kam nach massiver Kritik aus Dieburg an fehlenden Informationen nicht mehr umhin, das Parlament offiziell zu informieren.

Was war neu?

Nicht allzu viel. Das meiste hatte Fleischmann bereits auf einer Pressekonferenz Anfang Mai angekündigt. Noch nicht in der Öffentlichkeit bekannt war, dass:

– es bereits Gespräche mit dem Eigentümer des Konvikt-Areals, dem „Theresien Kinder- und Jugendhilfezentrum“ über die Verbreiterung des Schwimmbadwegs gibt.

– es im Rahmen der Parkplatzsuche auch Gespräche mit dem Investor des ehemaligen Postgeländes nahe der Goetheschule, der Darmstädter Gruppe Biskupek, Scheinert, Moog, gab. Diese seien erfolglos verlaufen.

– die Beschäftigten des Kreishauses in einem neuen Parkhaus auf dem Leer-Schulcampus ihre Autos abstellen sollen, um den städtischen Parkplatz auf der Leer zu entlasten.

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