Noch viele neue Ideen

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Dr. Werner Thomas will Bürgermeister bleiben. Hier im Rathausfoyer hält er auch regelmäßig seine „Ansprech-Bar“ ab.

Dieburg (eha) ‐   Viel Zeit, sich auf seinem Sensationssieg über den langjährigen Amtsinhaber Peter Christ (CDU) auszuruhen, hatte er nicht: Als Dr. Werner Thomas bei der Stichwahl im April 2005 mit knappem Vorsprung Dieburgs erster parteiloser Bürgermeister wurde, begannen kurz darauf die Verhandlungen über das Altstadtgelände.

 Einer der ganz großen „Brocken“ seiner Amtszeit. Inzwischen steht dort der lang ersehnte Lebensmittelmarkt - gegenüber dem Rohbau der neuen Stadthalle. „Ich bin stolz auf das, was geschafft wurde“, sagt Thomas, der - wie er einräumt - den Vorteil hat, als nicht parteigebundener Bürgermeister mit allen gleichermaßen auf sachlicher Basis verhandeln zu können. „Schließlich war über dieses Thema schon jahrzehntelang diskutiert worden - wie auch beim Tunnelprojekt übrigens. Und jetzt kommt alles in die Gänge, wird alles Realität.“

Gesprächs- und Mitarbeiterführung ist eine der großen Stärken dieses Bürgermeisters, der alles andere als ein Machtmensch ist. Erst einmal zuzuhören, auf den anderen einzugehen, entspringt auch dem christlichen Menschenbild des überzeugten Katholiken, der sich als ausgesprochenen Familienmenschen bezeichnet. Dass er seine Person ungern in den Vordergrund stellt, zeigt auch seine Entscheidung gegen das Aufstellen von Wahlplakaten. Sein damit eingespartes Geld hat er der Dieburger Tafel und anderen gemeinnützigen Organisationen gespendet.

Thomas kennt seine „Pappenheimer“

Der 58-jährige Thomas, der vom Schulleitersessel an der Edith-Stein-Schule in Darmstadt auf den Chefstuhl ins Rathaus wechselte, kennt als geborener und auch überzeugter Dieburger „seine Pappenheimer“. Nicht zuletzt ist er als zweiter Bass der „Speeslochfinken“ auch ein überzeugter Fastnachter. Aber sich nur auf dem Erreichten auszuruhen, ist seine Sache nicht. „Wir müssen die Stadt voranbringen“, sagt er und betont, nur so viel bewegen zu können, da sein engagiertes Mitarbeiterteam im Rathaus mitzieht.

Bürgermeister Thomas steht den Dieburgern nicht nur jetzt im Wahlkampf für Gespräche zur Verfügung. Als Initiator der Ansprech-Bar“ im Rathaus ist er ein Verfechter der kurzen (Dienst)-Wege. Zudem kündigt er für Mittwoch eine Pressekonferenz im Pater-Delp-Haus an, bei der er weitere wichtige Wahlkampfziele präzisieren will (wir werden berichten). Wer Näheres über ihn wissen möchte, kann sich auf seiner Internetseite umschauen.

Da stellt er den Campus („Das ist irgendwie mein Kind“) als einen der Schwerpunkte heraus. „Als ich 2005 antrat, war der Kontakt zur Immobilienverwaltungsfirma Sireo und zur Hochschule gleich null. Da hat es viele, viele Gespräche gegeben. Jetzt haben wir die Chance, mit dem Hochschulstandort und der entwickelnden Schulinsel auf der Leer zu einer Bildungshauptstadt für die Gegend zu werden“, sagt er. Auch wegen des geplanten „Einfrierens“ der Schülerzahlen an der Alfred-Delp-Schule hat Thomas viele Gespräche geführt. Mit dem jetzt getroffenen Kompromiss könnten alle leben. „Die größte gymnasiale Oberstufe im Landkreis muss doch ein breites Spektrum an Leistungskursen anbieten können“, argumentiert Thomas. Das gehe nun mal nur mit einer bestimmten Schülerzahl.

Guter Kontakt zum Gewerbeverein

Ein weiterer Schwerpunkt ist für ihn die Fortführung der Straßensanierung im Stadtgebiet. „Wir haben 85 Kilometer Straße und 70 davon müssen saniert werden.“ Da gelte es im Haushalt klar abzuwägen, was Priorität habe. „Wir müssen immer aufpassen, dass uns bei allem Wünschenswerten die Finanzen nicht aus dem Ruder laufen“, betont er. Und da dürfe auch die Frage erlaubt sein, wie viel Umgehungsstraße Dieburg überhaupt brauche.

Bei der Wirtschaftsförderung ist es für ihn wichtig, nicht nur nach neuen ansiedlungswilligen Betrieben Ausschau zu halten. „Genauso wichtig ist der ständige Kontakt mit den schon ansässigen Firmen“, ist er überzeugt. Diese würden nämlich über Mundpropaganda in der Branche auch andere an den Standort ziehen. Und auch der gute Kontakt zum Gewerbeverein bringe viele Vorteile.

Hauptsächlich mit dem Fahrrad unterwegs

Mit der Anbindung des neuen Kreisels im Industriegebiet werde die Situation dort auch noch einmal entspannter. Sobald der Tunnel offen sei, könne auch die Schaltung der so genannten „Chaosampel“ versuchsweise geändert werden. Darüber habe er bereits mit dem Straßenverkehrsamt verhandelt.

Ansonsten verweist er auf die Zukunftsprojekte, die im Stadtleitbild festgelegt wurden. „Dieburg zur fahrradfreundlichsten Stadt Hessens zu machen, liegt mir besonders am Herzen“, gesteht Thomas, der selbst hauptsächlich mit dem Drahtesel unterwegs ist. Ausbau der Kinderbetreuung, Familienfreundlichkeit, aber auch ans Alter denken - er will nichts aus dem Auge verlieren: „Ich könnte mir beispielsweise neue generationsübergreifende Wohnformen in Dieburg vorstellen.“ Und, und, und…die Ideen werden ihm nicht ausgehen.

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